SPORT1-Expertin Natascha Keller warnt vor Argentinien, sieht aber einen Vorteil. Für eine Deutsche freut sie sich besonders.

Liebe Hockey-Freunde,

den deutschen Frauen ist nach dem ersten Turniersieg beim 3:1 gegen Südafrika sicherlich ein Stein vom Herzen gefallen. Das hat man auch daran gesehen, wie sehr sie sich nach dem Schlusspfiff gefreut haben.

Nachdem man das erste Spiel gegen China am Ende ja auch ein bisschen unglücklich nur 1:1 gespielt hat, war es wichtig mit so einem Sieg ins weitere Turnier zu gehen (die Hockey-WM bis 15. Juni LIVE im TV auf SPORT1, im LIVE-TICKER und in der SPORT1-App).

Vor allem, weil in der Gruppe ja doch interessante Dinge passieren.

Dass die Engländerinnen unten drin stehen kommt unerwartet, zeigt aber eben auch, wie nah die Weltspitze zusammengerückt ist.

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Man hatte im Vorfeld schon vermutet, dass die USA vorne mitspielen können, weil sie einfach viel investiert haben.

Die Chinesinnen waren zum Auftakt wirklich ein sehr unangenehmer Gegner und haben jetzt auch England 3:0 geschlagen. Sie sind sehr konterstark, stehen eigentlich sehr passiv, aber wenn es los geht, dann richtig.

Es wird jetzt erst mal um die vier Mannschaften vorne gehen, aber die Engländerinnen werden das so nicht stehen lassen. Mit ihnen muss man auch noch mal rechnen.

In dieser Gruppe ist daher jeder Sieg sehr wichtig und so ein 3:1 tut da einfach gut - auch wenn es nicht das schönste Spiel war. Im Endeffekt zählen die drei Punkte.

Man hat den DHB-Frauen gegen Südafrika schon auch angemerkt, dass sie ein bisschen nervös waren. Aber sie haben dann im richtigen Moment die Tore gemacht.

Vor allem als der Anschlusstreffer zum 2:1 kam, haben sie direkt das 3:1 nachgelegt. Das war gegen China noch genau anders herum, da haben sie offensichtlich schon aus ihren Fehlern gelernt.

Wichtig ist jetzt, dass sie selbstbewusst ins nächste Spiel gehen. Noch muss man nicht auf die anderen gucken, sondern hat alles in der eigenen Hand.

Gegen Argentinien wartet auch ein ganz anderes Spiel. Sie sind spielerisch extrem stark und das deutsche Team ist diesmal nicht in der Favoritenrolle. Ich erwarte ein sehr offenes Spiel mit vielen Offensivaktionen in beide Richtungen.

Man muss den Argentinierinnen die Lust am Spielen nehmen und darf sie gar nicht erst in einen Spielfluss kommen lassen.

Vor allem Luciana Aymar ist eine überragende Spielerin, aber die anderen darf man eben auch nicht unterschätzen. Da wird es enorm wichtig sein, dass die deutsche Defensive gut steht - und die fängt schon im Sturm an.

Dort habe ich mich in den ersten beiden Spielen vor allem über die Auftritte von Hannah Gablac gefreut. Schön wie die Jüngste im deutschen Team da vorne mutig ihre Aktionen hat und bei ihrer ersten WM auftrumpft.

Überrascht hat mich auch ein wenig die Niederlage der deutschen Männer gegen Argentinien. Das hätte ich nicht unbedingt gedacht, dass das ein Gegner ist, an dem die Deutschen scheitern.

Aber ich mache mir da überhaupt keine Sorgen: Die Männer haben bei ihren großen Erfolgen immer einen Dämpfer im Turnierverlauf gehabt.

Sie waren ja schon die spielbestimmende Mannschaft, aber gegen diese tiefstehenden Argentinier war es dann eben nicht ganz einfach.

Es ist für beide deutschen Teams keine leichte WM: Bei den Männern trumpft Neuseeland stark auf, die Niederländer im eigenen Stadion sowieso.

Aber die deutschen Männer haben eine gute Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen Talenten. Ich bin mir sicher, dass sie aus dieser Niederlage lernen und gestärkt ins weitere Turnier gehen werden.

Ich freue mich jetzt unheimlich auf das Spiel gegen die Niederlande. Das ist einfach ein Klassiker - und noch dazu am Freitagabend in einem vollen Stadion.

Ich habe vollstes Vertrauen, dass unsere Männer wie schon im Olympia-Finale 2012 und im EM-Halbfinale im letzten Jahr wieder die Nase vorn haben.

Eure

Natascha Keller

Natascha Keller, 36, wurde 2004 in Athen Olympiasiegerin und ist mit 425 Länderspielen Rekordnationalspielerin des Deutschen Hockey-Bundes. Sie stammt aus der Hockeyfamilie schlechthin: Ihr Großvater Erwin Keller gewann 1936 in Berlin olympisches Silber, Vater Carsten wurde 1972 in München Olympiasieger - genauso wie ihre Brüder Andreas (1992 in Barcelona) und Florian (2008 in Peking). Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2012 in London trug Natascha Keller für Deutschland die Fahne. Im Sommer danach beendete die Welthockeyspielerin von 1999 ihre aktive Karriere. Bei den Weltmeisterschaften in Den Haag kommentiert sie an der Seite von Hans-Joachim Wolff die Spiele der deutschen Damen.

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