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Christopher Rühr (r.) bestreitet in Den Haag seine erste WM © getty

Christopher Rühr spricht bei SPORT1 über das Duell mit den Niederlanden, das deutsche Siegergen und Pflichten als Youngster.

Von Jonas Nohe

München/Den Haag - Weltnachwuchsspieler des Jahres, U-21-Weltmeister und dabei bester Spieler des Turniers: Die internationale Titelsammlung von Christopher Rühr kann sich schon in jungen Jahren sehen lassen.

Bei der WM im niederländischen Den Haag (bis 15. Juni LIVE im TV auf SPORT1, im LIVE-TICKER und in der SPORT1-App) bestreitet der 20-Jährige sein erstes großes Turnier mit der A-Nationalmannschaft - und sorgte in den ersten beiden Spielen schon für mächtig Furore.

Wahnsinns-Solo gegen Südafrika

Beim Auftaktsieg gegen Südafrika bereitete Rühr den Treffer zum 4:0-Endstand mit einem sehenswerten Solo vor (Video), auch bei der knappen 0:1-Niederlage gegen Argentinien war er einer der auffälligsten Deutschen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Im Klassiker gegen die Niederlande (Fr., ab 19.40 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 u. LIVE-TICKER) kann das DHB-Team seine außergewöhnlichen Fähigkeiten erneut gut brauchen.

Im SPORT1-Interview spricht Rühr über die Vorfreude aufs Duell mit dem Gastgeber, die Siegermentalität der deutschen Hockey-Herren und seine Pflichten als Youngster im Team.

SPORT1: Herr Rühr, Bundestrainer Markus Weise hat nach dem Spiel gegen Argentinien von einer "absolut verdienten Niederlage" gesprochen und gesagt, es habe "nicht viel zusammengepasst". Welche Lehren ziehen Sie aus dem Spiel?

Christopher Rühr: Dass es verdient war, ist klar. Da hat der Bundestrainer vollkommen Recht. In der Analyse haben wir aber gesehen, dass wir nicht so viel falsch gemacht haben, wie es sich nach dem Spiel erst angefühlt hat. Wir hatten schon viele Kreisszenen, waren dann aber nicht zwingend genug (Service zur WM: SPORT1 erklärt Hockey).

SPORT1: Argentinien hat aus zwei Torschüssen im ganzen Spiel ein Tor gemacht und sehr defensiv gespielt. Ähnlich ging es den deutschen Frauen im Auftaktspiel gegen China. Wieso tun sich die DHB-Teams gegen solche Mannschaften so schwer?

Rühr: Es ist einfach ein ganz anderes Spiel. Man hat keinen Spielaufbau wie sonst zwischen eigener Viertel- und Mittellinie, sondern der Aufbau rückt ganz nach vorne in die gegnerische Hälfte. Dadurch ist es nicht so einfach, Tiefe ins Spiel zu bringen. Es ist enger, es sind immer sofort drei Gegenspieler um einen herum, und dann versucht man es oft mit der Brechstange.

SPORT1: ...und hofft, dass mal einer irgendwie rein flutscht?

Rühr: Genau, und das Glück hat uns dann leider ein bisschen gefehlt.

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SPORT1: Wie schon bei Olympia 2012 und der EM 2013 gab es jetzt eine frühe Niederlage. Warum brauchen die deutschen Hockey-Männer im Verlauf eines großen Turniers immer einen Warnschuss, um anschließend umso stärker zurückzuschlagen?

Rühr: Da kann ich natürlich noch nicht so viel dazu sagen. Aber es war vielleicht nicht ganz glücklich, dass dieser Warnschuss jetzt gegen Argentinien gekommen ist. Trotzdem kann uns das nur stärker machen. Ab jetzt ist jedes Spiel ein Endspiel - und wie man weiß, sind wir in Endspielen immer gut.

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SPORT1: Die Niederländer werden am Freitag gerade vor heimischem Publikum auf Revanche für die Niederlagen im Olympia-Finale 2012 und im EM-Halbfinale letztes Jahr aus sein. Wie giftig wird sich Oranje auf dem Platz präsentieren?

Rühr: Giftig ist glaube ich ein ganz gutes Wort. Die werden angepeitscht von ihren 15.000 Fans, alles in Orange. Das ist natürlich überragend. Aber das Geile daran ist: Es peitscht uns genauso an, das ganze Stadion gegen uns zu haben. Das ganze Stadion ruhig stellen zu können mit tollen Toren oder einem Sieg, das ist natürlich unser Ziel.

SPORT1: In den ersten beiden Spielen waren Sie einer der auffälligsten Deutschen, haben im Team bisher die meisten Torschüsse abgegeben. Wie zufrieden sind Sie persönlich mit Ihren ersten Auftritten bei einem großen Turnier mit der A-Nationalmannschaft?

Rühr: Es ist natürlich ein Riesenschritt, von der U 21 zum A-Nationalteam zu kommen und dann auch ein großes Turnier zu spielen. Ich kann mit meiner Leistung bisher relativ zufrieden sein. Aber es nicht so, dass ich sage: Da geht nicht mehr. Ich glaube, dass ich mich noch sehr, sehr, sehr stark steigern kann. Und wenn mir das gelingt, kann ich für das Team auch noch wichtiger werden. Da geht auf jeden Fall noch mehr.

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SPORT1: Vor allem Ihr sehenswertes Solo vor dem 4:0 im Auftaktspiel gegen Südafrika macht schon im Internet die Runde und wurde vom Welthockeyverband zum "Tor des Tages" gekürt. Kann man sowas trainieren oder ist das Instinkt?

Rühr: Das ist Instinkt, in den richtigen Momenten so etwas anzuwenden. Klar versucht man das öfter und es geht auch oft schief. Aber wenn es mal klappt, sieht es natürlich immer schön aus. Es war aber auch nicht optimal verteidigt von den Südafrikanern. Trotzdem hoffe ich, dass ich davon auch in den wichtigen Spielen jetzt noch einiges liefern kann.

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SPORT1: Im Nationalteam sind sie unter Olympiasiegern, Welt- und Europameistern mit 20 Jahren der Youngster. Genießen Sie da eine Art Welpenschutz oder muss man vielleicht eher mal die eine oder andere unangenehme Aufgabe übernehmen?

Rühr: Eher das Gegenteil von Welpenschutz (lacht). Natürlich wissen die anderen Jungs, dass ich noch in der Entwicklung bin. Aber so Sachen wie Flaschendienst oder Bälle zählen muss man schon übernehmen. Das macht man dann auch ohne Wenn und Aber.

SPORT1: Hannah Krüger hat im SPORT1-Interview von einer riesigen Hockey-Begeisterung in Den Haag berichtet. Wer von den Deutschen wurde beim Stadtbummel denn schon nach einem Autogramm gefragt?

Rühr: Beim Stadtbummel bisher keiner. Die Leute gucken einem schon mal so ein bisschen hinterher, und es hängen überall Hockeyplakate. Aber wir gehen natürlich auch nicht in Deutschland-Kleidung in die Stadt. Es gibt aber eine riesige Leinwand fürs Public Viewing in der Stadt und daneben ist sogar ein kleiner Hockeyplatz aufgebaut. Das ist echt ganz schön.

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