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Den deutschen Hockey-Herren droht der frühe WM-K.o. © imago

Nach der Schlappe gegen Gastgeber Niederlande droht den Hockey-Herren das WM-Aus. Bundestrainer Weise spricht Klartext.

Von der Hockey-WM berichtet Andreas Reiners

Den Haag - Markus Weise hatte seinen Humor nicht verloren.

Nein, er werde sich jetzt keinen Baum suchen, um sich zu erhängen. So schlimm war die Niederlage gegen die Niederlande dann auch wieder nicht. Doch der 51-Jährige wollte auch nichts beschönigen. Und sprach auf SPORT1-Nachfrage Klartext (Die WM LIVE im TV auf SPORT1, im LIVE-TICKER und in der SPORT1-App) .

"Das reicht so nicht. Das reicht für ein enges Spiel. Dann brauchst du aber Glück", so Weise. Normalerweise müsse man aber so stark sein, dass man kein Glück benötige. "Letztlich war es etwas zu wenig. Und etwas zu wenig ist bei dem Niveau viel zu wenig."

Keine Ausreden

Ausreden? Nicht Weises Ding. Bei der Suche nach den Gründen für die Krise der deutschen Hockey-Herren tat sich der Bundestrainer schon etwas schwerer. Denn die sind diffizil (Service zur WM: SPORT1 erklärt Hockey).

Natürlich, gegen den WM-Gastgeber Niederlande kann man verlieren. Die 0:1-Niederlage in der Neuauflage des Olympia-Finales offenbarte in der starken zweiten Halbzeit, dass die Chancenverwertung ein großes Manko ist. Die erste Hälfte unterstrich, dass das deutsche Team noch Zeit braucht, um schnell den Rhythmus zu finden.

Ein Grund: die schwierige Vorbereitung.

"WM-Termin tut uns weh"

"Das Gesamtsystem war hinsichtlich der Termine nicht gut austangiert. Der frühe WM-Termin tut uns besonders weh", so Weise. Der war vor allem gewählt worden, um der am 12. Juni beginnenden Fußball-WM so gut es geht, aus dem Weg zu gehen.

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Vor der WM absolvierte Weise mit seiner Mannschaft drei Stützpunkte. Nur bei einem konnte er wirklich Gas geben. Bei den beiden anderen stand Kompensationstraining im Vordergrund. Im Frühjahr hatte der Bundestrainer mit zwei langen Camps versucht, das Problem zu lösen.

Vergeblich. Ein echter Härtetest? War im Grunde nur das Vierländerturnier im Mai.

Zu wenig Trainingszeit

"Letztlich brauchst du einen Anstieg und die entsprechenden Reize bei dem Tempo und der Intensität, und die bekommst du in der Bundesliga nicht", sagte Weise: "Uns fehlen fünf Spiele. Aber die konnten wir nicht in den Kalender schmuggeln."

Drei von den fünf Spielen absolvierte die DHB-Auswahl demnach bei der WM. Die Crux: Pünktlich zum Vorrundenfinale am Dienstag wären die Olympiasieger also voll im Saft. Doch dann könnte es bereits zu spät sein.

Programm wird umgestrickt

Und deshalb denkt Weise bereits jetzt an das nächste Jahr.

"Man muss sich für die Zukunft Konsequenzen überlegen. Deshalb haben wir die kommende Saison auch geteilt." Denn das wichtigste Turnier 2015 ist nicht die EM, sondern die World League in Argentinien. Bei dem 2012 neu geschaffenen Wettbewerb geht es um das Ticket für die Olympischen Spiele 2016 in Rio.

Dafür wird das Programm umgestrickt. Der Plan: Vor den Stützpunkten in der Endphase der Liga soll es Einzel-Spieltage geben.

Von Montag bis Mittwoch kann die Nationalmannschaft dann Gas geben. Für diese Stützpunkte sollen dann vielleicht auch Gegner wie Belgien oder die Niederlande eingeladen werden. Zudem wird die Liga nach der World League zu Ende gespielt.

Gegenwart heißt Neuseeland

Ein erster Schritt. Doch noch ist das alles Zukunftsmusik. Denn nun zählt die Gegenwart. Und die heißt erst einmal Neuseeland (Sonntag, 10.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER).

Mit drei Punkten belegt Deutschland zwei Spieltage vor dem Ende der Vorrunde in der Gruppe B unter sechs Mannschaften lediglich den vierten Platz. Gastgeber Niederlande ist mit neun Zählern Tabellenführer vor dem nächsten DHB-Gegner Neuseeland und Argentinien (beide sechs).

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Heißt: Die DHB-Auswahl hat es nicht mehr in der eigenen Hand. Ein Sieg gegen Neuseeland? Pflicht, um überhaupt noch Chancen auf das Halbfinale zu haben.

Erstmals in der achtjährigen Weise-Ära droht also bei einem Großereignis das vorzeitige Aus.

"Ein oder zwei Tore wären ganz gut"

Ein erstes kurzfristiges, probates Hilfsmittel? "Ein Tor wäre ganz gut, das würde schon mal helfen. Oder auch zwei". Gegen Argentinien (0:1) und die Niederlande blieben die deutschen Hockey-Herren zweimal in Folge ohne eigenen Treffer. Für die erfolgsverwöhnte Weise-Truppe ein ganz neues Gefühl.

Kein Wunder, dass Weises Mannschaft mit hängenden Köpfen vom Platz schlich.

Halbfinale fast unmöglich

"Es ist fast unmöglich, noch das Halbfinale zu erreichen. Wir müssen das erst einmal verarbeiten", sagte Welthockeyspieler Tobias Hauke SPORT1.

Die schwierige Vorbereitung wollt er als nicht als Grund für die Krise sehen. "Ich glaube nicht, dass wir zu wenig miteinander gespielt haben. In der zweiten Halbzeit haben wir unseren Rhythmus gefunden", so Hauke.

Bleibt also das Prinzip Hoffnung. "Vielleicht gibt es noch eine ganz kleine Tür. Die müssen wir dann nehmen."

Weise denkt da schon an den umgekehrten Weg. "Vielleicht bekommt das Ganze jetzt eine negative Dynamik. Die müssen wir brechen", forderte er.

Wird im deutschen Lager jetzt gerechnet? Die Tabelle studiert? Die Chancen auf das Halbfinale abgewogen?

Weise interessieren nur die drei Punkte gegen Neuseeland: "Ich schaue mir die Tabelle kein einziges Mal an. Die ist mir scheißegal."

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