DHB-Spielerin Tina Bachmann spricht bei SPORT1 über Zickenkrieg, das deutsche Hockey und warum die Damen ins Halbfinale kommen.

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Von der Hockey-WM berichtet Andreas Reiners

Den Haag - Tina Bachmann fluchte. Diskutierte. Protestierte.

Es half nichts. Auch die 35-Jährige konnte die WM-Lehrstunde für die deutschen Hockey-Damen nicht verhindern (LIVE im TV auf SPORT1, im LIVE-TICKER und in der SPORT1-App).

Mit hochrotem Kopf stapfte sie vom Feld. Ausgelaugt. Enttäuscht.

Wenig später präsentierte sich wieder die andere Tina Bachmann. Gut gelaunt, entspannt und optimistisch sprach sie mit SPORT1.

Verlängerter Arm auf dem Platz

"Ich finde es schade, dass wir noch nicht in unseren Lauf gekommen sind und so spielen, wie wir eigentlich können. Das ist aber auch gleichzeitig eine Motivation", sagte die Abwehrspielerin nach dem 0:3 gegen Argentinien.

Als verlängerter Arm von Bundestrainer Jamilon Mülders, der während des Spiels immer wieder Kontakt zu seiner erfahrensten Spielerin sucht, wird sie auf dem Platz natürlich auch mal laut. Coacht. Treibt an. Pusht (Service zur WM: SPORT1 erklärt Hockey).

"Ich bin dafür verantwortlich, dass wir unser System einhalten. Und das ist nicht immer nur heititeiti, sondern auch mit klaren Worten."

Mülders und Bachmann kennen sich "seit 100 Jahren". Das Verhältnis ist deshalb freundschaftlich-professionell. Offen und ehrlich. Dinge werden sich intern auch mal knallhart an den Kopf geworfen. "Auf eine konstruktive Art und Weise", sagt Bachmann.

Ratgeber für die Jüngeren

Und in der Mannschaft? Ist sie die Mutter der Kompanie? Bachmann lacht.

"Wenn man auf mein Alter guckt, ja. Aber ich fühle mich nicht so. Ich bin halt eine der Älteren. Punkt."

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Hin und wieder kommen die jungen Spielerinnen, und suchen Rat. Umgekehrt schaut sie sich aber auch einiges von der Frische und Leichtigkeit des Nachwuchses ab.

Fitter als am Anfang

Als Tochter des früheren Nationalspieler Gerd Bachmann wurden ihr die Hockey-Gene quasi in die Wiege gelegt, bereits mit 13 debütierte sie in der Jugend-Auswahl. Ihr erstes großes Turnier spielte sie bei der WM 2002. Seitdem hat sie sich nicht großartig verändert.

"Ich habe versucht, immer authentisch zu bleiben. Was sich auf jeden Fall geändert hat: Ich bin fitter als zu Beginn meiner Karriere."

Und dann kommt nach 252 Länderspielen natürlich noch der Erfahrungsschatz ins Spiel.

Ausbootung vor London 2012

"Dadurch lernt man, mit Situation anders umzugehen. Dass man die Dinge besser verarbeiten kann. Und anderen helfen kann, es besser zu verarbeiten." Also auch Enttäuschungen. Wie nun gegen Argentinien.

Oder wie im Sommer 2012. Da platzte der Traum von den Olympischen Spielen in London. Bachmann stand nicht im Kader. Ein Tiefschlag. Eine Enttäuschung.

Die Spiele der deutschen Damen verfolgte sie nicht. Stattdessen konzentrierte sie sich auf ihre Vereinskarriere in den Niederlanden. Mund abwischen, weitermachen also.

Überraschender Anruf von Mülders

Umso überraschender dann der Anruf von Mülders, der Michael Behrmann nach dem schwachen Turnier als Bundestrainer ablöste. Mülders wollte Bachmann zurückholen.

Im ersten Moment dachte die Olympiasiegerin von 2004 sogar, Mülders wolle sie für den Trainerstab. Bachmann dachte gründlich darüber nach. Zögerte. schwankte. Der Bundestrainer lud sie ein, einfach mal vorbeizuschauen. Blieb dran. War hartnäckig. Mit Erfolg.

"Es hat nochmal gekribbelt"

"Es war natürlich ein Schritt, nochmal zurückzukommen. Aber es hat nochmal gekribbelt, deshalb habe ich es gemacht", sagt Bachmann. Im vergangenen Jahr wurde sie beim überraschenden EM-Triumph zur besten Spielerin des Turniers gewählt.

Die deutschen Damen hatten sich nach dem schwachen Abschneiden bei Olympia (Platz 7) berappelt. Ein Plus der deutschen Damen: Laut Mülders gebe es keinen Zickenkrieg mehr innerhalb der Mannschaft.

Für Bachmann ist zu viel Harmonie aber fast schon langweilig. Schließlich verbringe man bei den Turnieren viel Zeit miteinander.

"Das ist wie in einer Beziehung oder eine Ehe. Das Streben nur nach Harmonie - manchmal muss es auch knallen. Das regt Menschen zum Nachdenken an. Und das führt manchmal dazu, dass man den nächsten Schritt macht. Tacheles ist nicht immer was Schlechtes", so Bachmann.

"WM, dann reden wir weiter"

Tacheles redet Bachmann auch, was den Stellenwert des deutschen Hockeys in der Heimat angeht. Denn dass es anders geht, erlebt sie seit sechs Jahren in den Niederlanden.

"Es herrscht ein viel größeres Interesses an der Sportart Hockey. Die Strukturen sind professioneller als in Deutschland."

Warum bleibt Hockey in Deutschland eine Randportart? Das Interesse bei Olympia zeigt ja, dass Potenzial grundsätzlich vorhanden ist.

"Ich frage mich das auch immer wieder. Manchmal bezweifle ich ob das Interesse da ist, mehr daraus zu machen. Ich würde mir für das, was wir tun, noch mehr Wertschätzung wünschen", sagt Bachmann.

Zukunftsentscheidung nach der WM

Und Tacheles wird auch nach der WM geredet. Denn dann will Bachmann entscheiden, wie es für sie weitergeht. Im August wird sie 36.

Vorher gilt es aber, das Halbfinale noch zu erreichen. Deutschland ist vor den letzten beiden Spielen mit vier Punkten Dritter hinter Argentinien und dem kommenden Gegner USA (beide 7) (So. 14.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, LIVESTREAM und im LIVE-TICKER).

Warum erreichen die DHB-Damen die Runde der letzten Vier?

Da war sie wieder, die Optimistin. "Ich glaube, dass der Knoten platzt in den letzten beiden Spielen. Und dass wir bestimmen, wo es langgeht."

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