Philipp Crone glaubt nicht an ein Halbfinale der DHB-Herren bei der WM. Eine Fehlentwicklung sieht er deswegen trotzdem nicht.

Die deutschen Hockeyfrauen haben den Halbfinaleinzug bei der WM klar verpasst. Auch für die Herren sieht es vor dem letzten Spieltag nicht gut aus.

Sie müssen bei einem eigenen Sieg auf eine Niederlage von Argentinien hoffen.

SPORT1-Experte Philipp Crone spricht über die Halbfinalchancen der DHB-Herren, die Kritik von Bundestrainer Markus Weise - und die Bedeutung eines frühen Ausscheidens bei der WM.

(SPORT1 überträgt 32 Spiele der Hockey-WM live im Free-TV und berichtet dazu über alle Partien der DHB-Teams im LIVE-TICKER und in der SPORT1-App)

Philipp Crone über...

...die WM-Auftritte der DHB-Männer:

Von der Spielanlage fand ich die Spiele alle nicht schlecht. Das hätte mich auch gewundert. Was leider nicht funktioniert hat, war oft die absolute letzte Konsequenz in den Aktionen. Die Deutschen erspielten sich zwar durch ruhiges Aufbauspiel Chancen, aber machten daraus kein Tor. Das hat dazu geführt, dass die Mannschaft gegen Argentinien verloren hat, obwohl Argentinien nur ein halbes Mal auf das deutsche Tor schoss. Gegen die Niederlande war es in der zweiten Halbzeit ähnlich: Die haben sie in den letzten 15 Minuten an die Wand gespielt und sich leider wieder nicht belohnen können. Die Mannschaft hat sich zwar wie bislang in jedem Turnier gesteigert, aber diesmal leider zu spät. Die Konsequenz ist, wenn man zwei Spiele in einer Sechsergruppe verliert: Kein Halbfinale.

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...die deutsche Abwehrleistung:

Die Verteidigung stand eigentlich immer gut. In den ersten drei Spielen bekam Deutschland zwei Gegentore, was phänomenal war. Da war nicht alles schlecht, im Gegenteil: Wenn da nicht die schlechte Chancenverwertung gewesen wäre.

...Markus Weises Kritik an der zu kurzen Vorbereitungszeit:

Der Zeitpunkt der WM ist natürlich nicht optimal, da die Spieler bis vor kurzem noch EHL und Bundesliga gespielt haben. Sonst sind die großen Turniere wie Olympia und die WM meistens im Herbst. Da hat man in der Sommerpause ausgiebig Zeit für die Nationalmannschaft. Das geht anderen Nationen zum Teil zwar ähnlich. Die Deutschen leiden jedoch speziell, weil sie im Winter eine ausgiebige Hallenrunde spielen, die andere Länder so nicht haben, und dadurch noch weniger Vorbereitungszeit hatten.

...die Bedeutung eines frühen deutschen Ausscheidens für den deutschen Hockey-Sport:

Es bedeutet, dass es bei einer Weltmeisterschaft eben nicht klar ist, dass deutsche Mannschaften immer wie selbstverständlich im Halbfinale stehen, wie man das ja von den deutschen Hockey-Männern mittlerweile gewohnt ist. Sondern, dass das immer ein Ergebnis von Detailarbeit und einer guten Vorbereitung ist. Wenn da mal ein paar Sachen zusammen kommen wie etwa Verletzungen oder ein enger Terminplan, reicht es eben nicht. Das wertet die Ergebnisse der letzten Jahre nur auf. Da hat man es immer geschafft, auf den Punkt da zu sein: Vizeweltmeister 2010, Europameister 2011, Olympiasieger 2012, Europameister 2013. Hier eine Fehlentwicklung zu unterstellen, wäre reines Effekt-hascherisches Fußballdenken. Wenn man in drei aufeinander folgenden Turnieren hintereinander in der Vorrunde ausscheidet, kann man darüber nachdenken, ob da etwas falsch läuft. Aber nicht, wenn die Mannschaft jetzt ausnahmsweise einmal nicht ganz vorne landet.

...seine Überraschung des Turniers:

Die Argentinier sind die große Überraschung. Man sieht bei ihnen, wie das glückliche 1:0 gegen Deutschland eine Turnier-Dynamik entfacht hat. Eine Dynamik, von der sonst oft die deutsche Mannschaft profitiert hat. Und: Im Halbfinale haben die Argentinier nichts zu verlieren. Da weiß man nie, was passiert.

...die Stimmung bei der WM:

Ist super! Klar, die WM 2006 in Deutschland war auch toll. Aber man muss klar sagen, dass die Niederländer für Hockey besonders begeisterungsfähig sind. Wenn dort 15.000 Fans im Stadion sind, von denen die allermeisten den Sport auch noch perfekt verstehen, weil sie selbst aktiv sind und Hockey in den Niederlanden einen solch großen Stellenwert hat, ist das perfekt. Besser geht es nicht. Umso schöner wäre es gewesen, statt jetzt hier über die Gründe für das Ausscheiden nachzudenken, an dieser Stelle den nächsten deutschen Halbfinalgegner analysieren zu können.

Philipp Crone, 37, ist Weltmeister von 2002 sowie 2006 und gewann 2004 in Athen die olympische Bronzemedaille. Mit 349 Länderspielen war er bis 2012 Rekordnationalspieler. 2007 beendete Philipp Crone seine aktive Karriere. Bei den Weltmeisterschaften in Den Haag begleitet er an der Seite von Holger Pfandt die Übertragung der Spiele der Herren. Das Duo Pfandt/Crone war auf SPORT1 bereits bei den Übertragungen der Hockey World League im Januar zu hören.

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