Nach dem frühzeitigen K.o. bei der Hockey-WM fordert Frauen-Bundestrainer Jamilon Mülders Reformen. Die Weltspitze ist weit weg.

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Den Haag - Das WM-Aus war schmerzhaft, aber es kam für Jamilon Mülders nicht überraschend.

"Wir brauchen mehr Zeit, mehr Länderspiele und mehr Geld", forderte der Frauen-Bundestrainer nach dem 1:4 (0:1) gegen die USA (Bericht), mit dem seine Mannschaft bereits am vorletzten Gruppenspieltag alle Chancen auf das Halbfinale der WM in Den Haag (LIVE im TV auf SPORT1, im LIVE-TICKER und in der SPORT1-App) verspielte. (SHOP: Jetzt Hockey-Artikel kaufen).

Titel für DHB-Frauen rar

Während die erfolgsverwöhnten Männer von Bundestrainer Markus Weise erstmals seit 2007 bei einem Großereignis leer ausgehen könnten, ist Edelmetall für die deutschen Hockey-Frauen seit dem sensationellen Olympiagold von 2004 eine Rarität (Service zur WM: SPORT1 erklärt Hockey).

Der EM-Titel aus dem Vorjahr wurde auch intern eher als positiver Ausrutscher bewertet.

Mülders fordert Sachlichkeit

"Was sieben Jahre lang mäßig gelaufen ist, kann ich nicht mit einem Knopfdruck verändern", hatte Mülders in der Vorwoche dem "Berliner Kurier".

Damit spielte er auf die Amtszeit seines Vorgängers Michael Behrmann an, dem er nach dem siebten Platz bei den Olympischen Spielen von London 2012 nachgefolgt war.

Mülders sieht sich durch das vorzeitige WM-Aus in gewisser Weise bestätigt und stellt sich zugleich auf Gegenwind ein: "Unsere Ergebnisse müssen auf einer sachlichen Ebene besprochen werden. Wir wollen etwas verändern. Damit haben wir begonnen. Ich bin gespannt, wie manche Leute jetzt schreien und meinen Kopf fordern werden."

Mülders kritisiert Strukturen

Dabei hatte seine Mannschaft am Sonntag unter dem Strich ihre beste Turnierleistung geboten und Emporkömmling USA in den ersten 30 Minuten kontrolliert.

In Nordamerika wird Frauen-Hockey an den High Schools und Colleges immer populärer - und finanziell entsprechend gefördert.

Anders in Deutschland, weshalb Mülders beklagt, dass es durch das duale System mit Beruf beziehungsweise Studium neben dem Hockey "immer weniger Möglichkeiten" gebe, "zusammen zu trainieren und als Nationalteam Wettkampferfahrung aufzubauen".

USA effektiver

Diese mangelnde Erfahrung hatte sich am Sonntag nicht zuletzt in der Chancenauswertung geäußert, die auf internationalem Niveau entscheidend ist.

"Eine gute Halbzeit ist nicht gut genug. Die USA waren effektiver. Wir waren 38-mal im US-Kreis, aber die machen eben die Tore", bilanzierte Mülders.

Kristina Hillmann, der in der 59. Minute der einzige deutsche Treffer gelang, ergänzte: "Wir spielen so eine gute erste Halbzeit. Es war unser bestes Turnierspiel. Die haben vier Chancen und machen vier Tore."

Vorbild Niederlande

Als Ideal betrachtet Mülders seine niederländische Heimat, deren bereits für das Halbfinale qualifizierte Frauen-Nationalteam aus Vollprofis besteht: "Wir haben keine Stürmerin von Topqualität und Topmentalität. Als einzige Nation haben die Niederlande genug Stürmerinnen und zwar gleich so an die zehn."

Dorthin zu kommen, dürfte in der Tat ein langer Weg sein.

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