Die DHB-Männer patzen erneut und beenden die WM auf Platz 6 - was den Rufen des Bundestrainers nach Reformen Nachdruck verleiht.

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Den Haag - Der Tiefpunkt ist erreicht: Die deutschen Hockey-Männer haben das Spiel um Platz fünf bei der Weltmeisterschaft in Den Haag verloren und das Turnier erstmals in der Geschichte nur auf dem enttäuschenden sechsten Platz beendet.

In einer Neuauflage des EM-Finales von 2013 verlor der Olympiasieger 2:4 (1:1) gegen Belgien.

"Je länger das Spiel dauerte und je mehr die Belgier wollten, wusste ich, dass das schlecht für uns ausgeht. Das Spiel ist eine doppelte Enttäuschung. Phasenweise waren wir weit weg von unserem Niveau", sagte Bundestrainer Markus Weise.

Führung verspielt

Strafecken-Spezialist Christopher Zeller brachte die Mannschaft von Bundestrainer Markus Weise in einer temporeichen Partie der 18. Minute in Führung, doch Belgien schlug durch Tom Boon (25.) und Tanguy Cosyns (40.) zurück.

Nach dem Ausgleich durch Florian Fuchs (56.) schossen Florent van Aubel (59.) und Sebastien Dockier (65.) die "Roten Löwen" zum Sieg. (Service zur WM: SPORT1 erklärt Hockey)

Acht Medaillen in der Vergangenheit

Das bis dahin schlechteste Ergebnis hatte eine deutsche Hockey-Nationalmannschaft bei der WM-Premiere 1971 hingelegt, damals wurde Deutschland Fünfter.

Bei insgesamt 13 Teilnahmen hatte die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) elfmal zumindest das Halbfinale erreicht und acht Mal Medaillen abgeräumt. (903944DIASHOW: Die Turnier-Bilder)

Konstanz vermissen lassen

Nach einer nur dreiwöchigen Vorbereitungszeit hatte das Weise-Team seine Leistung in Den Haag nicht konstant abrufen können. Der Weltranglistenzweite hatte nach einem 4:0 zum Auftakt der Gruppenphase gegen Südafrika ein überraschendes 0:1 gegen Argentinien kassiert und dann gegen Gastgeber Niederlande 0:1 verloren.

Das 5:3 gegen Neuseeland sowie das 6:1 gegen Südkorea reichten für ein Halbfinal-Ticket nicht aus.

Kurze Vorbereitung ein Grund

"Die kürzere Vorbereitung ist ein Teil der Geschichte. Uns fehlen vier bis fünf Spiele auf höchstem Niveau, um hier die Chancen zu erhöhen. Bei Turnierbeginn waren wir noch nicht bei 100 Prozent", so Weise. (903353DIASHOW: So schön ist die WM)

Für den Erfolgscoach ist Platz fünf eine ganz neue Situation, schließlich erreichte der 51-Jährige in seiner Zeit als Männertrainer bei Großevents bisher immer zumindest die Runde der letzten Vier.

Hallen-Saison zu lang

Der vollgepackte internationale Kalender machte Weise bei der dringend benötigten Vorbereitungszeit ebenso einen Strich durch die Rechnung wie die lange Hallen-Saison in Deutschland und das damit verbundene späte Ende der Feld-Spielzeit.

Während die deutschen Nationalspieler mit ihren Klubs noch um die nationale Meisterschaft spielten, wurde andernorts schon fleißig auf die WM hingearbeitet.

Weise fordert Strukturreform

Um ein ähnlich frühes Scheitern der erfolgverwöhnten deutschen Männer in Zukunft zu verhindern, fordert nicht nur Weise im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 eine Strukturreform.

Auch Frauen-Kollege Jamilon Mülders hatte "mehr Zeit, mehr Länderspiele und mehr Geld" verlangt. (Bericht: Mülders kämpft für Hockey-Reformen)

Auch Frauen mit schlechtestem Ergebnis

Mülders' Team hatte die WM in Den Haag nach der vierten Niederlage in Folge nur auf Platz acht beendet. Im Spiel um Platz sieben am Freitag unterlagen die Europameisterinnen Südkorea mit 2:4. Damit egalisierte die DHB-Auswahl ihre bis dato schlechtesten Ergebnisse aus den Jahren 1990 und 2006.

Besonders die mangelnde Treffsicherheit machte den deutschen Frauen immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Insgesamt nur acht Tore in sechs Turnierspielen waren die drittschlechteste Ausbeute aller Mannschaften vor den Engländerinnen und Japanerinnen (jeweils sieben).

Jobgarantie für Trainer

Eine detaillierte WM-Analyse hat sich der DHB für die nächsten Wochen vorgenommen, große Kursanpassungen sind allerdings nicht zu erwarten. Beide Trainer erhielten von den Verantwortlichen eine Jobgarantie, eine Flexibilisierung des Bundesliga-Spielplans ist bereits beschlossen.

DHB-Präsident Stephan Abel bleibt trotz der mageren Ausbeute seiner Teams optimistisch: "Wir lassen jetzt nicht den Kopf hängen. Das ist eigentlich für uns nur Ansporn, immer noch besser zu werden."

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