Hockey-Bundestrainer Markus Weise fordert mehr gesellschaftliche Anerkennung und finanzielle Anstrengungen für den Sport in Deutschland.

"Wir müssen Sport aufgrund seiner herausragenden gesellschaftlichen Bedeutungen fördern und ihn als Staatsangelegenheit ansehen. Wenn wir wieder gesündere Bürger wollen, sollten wir dafür viel Geld in die Hand nehmen", sagte Weise im Interview mit der "Sächsischen Zeitung":

"Dann reden wir aber nicht mehr über ein Millionen-, sondern über ein Milliardenprogramm."

Der 50-Jährige, der 2004 mit den deutschen Damen sowie 2008 und 2012 mit den Herren Olympiagold gewann, betonte, dass es ihm bei seinen Überlegungen nicht ausschließlich um den Spitzensport gehe.

"Wir müssen Sport viel weiter oben ansiedeln - nicht, damit wir mehr Erfolge feiern, sondern, weil Hirnforscher belegen, dass er Leistungen auf vielen Gebieten fördert", betonte er:

"Wir müssen etwas verändern im Sinn einer Investition in die Zukunft der Gesellschaft und übergreifend denken. Unser Ziel kann nicht ernsthaft dieser langweilige Medaillenspiegel sein."

Die Realität sehe in Deutschland jedoch vollkommen anders aus, "Sport fällt immer als erstes Unterrichtsfach aus. Eine Lehrerin erzählte mir, dass sie im Sportunterricht keine Rückwärtsrolle mehr machen lässt. Das sei ihr zu gefährlich", erklärte er.

Zudem sieht Weise auch die momentane Situation von Trainern kritisch. "Übungsleiter liefern sehr gute Arbeit ab, die wir nicht ordentlich honorieren. Sie schlagen sich wie halbwahnsinnige Überlebenskünstler durch. Ich empfinde das als gefährlich. Bei uns fehlt mir der rote Faden."

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