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Bob Hanning will die Füchse Berlin in die deutsche Handball-Spitze führen © getty

Füchse-Manager Bob Hanning äußert sich bei Sport1.de über den Stellenwert der Nationalmannschaft und Gefahren für die Liga.

Von Wolfgang Kleine

Berlin/München - Füchse-Manager Hanning äußert sich bei Sport1.de im "Interview der Woche" über den Stellenwert der Nationalmannschaft, die damit verbundene Zukunft des deutschen Handballs, die Situation in Berlin und sieht sich gegenüber seinen Kollegen bei den Spitzenklubs auch als "Quertreiber".

Hier der zweite Teil des Interviews:

Sport1.de: Haben Sie einen privaten Sponsor gefunden?

Hanning: Erstens haben wir so einen privaten Sponsor dafür gefunden und zweitens leisten wir uns nur das, was wir uns leisten können. Für uns ist ganz wichtig, dass Leute aus der eigenen Region kommen und z.B. ein Martin Morawski zweiter Linksaußen bei uns ist.

Sport1.de: Wie sieht das bei anderen Klubs aus?

Hanning: TuSEM ist bereits insolvent, man weiß von vielen Vereinen, dass sie krebsen. Manchmal hilft ihnen das Glück dabei, dass sie nicht untergehen. Aber das Thema an sich ist doch, dass alle meinen, sie müssten mitziehen. Und das geht nicht.

Sport1.de: Werden noch interessante Neuverpflichtungen bei den Füchsen ins Auge gefasst, oder bleibt es bei dem spektakulären Fall?

Hanning: Wir müssen etwas an der Mannschaft tun, das wissen wir. Das Gerüst dieser Mannschaft soll in die nächsten Jahre gehen, weil wir der Mannschaft mehr zutrauen. Wir wollten ein starkes Torhüter-Gespann, das haben wir nun. Außerdem brauchten wir ein Gesicht und einen Typen für Berlin neben Conny Wilczynski.

Sport1.de: Wie muss so ein Spieler sein?

Hanning: Wenn du da die Möglichkeit hast, einen Nationalspieler zu verpflichten, der außerdem noch ein Gesicht hat und gleichzeitig jemand ist, an dem sich die Leute reiben können, dann muss man so etwas tun. Silvio ist ein Typ, der ist emotional auf der einen Seite, ruhig auf der anderen. Der ist spektakulär, aber auch sachlich - und das kann alles innerhalb von drei Sekunden passieren. Wenn sich noch einmal ein solcher Spieler anbieten würde, würden wir uns alle anschauen und fragen: "Kriegen wir das noch einmal gestemmt, ja oder nein?"

Sport1.de: Wer kommt nun noch?

Hanning: Fakt ist, dass wir auf jeden Fall noch einen Abwehrchef und einen Linkshänder suchen.

Sport1.de: Bezüglich des Trainerpostens wurde das Gerücht verbreitet, Noka Serdarusic wäre ein Kandidat. Wird daran gearbeitet oder hat man schon Kontakt geknüpft?

Hanning: Das kann ich definitiv ausschließen.

Sport1.de: Warum?

Hanning: Weil nicht daran gearbeitet wird.

Sport1.de: Gibt es dafür einen Grund? Hatte er ihnen möglicherweise schon gesagt, dass er es nicht machen wolle?

Hanning: Nein, ganz und gar nicht.

Sport1.de: Ist denn ein anderer Trainer in Aussicht?

Hanning: Da sind wir beim Thema Aufbau einer Mannschaft. Wir haben einen Trainer, der den Aufbau komplett mitbegleitet hat und weiß, in welchen Phasen wir sind. Einem Serdarusic muss man wahrscheinlich vier Nationalspieler hinstellen und ihm eine sportliche Perspektive geben, um in Kiel zu gewinnen. All das können wir nicht und behaupten auch nicht, dass wir das können.

Sport1.de: Wie geht's bei den Füchsen weiter?

Hanning: Ich habe drei Leitthemen, die besprochen sind mit dem Aufsichtsrat und mit den Gesellschaftern. Das erste Thema ist eine schwarze Null. Wir sind zwar bereit, ein wirtschaftliches Risiko zu gehen, haben den Etat auch nicht am ersten Spieltag gedeckt und können durchaus auch mal in Turbulenzen geraten, wenn uns ein Sponsor abspringt. Aber wir versuchen, das Risiko so gering und kalkulierbar wie möglich zu halten.

Sport1.de: Thema Nr. 2?

Hanning: Thema zwei ist die sportliche Weiterentwicklung. Natürlich kann man in Berlin nicht ständig Mittelmaß verkaufen. Aber wir wollen organisch wachsen und uns so weiterentwickeln. Ich möchte nicht die Situation haben, dass wir vier Nationalspieler holen und acht Wochen später bin ich insolvent. Das ist mit uns nicht zu machen.

Sport1.de: Und das dritte Thema?

Hanning: Das dritte Thema ist für mich "Berlinalisierung". Das heißt, wir wollen Spieler aus der Region an uns binden. Da arbeiten wir zum Beispiel an der Eliteschule des Sports und besetzen von der siebten bis zur 13. Klasse den Sportunterricht mit unseren Trainern. Wir stecken eine Menge Geld in die Nachwuchsförderung, ehe wir uns noch einen guten Bundesliga-Spieler holen.

Sport1.de: Machen die anderen Vereine das auch so?

Hanning: Damit sind wir wieder bei Heiner Brand und dem Thema. Hut ab vor den Vereinen, die das so machen. Der SC Magdeburg macht's, der VfL Gummersbach übt sich darin. Es ist also nicht so, dass die Vereine nichts tun. Da muss Heiner auch einmal lernen, nicht alles über einen Kamm zu scheren.

Sport1.de: Wird man sich mal am Runden Tisch treffen?

Hanning: Demnächst wird es sicherlich auch mal eine Themenrunde dazu geben. Denn es kann nicht sein, dass ein Spieler von uns, der längst in der Nationalmannschaft spielen könnte und möchte, nicht zum Zuge kommt, weil es regionale Bevorteilungen und Eigeninteressen gibt, die dazu führen, dass nicht die Besten in der Nationalmannschaft spielen.

Hier geht's zurück zum 1. Teil des Interviews

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