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Werner E. Klatten tritt mit Anfang Dezember das Erbe von Ann Kathrin Linsenhoff an © imago

Werner E. Klatten beerbt Ann Kathrin Linsenhoff als Chef der Deutschen Sporthilfe. Mit Sport1.de spricht er über seine Aufgaben.

Von Conny Konzack

München - Werner E. Klatten war ein erfolgreicher Rechtsanwalt, als Chef von Sat.1 unter anderem geschickter Fußballrechte-Händler, langjähriges Mitglied in der Geschäftsleitung des Spiegel-Verlags und bis September Vorstandsvorsitzender der Münchner EM Sport Media AG.

Noch im Sommer freute er sich auf eine ruhigere Zeit nach dem 63. Lebensjahr, wollte weniger arbeiten und sich mehr seinen Hobbies Tennis und Golf widmen. Daraus dürfte nichts werden. Klatten wurde zum 1. Dezember zum neuen Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Deutsche Sporthilfe berufen.

Der Ehrenjob wurde vakant, weil die frühere Reit-Olympiasiegerin Ann Kathrin Linsenhoff ihn nach Unstimmigkeiten mit dem Aufsichtsrat nach nur zehn Monaten Amtszeit wieder aufgab. Sport1.de sprach mit Werner Klatten über seine neue Aufgabe und seine Mitstreiter.

Sport1.de: Herr Klatten, wie kam die Berufung zum Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Sporthilfe so schnell zustande?

Werner Klatten: Die Deutsche Sporthilfe respektive der Aufsichtsrat suchte einen Nachfolger für Ann Kathrin Linsenhoff und setzte eine Findungskommission unter Führung von Aufsichtsratschef Hans Wilhelm Gäb und Professor Jürgen Hubbert ein. Ich wurde schließlich ausgewählt und freue mich auf die Aufgabe, die ich von meinem Münchner Büro, aber auch oft im Sporthilfe-Büro in Frankfurt wahrnehmen werde. Mir ist klar, dass ich viel unterwegs sein werde, um die Deutsche Sporthilfe zu repräsentieren....

Sport1.de: ...und das Wichtigste zu generieren: Geld für den deutschen Amateursport. Fließt noch genügend davon?

Klatten: Wir haben über die Nationalen Förderer, weitere Wirtschaftspartner und unsere 300 Kuratoren eine gute Grundförderung, eine weitere über die Briefmarken und die Glücksspirale, die aber beide durch neue Aktivitäten ergänzt werden müssen, die direkt den Konsumenten ansprechen. Ich werde neben meinen Bürotätigkeiten auch sehr viel bei den Verbänden anwesend sein, bei Veranstaltungen und Galas, bei denen Repräsentations- , Vermarktungs- und politische Aufgaben notwendig sind. Ein Aspekt meiner Arbeit ist das Networking, weil es ja gerade darum geht, die verschiedenen Zielgruppen anzusprechen und zu bedienen.

Sport1.de: Welche Zielgruppen sind das?

Klatten: Die werbetreibende Wirtschaft, die wir für unsere Konzepte gewinnen wollen, dann die Sportler, an die wir das Geld ja vergeben. Oder die Verbände, die uns in der Arbeit tragen und mit denen wir die Tätigkeiten abstimmen, und die Medien, deren Unterstützung für unsere "gute Sache" unerlässlich ist.

Sport1.de: Und die Politik?

Klatten: Die natürlich auch. Unser Schirmherr ist der Bundespräsident, der direkte Ansprechpartner der Minister des Inneren, Wolfgang Schäuble. Beide sind sehr sport-affine Menschen. Ich denke, dass ich mit ihnen gut auskommen werde. Wir müssen viele Aktivitäten abstimmen oder neu bestimmen. Nicht nur die schon bestehenden Aktionen mit den Briefmarke oder der Glücksspirale. Hier haben wir einige Bitten an die Politik.

Sport.de: Wer sind Ihre Mitstreiter?

Klatten: Dr. Michael Illgner, der frühere Wasserball-Nationalspieler, ist der Mann, der als Geschäftsführer die Operations schon seit 2006 führt. Ein sehr guter Mann, soweit ich das schon beurteilen kann. Für die Finanzen hat sich der frühere Allianz- und Dresdner Bank-Vorstand Horst Müller bereit erklärt weiterzumachen. Ex-Turnstar Eberhard Gienger ist weiterhin als Vertreter des Deutschen Olympischen Sportbundes bei uns, hat also ein integrative Position, die ich für ganz wichtig halte.

Sport1.de: Inwiefern?

Klatten: Zwischen Sporthilfe und DOSB darf kein Konkurrenzdenken aufkommen: Beide Organisationen haben ihren ganz klaren Stellenwert und definierte Aufgabenstellungen, die der jeweils andere in keiner Weise in Frage stellen darf, sondern im Gegenteil gegenseitig befruchten und unterstützen sollte. Neu bei der Deutschen Sporthilfe ist der Sportbereich: Ich bin sehr glücklich darüber, Franziska van Almsick als meine Stellvertreterin zu haben.

Sport1.de: Wie kam es dazu?

Klatten: Weil ich dem Aufsichtrat von Anfang an gesagt habe: Mein Handicap ist, selbst nicht aus dem Hochleistungssport zu kommen. Viele vor mir kamen ja in irgendeiner Form aus dem Spitzensport. Deshalb waren ja auch die Erwartungen an Ann Kathrin Linsenhoff sehr hoch, sie war immerhin Olympiasiegerin. Franziska van Almsick war Hochleistungssportlerin und hat vor allen bei den Olympischen Spielen in Peking bewiesen, dass sie auch mit anderen und für andere denken und fühlen kann. Sie reflektierte dort nicht nur ihre Sportart Schwimmen. Das hat mir gefallen.

Sport1.de: Hat van Almsick denn sofort zu ihrem ersten Funktionärsjob ja gesagt?

Klatten: Sie hatte nach unserer Anfrage um Bedenkzeit gebeten ? aber nur sehr kurz. Ihre Zielgruppe sind die Sportler und die Medien, die Öffentlichkeit. Auch dazu ist Franziska van Almsick eine wunderbar vorzeigbare Figur ? eigentlich die viel bessere als ich....

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews. Dort spricht Klatten über Fußball und die Folgen der Finanzkrise

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