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Felix Neureuther stand fünfmal auf dem Weltcup-Podest - ausschließlich im Slalom © getty

Im Interview der Woche erklärt der strauchelnde Felix Neureuther: "Ich selbst muss da raus." Bei der WM soll der große Knall her.

Von Conny Konzack

Wenige Tage vor Beginn der Si-WM in Val d'Isere (3.-15. Februar) sehen die Chancen des Deutschen Skiverbandes nicht gerade rosig aus:

Das Team, das mit Maria Riesch ohnehin nur eine echte Siegläuferin hat, gewann in den letzten acht Jahren keinen einzigen Titel.

Vor allem bei den Männern sieht es bescheiden aus: Felix Neureuther heißt die eine Hoffnung - doch der 23-Jährige hat im Gegensatz zu seinem Vater Christian (sieben Erfolge) noch keinen einzigen Weltcup-Sieg errungen.

Auf den Pisten der WM 2011

Im Interview der Woche von Sport1.de sagt der Sunnyboy, was dem Erfolg im Wege steht und wie er aus der momentanen Krise heraus will.

Vor der WM-Generalprobe bei seinem Heim-Rennen in Garmisch-Partenkirchen, wo am Samstag (11 Uhr LIVE ) die Abfahrt und Sonntag der Slalom schon auf den Pisten der WM 2011 stattfinden, wehrt er sich zudem gegen den Abfahrts-"Wahnsinn".

Sport1.de: Herr Neureuther, das Aus in Schladming am vergangenen Dienstag war der dritte Ausfall hintereinander (Artikel: Ski abschnallen, "Birne klarbekommen") - es bleibt in Ihrer Karriere vorerst bei zwei zweiten Weltcupplätzen in Alta Badia und Garmisch 2007 - wann ist mal ein Sieg drin?

Felix Neureuther: Ich bin ja immer Optimist. Hoffentlich bei der WM. Nach meiner sehr konstanten letzten Saison fing ich heuer eher bescheiden an, habe mich dann aber von Rennen zu Rennen gesteigert?

Sport1: ...sind aber immer ausgefallen. Woran fehlt es noch?

Neureuther: Technisch gesehen gerate ich zur Zeit leider immer noch etwas zu weit nach hinten - ich habe offenbar unterwegs zu viele Gedanken, bin nicht locker genug und lasse mich zu weit hinten hängen. Meist resultiert der entscheidende Fehler aus kleineren vorher, das schaukelt sich so auf.

Sport1: Also eher ein psychisches Problem?

Neureuther: So schaut's aus. Die Psyche wirkt sich ja sofort auf Körper aus. Am Start denkt man noch: Vollgas! Während der Fahrt verliert man dann leicht die Gedankenlinie, die man sich schon beim Frühstück vorgenommen hat und denkt an so viel anderes.

Sport1: Würde ein Psychotraining helfen?

Neureuther: Das ist von Läufer zu Läufer unterschiedlich.

Der eine braucht einen Psychologen, ich wollte nie einen, weil ich dann von dem abhängig wäre, wenn?s nicht läuft. Dann erwartet man zuviel von ihm.

Sport1: Aber mit wem versuchen Sie, die Probleme zu lösen?

Neureuther: Mein Vater ist nach wie vor der wichtigste Berater, was Einstellung und Selbstbewusstsein angeht. Da ist er extrem hilfreich. Für die anderen Dinge haben wir ja im DSV hervorragende Trainer. An beiden liegt es aber nicht - ich selbst muss da raus...

Sport1: Was fehlt Ihnen noch zu einem Top-Läufer?

Neureuther: Also, ich habe absolut das Potential dazu, was fehlt, ist das letzte letzte Quäntchen Selbstvertrauen - und etwas Glück. Aber ich weiß auch: Ich kann's nicht erzwingen und muss einfach weiter hart an mir selbst arbeiten.

Sport1: Bei welchem der Top-Skiläufer schauen Sie sich denn etwas ab?

Neureuther: Wenn, dann beim Benni Raich oder dem Jean-Baptiste Grange - das sind im Slalom meine Maßstäbe. Benni hat die traumhafte Sicherheit und das konstante Topniveau schon seit Jahren, was ich am meisten bewundere. Er ist ja auch nicht umsonst zweimal Olympiasieger geworden - er ist über die Jahre gesehen für mich der Beste. (DATENCENTER: Der Ski-Weltcup)

Sport1: Und wo liegen zwischen ihm und Ihnen die Unterschiede?

Neureuther: Ja, eben im Kopf, der entscheidet, in punkto Material und Fitness sind wir alle ähnlich stark.

Sport1: Tauschen Sie sich denn mit den anderen Stars auch mal aus?

Neureuther: Wir reden, sicherlich. Aber gewiss nicht über Ski-Geheimnissse. Skifahren ist ja nach wir vor Einzelsport. Ein Bier zusammen - das ja, aber Auskünfte - nein!

Sport1: Was möchten und müssen Sie jetzt vor der WM noch ändern?

Neureuther: Für das Rennen hier in Garmisch und für die WM wird nicht mehr viel umgestellt, sondern nur trainiert und trainiert. Was die Zukunft angeht, werde ich künftig auch Riesenslaloms fahren, damit ich ein zweites Standbein habe, wenn es beim Slalom mal nicht so läuft.

Sport1: Und die Abfahrt?

Neureuther: Nee! Das ist dann nochmals eine andere Dimension. Das habe ich erst letzthin wieder in Kitzbühel gesehen. Der Wahnsinn! Ich habe aber auch Abfahrt schon trainiert und bin im Sommer auch schon recht schnell unterwegs gewesen, aber letztendlich ist mir das doch zu gefährlich.

Sport1: Selbst so ehemalige Abfahrts-Größen wie Franz Klammer oder Harti Weirather sagen, es war eigentlich verrückt, was sie früher gemacht haben.

Neureuther: ....das glaub ich denen aufs Wort. Nee, Abfahrt ist keine Thema für mich.

Sport1: Stefan Beckenbauer sagte einst, der große Name hätte seine Fussball-Karriere nicht wachsen lassen. Geht?s Ihnen ein bisserl ähnlich mit dem großen Namen Ihres Vaters?

Neureuther: Ich weiß, dieser Vergleich wird natürlich immer wieder gerne von den Medien hergenommen, aber der ist mir wurscht. Mir bringt's doch nichts, wenn der Vater hier und da gewonnen hat, ich muss selbst den Berg g'scheit runter. Aber was vor ein, zwei Jahren wichtig war, war sein Tritt in meinen Arsch! Früher war ich als Typ viel zu locker, alles war easy. Da hat er mir verbal mal den wichtigsten Tritt verpasst und seitdem habe ich eine viel professionellere Einstellung.

Sport1: Und die noch berühmtere Mama Rosi Mittermaier...?

Neureuther: ...die ist wie jede Mutter vor allem darauf bedacht, dass Harmonie herrscht. Und das ist bei uns in der Familie der Fall. Sonst wäre ich überhaupt nicht so weit gekommen.

Sport1: In Garmisch kennen Sie jeden Buckel der Piste. Aber wie liegt Ihnen eigentlich die WM-Strecke in Val d'Isere?

Neureuther: Die kenn? ich gut, ist sehr Val anspruchsvoll und steil, liegt mir aber. Da will ich für den großen Knaller sorgen.

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