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Maria Epple-Beck wurde 1978 völlig überraschend Weltmeisterin im Riesenslalom © getty

Obwohl Kathrin Hölzl sie als letzte deutsche Riesenslalom-Weltmeisterin ablöst, reagiert Maria Epple-Beck im Interview gelassen.

Von Andreas Kloo

München - Die Geschichten ähneln sich:

Vor 31 Jahren wurde Maria Epple-Beck (damals unter ihrem Mädchennamen Maria Epple) völlig überraschend Weltmeisterin im Riesenslalom.

Noch nie zuvor hatte sie einen Weltcup gewonnen - und sicherte sich trotzdem Gold.

Am Donnerstag wiederholte Kathrin Hölzl diese Geschichte. Auch sie fuhr im Riesenslalom auf den obersten Podestplatz - ebenfalls ohne vorherigen Weltcup-Sieg. Damit beendete sie die seit 2001 bestehende Medaillenflaute des DSV in Einzelrennen.

Kein Ärger über die Ablösung

Maria Epple-Beck ärgert deshalb im Interview der Woche mit Sport1.de auch nicht, dass sie ihren Status als letzte deutsche Riesenslalom-Weltmeisterin abgeben musste.

Und auch für die deutschen Slalom-Fahrer sieht sie noch Medaillenchancen.

Sport1.de: Frau Epple-Beck, Sie sind anscheinend immer noch dem Skisport verbunden?

Maria Epple-Beck: Ja, ich organisiere gelegentlich VIP-Ski-Guides für Firmengruppen, deshalb bin ich heute auf der Piste unterwegs. Und durch meinen Mann (den ehemaligen Slalom-Weltcup-Fahrer Bernd Beck, Anm. d. Red.) bin ich auch noch mit dem Skisport verbunden. Der leitet ja das DSV-Leistungszentrum am Oberjoch.

Sport1.de: Haben Sie denn den Riesenslalom-Sieg von Kathrin Hölzl live miterlebt?(DSV feiert Hölzls Sensationsgold)

Epple-Beck: Ich konnte das Rennen leider nicht sehen, da ich den ganzen Tag arbeiten musste. Aber ich hab dann einen Zettel gesehen, da stand drauf: "Allgäuer Zeitung" anrufen. Da habe ich schon so was geahnt. Irgendwie hatte ich am Morgen schon so ein Gefühl, dass da was passieren wird. Mein Mann hat mir das Rennen aufgenommen, so dass ich mir am Abend die Aufzeichnung ansehen konnte.

Sport1.de: Neben der Freude für Kathrin Hölzl: Trauern Sie jetzt auch ein wenig, dass Sie den Status der letzten deutschen Riesenslalom-Weltmeisterin verloren haben?

Epple-Beck: Nein, das kann man so nicht sagen. Nach 31 Jahren kann ich damit wirklich leben. Und mein WM-Titel bleibt trotzdem bestehen. Denn nimmt mir keiner mehr weg.

Sport1.de: Also doch die reine Freude? 67524(Sport1.de zeigt die Jubel-Bilder)

Epple-Beck: Ja, ich habe mich natürlich für die Kathi gefreut. Und vor allem für den DSV ist das eine ganz wichtige Medaille.

Sport1.de: Warum hat es denn 31 Jahre gedauert, bis der DSV wieder eine Riesenslalom-Weltmeisterin feiern durfte?

Epple-Beck: Eine gute Frage. Der Riesenslalom war nie wirklich die deutsche Disziplin, bis auf eine Ausnahme in der Saison 1982. Da haben meine Schwester und ich den Riesenslalom beherrscht. Das Problem ist, dass der Riesenslalom eine extrem schwierige Disziplin ist. Der Riesenslalom ist nicht einfach zu fahren und nicht einfach zu trainieren. Die Disziplin wird auch etwas verwässert. Es wird zu wenig Augenmerk darauf gelegt. Die Abfahrer traineren sie selten.

Sport1.de: Woran hapert es denn besonders?

Epple-Beck: Man braucht ein gutes Auge und das richtige Timing in den Kurven. Das geht ohne regelmäßiges Training verloren. Die Kathi Hölzl ist eine positive Ausnahme, da sie eigentlich eine Riesenslalom-Spezialistin ist. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Sport1.de: Sie haben wie Kathi Hölzl vor ihrem WM-Titel kein Weltcup-Rennen gewonnen. Und auch danach dauerte es drei Jahre, bis sie den ersten Sieg feiern konnten. Warum diese lange Durststrecke?

Epple-Beck: Mich hat damals erst einmal eine schwere Verletzung außer Gefecht gesetzt. Ich habe mich direkt in der Saison nach der WM im ersten Rennen verletzt und fiel den kompletten Winter aus. Auch in der darauffolgenden Olympia-Saison kam ich nur schwer in Tritt. Deshalb hat es bei mir so lange gedauert.

Sport1.de: Können Sie sich vorstellen, dass es bei Kathrin Hölzl schneller mit dem ersten Sieg klappt?

Epple-Beck: Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Sie hatte ja schon länger das Zeug zu gewinnen. Und das war glaube ich auch das Entscheidende beim WM-Rennen. Sie wusste dass sie gewinnen kann. Sie hatte ja teilweise schon Podestplätze erreicht und Laufbestzeiten. Das ist auch eine Paralelle zu mir. Ich wusste damals ganz genau, dass ich vorne mitfahren kann. Der Druck war bei mir auch nicht allzu hoch. Es war zwar die Heim-WM in Garmisch-Partemkirchen, aber ich musste nicht unbedingt gewinnen.

Sport1.de: Was würden Sie denn der Kathrin Hölzl jetzt für die nächste Zeit raten? In ihrem Leben wird sich durch den WM-Titel sicherlich einiges ändern.

Epple-Beck: In der heutigen Zeit ist das natürlich viel schwieriger als damals. Da muss man in der Medienwelt erst einmal zurechtkommen. Wichtig ist, dass sie sich selbst nicht verliert, dass sie psychisch und physisch stabil bleibt. Das ist generell das Wichtigste, dass man sich selbst treu bleibt, sonst wird man nicht glücklich. Es hängt auch immer davon ab, was man für ein Typ ist, ob man diesen Medienrummel mag. Aber auf mich wirkt sie eher wie ein introvertierter Typ, dem der Rummel nicht so recht ist.

Sport1.de: Was trauen Sie denn den deutschen Fahrern in den beiden Slaloms zu? Können wir da mit weiteren deutschen Medaillen rechnen?

Epple-Beck: Möglich ist das alles. Selbst im Slalom der Herren. Ich kann mir das gut vorstellen, dass das was wird. Der Sieg von Kathrin Hölzl hat der Mannschaft den Druck genommen. Maria Riesch (Nächste Enttäuschung für Riesch) kann jetzt befreiter auffahren. Und auch bei Felix Nerureuther ist was möglich. Er gehört nicht unbedingt zu den Favoriten, und kann deshalb locker auffahren. Außerdem hat er in den letzten Tagen gut trainiert. Ich drück den deutschen Fahrern auf jeden Fall die Daumen.

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