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Kathrin Hölzl ist die erste deutsche Riesenslalom-Weltmeisterin seit 31 Jahren © getty

Im Interview mit Sport1.de spricht Kathrin Hölzl über ihre Zeit als Weltmeisterin, den Druck und ihre Bettnachbarin Maria Riesch.

Von Rainer Nachtwey

München - Mit ihr hatte keiner gerechnet: Nachdem Maria Riesch bei der WM in Val dIsere in Abfahrt, Super-G und Kombination leer ausgegangen war, erlöste Kathrin Hölzl die Ski-Alpinen des DSV.

Und die erste Medaille bei den Titelkämpfen war gleich eine goldene: Hölzl, die nie zuvor ein Weltcup-Rennen gewonnen hatte, fuhr vom vierten Platz aus im zweiten Lauf nach ganz vorne. 67524(DIASHOW: Hölzls Husarenritt zu Gold)

Die 24-jährige Berchtesgadenerin spricht im Interview der Woche bei Sport1.de über ihr Gefühl vor dem Rennen und die Folgen für den deutschen Star Maria Riesch, der zwei Tage später Gold im Slalom holte. (Nach Hölzl jubelt auch Riesch)

Sie nennt zudem ihre Ziele im Weltcup und nimmt zu Doping und den Kontrollen Stellung.

Sport1.de: In einem Radiointerview hat ihre Mutter gemeint, dass sie Sie mit einem Apfelstrudel empfangen wird. Haben Sie den Apfelstrudel bekommen?

Kathrin Hölzl: Nein, dafür war bisher noch keine Zeit dazu. Aber ich bekomme ihn noch.

Sport1.de: Wie war die erste Woche als Weltmeisterin? Was hat sich seit dem Weltmeistertitel für Sie verändert?

Hölzl: Bisher ist alles recht stressig abgelaufen. Ich hatte viele Interviewanfragen und Termine. Aber immerhin habe ich jetzt wieder mit Koordinationstraining angefangen. Allzu viel Zeit hatte ich nicht für andere Sachen.

Sport1.de: Maria Riesch war immer das Zugpferd des DSV. Haben Sie es genossen, in ihrem Schatten zu fahren, oder hätten Sie sich mehr Aufmerksamkeit in den Medien gewünscht?

Hölzl: So wie es war, war es völlig okay. Meine Saison war bis zur WM nicht gut, da bin ich hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse) Deshalb lastete weder von Trainern noch von den Medien Druck auf mir. Ich konnte locker drauf losfahren. Bei der Maria war das ganz anders. Sie hatte von Beginn an den Druck. Sie war die einzige realistische Medaillenchance. Für mich waren die Voraussetzungen deshalb sehr gut.

Sport1.de: In der Woche vor dem WM-Riesenslalom gab es Kritik an der brutal schweren Piste in Val d'Isere. Sind Sie mit einem mulmigen Gefühl ins Rennen gegangen?

Hölzl: Als das Rennen stattfand, war die Piste lang nicht mehr so schlimm. Ich habe das Gerede um die Piste von zu Hause aus verfolgt, weil ich erst später nach Val d?Isere gereist bin, und habe immer wieder mit den Trainern vor Ort telefoniert. Ich wollte wissen: 'Stimmt das wirklich?' 'Das stimmt wirklich. Momentan, so wie es ist können wir nicht fahren.' Da habe ich mir gedacht: Wenn das unsere Trainer schon sagen, dann wird es wirklich schlimm sein. Aber eigentlich war es mir egal, weil ich mir sicher war, dass sie uns nicht fahren lassen, wenn es zu gefährlich ist. Außerdem habe ich mir gedacht, dass es eh für alle gleich ist.

Sport1.de: Wenn Sie den Anteil am Erfolg prozentual aufteilen müssten, wie groß ist der Anteil der Trainer, der Betreuer, wie groß der Anteil der Teamkolleginnen?

Hölzl: Das ist schwer zu sagen, aber schon über 50 Prozent.

Sport1.de: Maria Riesch hat Sie nach ihrem Triumph im Ziel zu Boden geworfen vor lauter Freude. Glauben Sie, dass Sie durch ihre Goldmedaille ihr eine große Last von den Schultern genommen haben?

Hölzl: Ich denke schon. Der Druck der Medien war geringer, denn die Medaille war da. Und man hat sich nicht mehr so sehr auf sie gestürzt, sondern stattdessen meinen Erfolg gefeiert. Dadurch hat sie sich besser auf ihren Slalom konzentrieren können. Der Druck auf ihr war ja immens hoch, vor allem nach den vier Siegen in Serie. Und sie hat sich zusätzlich auch unter Druck gesetzt, weil sie unbedingt eine Medaille und den Slalom gewinnen wollte. Gott sei Dank, hat sie es dann auch geschafft.

Sport1.de: Haben Sie dadurch einen Anteil an Maria Rieschs Goldmedaille?

Hölzl: Das kann ich nicht sagen. Sie meint schon.

Sport1.de: Sie haben ein sehr gutes Verhältnis zu Maria Riesch, sind Zimmerkolleginnen. Wer setzt sich denn bei der Bettenwahl durch?

Hölzl: Da gibt es kein Problem. Die Maria schläft immer am Fenster, und ich nehme immer das erste Bett beim reingehen. Das war schon immer so, da gibt es keine Diskussionen.

Sport1.de: Was für Macken haben Sie, welche Macken hat Maria Riesch? Gibt es etwas, was Sie an Maria Riesch stört?

Hölzl: Ja, dass sie immer lesen will. Und ich will meistens ratschen. Sie ärgert das dann immer und sie sagt dann immer: Mann, lass mich doch mal lesen. Ich komme zu nix. Du redest die ganze Zeit. Aber ansonsten hat sie keine Macken.

Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews

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