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Kathrin Hölzl gewann vor ihrem WM-Triumph nur zwei Europacup-Rennen in 2005/06 © getty

Im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews nennt Kathrin Hölzl ihre Weltcup-Ziele und nimmt zu Doping und Kontrollen Stellung.

Von Rainer Nachtwey

Vor den Rennen in Ofterschwang und dem Weltcup-Abschluss im schwedischen Are liegt Kathrin Hölzl auf Platz 13 im Riesenslalom und auf Platz 17 im Slalom.(DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Im zweiten Teil des Interviews der Woche nennt sie Sport1.de ihre Ziele und nimmt zu Doping und den Kontrollen Stellung.

Zudem verrät Sie, wie Sie mit den ausländischen Konkurrentinnen klar kommt.

Sport1.de: Sie haben jetzt lange Pause bis zum ersten Rennen nach der WM. Was erwarten Sie für das Heimspiel in Ofterschwang? Der Empfang wird sicher großartig sein, schließlich sind mit Ihnen und Maria Riesch beim Riesenslalom und Slalom die beiden amtierenden Weltmeister am Start.

Kathrin Hölzl: Ich hoffe, dass viele Leute sich die Rennen anschauen werden. Für mich selbst, will ich noch gute Rennen fahren und bestätigen, was ich bei der WM gezeigt habe.

Sport1.de: Sie sind derzeit 13. im Riesenslalom-Weltcup. Für Sie als frischgebackene Weltmeisterin müssten dann die Top Ten das Ziel sein?

Hölzl: Es ist alles sehr eng beieinander. Mit zwei guten Resultaten kann ich mich schon noch weit nach vorne schieben. Kathrin Zettel und Tanja Poutiainen sind aber schon zu weit weg. Platz sechs dürfte auf jeden Fall noch drin sein.

Sport1.de: Ähnlich ist es im Slalom-Weltcup. Sie haben 34 Punkte Rückstand auf Rang zehn.

Hölzl: Slalom ist bei mir so eine Sache. Ich habe meistens nur einen guten Lauf. Und deshalb ist erst einmal das Ziel zwei gute runterzubringen. Dann kann ich auch unter die ersten Zehn fahren. Deshalb sind die Top 15 erst einmal ein realistisches Ziel.

Sport1.de: Wie sehen Sie die Chancen von Maria Riesch auf den Gesamtweltcup?

Hölzl: Gut. Die Lindsey Vonn hat sich ja die Daumenverletzung zugezogen. Da weiß man noch nicht wie das verläuft. Außerdem glaube ich, dass die Maria in der Abfahrt und im Super-G wieder sicherer ist und ums Podium mitfahren kann. Deshalb ist da alles offen.

Sport1.de: Maria Riesch und Lindsey Vonn sind beste Freundinnen. Wie ist generell das Verhältnis zu den anderen Nationen?

Hölzl: Die Maria ist ein offener Typ, die versteht sich mit jedem recht gut. Ich bin eher zurückhaltend. Außerdem ist mein Englisch nicht so herausragend. Ich bin eher schüchtern. Aber mit den Italienerinnen und den Österreicherinnen versteh ich mich ganz gut.

Sport1.de: Mussten sich die Österreicherinnen ein paar Sprüche von ihnen und Maria Riesch anhören?

Hölzl: Die waren alle total fair und haben mir gratuliert. Sie haben mich im Österreicher-Haus sehr herzlich empfangen, und wir haben schön gefeiert. Das war super.

Sport1.de: Tut es dann besonders weh, wenn man von Verletzungen der Konkurrentinnen hört, wie von Michaela Kirchgasser, die nach dem Trainingssturz in Tarvisio für den Rest der Saison ausfällt, wenn man vor zwei Wochen noch gemeinsam gefeiert hat?

Hölzl: Man darf das nicht so nah an sich ranlassen. Sonst kann man beim Skifahren nicht mehr Gas geben. Wenn man nur Angst hat, sich zu verletzen, dann hat man den Kopf nicht frei. Es ist zwar für die einzelnen Personen schlimm, aber wir sind eine Einzelsportart und letztlich muss jeder auf sich schauen. Aber ich wünsche der Michi auf jeden Fall gute Besserung.

Sport1.de: Zum Thema Doping: Der alpine Skisport ist von Dopingskandalen - sieht man von dem unglücklichen Vorfall um Alain Baxter 2002 ab - verschont geblieben. Wie sieht man als Sportler die Geschehnisse bei den Ausdauersportarten?

Hölzl: Ich weiß nicht, wie das bei den Ausdauersportarten ist. Ich kann nur sagen wie es bei uns ist, und da gibt es keine Möglichkeit zu dopen, zumindest weiß ich nicht, wie man da dopen sollte, schließlich kommt es auf Skitechnik, Timing und Gefühl an. Das kann man mit Doping nicht verbessern. Für mich ist Doping überhaupt kein Thema, ich nehme ja nicht mal Vitaminpräparate zu mir.

Sport1.de: Wie nehmen Sie die Dopingskandale der anderen Sportarten war?

Hölzl: Es ist einfach nur schade für den Sport. Wenn man es auf rechtem Wege nicht schafft, dann sollte man es nicht mit Biegen und Brechen auf illegalem versuchen.

Sport1.de: Tennisspieler wie Andy Murray und Rafael Nadal und auch andere Athleten haben sich über das Kontrollsystem geärgert. Fühlen Sie sich dadurch, dass Sie drei Monate im Voraus ihren Aufenthaltsort bekannt geben müssen, eingeschränkt?

Hölzl: Total. Das ist nicht mehr menschenwürdig. Wir müssen ja fast jede Minute am Tag angeben, wo wir uns bewegen. Das ist fast nicht machbar. Ich kann mich nicht einmal kurzfristig entscheiden, nach München zum Shoppen zu fahren. Da muss ich mir erst einen Computer suchen, damit ich das dann eintragen kann. Das hat mit Freiheit nichts mehr zu tun.

Hier geht's zum ersten Teil des Interviews

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