vergrößernverkleinern
Sebastian Bayer sprang in Turin Deutschen und Europa-Rekord © getty

Im Interview der Woche beschreibt Sebastian Bayer seinen historischen 8,71-Meter-Satz und seine Aussichten für die Heim-WM.

Von Tobias Schröter

München - Weitspringer Sebastian Bayer hat bei der Hallen-Europameisterschaft mit einem 8,71-Meter-Satz für eine der größten Leistungen eines deutschen Leichtathleten der letzten Jahre gesorgt.

Denn vor dem Wettkampf in Turin stand Bayers Bestleistung bei 8,17 Metern. Selbst die internationale Presse wagte nach dem historischem Triumph Vergleiche mit Bob Beamon.

"Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen!", freut sich Sebastian Bayer im Interview der Woche bei Sport1.de.

Der 22-Jährige erklärt außerdem, welche Komponenten für den "perfekten Sprung" zusammenpassen müssen und welche Rolle der Hallenboden bei seinem Rekordsatz spielte.

Sport1.de: Herr Bayer, Sie haben selbst von einem "perfekten Sprung" gesprochen. Wie sieht der genau aus?

Sebastian Bayer: Als erstes muss die Geschwindigkeit stimmen. Man muss so schnell es geht anlaufen. Die Vorbereitung auf den Sprung ist immens wichtig. Es sind viele Kleinigkeiten, die da zusammen spielen müssen. Der Körperschwerpunkt muss stimmen, der Kniehub. Dann muss natürlich der perfekte Absprung gelingen, der auch gültig sein muss. Oft denkt man sich "Oh Gott, das war ein super Sprung!" Dann dreht man sich um und die rote Fahne ist oben. Da gehört eine Menge Glück dazu. Natürlich hat es was mit Können zu tun. Aber da geht es um wenige Zentimeter und das hat man nicht immer unter Kontrolle. 77978(DIASHOW: Bayers Sprung in die Annalen)

Sport1.de: Wie erklären Sie sich diese starke Steigerung?

Bayer: Ich habe mich super gefühlt, war aber auch sehr aufgeregt. Die Körperspannung hat genau gestimmt und vom gesamten Körpergefühl hat alles perfekt gepasst. Dann habe ich mich sicherlich auch vom Publikum mitreißen lassen. Die Zuschauer haben im wahrsten Sinne des Wortes fast die Halle abgerissen. Ich habe von der Stimmung Gänsehaut bekommen. Es war unglaublich laut und es wurde gesungen ? das war Gänsehaut-Feeling pur! Dann kamen einige Unterbrechungen und von den Hochspringerin unsere Hymne. Da habe ich noch mal Gänsehaut bekommen. Das waren zwei Adrenalinschübe. Dann bin ich zu meinem Trainer gegangen und habe gefragt: "Was machen wir?" Der hat gesagt: "Alles oder nichts!" Und dann habe ich das geschafft!

Sport1.de: Sie konnten auch alles geben, denn Sie standen ja schon vorher als Sieger fest?

Bayer: Ja es hat einfach alles gepasst. Man muss natürlich auch dazu sagen, dass es eine der besten Weitsprung-Anlagen ist, die jemals gebaut wurde.

Sport1.de: Was sind denn die Unterschiede in Turin im Vergleich zu anderen Anlagen?

Bayer: Es ist eine riesige Messe-Halle. Die Halle wurde bereits bei den Olympischen Spielen benutzt. Danach wurde der Belag für die Leichtathletik eingebaut. Da wurde mit viel Handarbeit und Brettern gearbeitet. So wurde es mir erklärt. Ich kannte das vorher auch noch nicht. "Schwingboden" nennt sich das. Viele Meetings finden darauf statt und viele Weltrekorde sind genau darauf entstanden. Ein paar Leute können genau das ausüben. Man kennt so was vom heimischen Parkett-Boden, wenn der noch etwas nachgibt. So kann man sich das in etwa vorstellen. Wenn man das ausüben kann, dann gibt einem das einen speziellen Effet. Alle Sprungleistungen, die dort erzielt wurden sind phänomenal.

Sport1.de: Wäre es möglich, dass andere Veranstalter auf einen solchen Boden umstellen?

Bayer: Draußen ist das grundsätzlich nicht möglich. Ich bin einfach froh, dass mir dieser Sprung gelungen ist. Für mich ist mit dem europäischen Rekord ein Traum in Erfüllung gegangen. Das ist Wahnsinn! Aber ich werde auch alles daran setzen, mich nicht nur an dieser Leistung messen zu lassen. Ich habe meine Ziele und will konstant über acht Meter springen. Wenn ich bei der WM in Berlin 8,30 Meter springe, wäre das optimal. Der Laie weiß es nicht: Aber bei Olympia wäre man damit Zweiter geworden. Das ist mein Ziel. Diese 8,30 bei einer WM in Deutschland zu erreichen. Ich möchte mich überhaupt nicht an 8,71 Meter messen lassen.

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel