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Marek Lieberberg ist durch die UFC-Fights in die Kritik geraten © getty

Ultimate Fighting steht vor der Deutschland-Premiere im Kreuzfeuer der Kritik. Bei Sport1.de wehrt sich Veranstalter Marek Lieberberg.

Von Jürgen Blöhs

München - Am 13. Juni feiern die "Käfig-Kämpfe" der Ultimate Fighting Championship (UFC) ihre Deutschland-Premiere in Köln.

Die "Mixed Martial Arts"-Kämpfe, in der Kämpfer unter Anwendung verschiedenster Kampfstile aufeinander losgehen, werden in der Öffentlichkeit derzeit scharf diskutiert.

"Geld an Jugendlichen zu verdienen mit Gewaltverherrlichung ist eine neue Form der Perversion des Denkens", regte sich der nordrhein-westfälische Jugendminister Armin Laschet in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" auf und sieht "eine Verherrlichung von Gewalt".

"Man muss diesen Wahnsinn verbieten", geht Box-Experte Werner Schneyder sogar noch einen Schritt weiter (Das UFC-Reglement).

Das Ordnungsamt Köln und das nordrhein-westfälische Innenministerium hatten die Veranstaltung nach zweimonatiger Prüfung ohne jede Auflagen genehmigt.

Einlass ab 18

"Ich bin überzeugt, dass man die Veranstaltung juristisch nicht verbieten kann", sagte der Kölner Bürgermeister Manfred Wolf der "Bild".

Nach Gesprächen zwischen dem Arena-Betreiber, dem Kölner Jugendamt und der Veranstaltungs-Agentur wird es aber eine Alterbeschränkung auf 18 Jahre geben.

Sport1.de sprach mit Veranstalter Marek Lieberberg, der normalerweise Rock- und Pop-Stars wie Bruce Springsteen oder Madonna auf Tour schickt.

Sport1.de: Herr Lieberberg, Sie stehen als Veranstalter der UFC-Kämpfe in Deutschland in der Kritik. Box-Experte Werner Schneyder fordert gar ein Verbot der Kämpfe.

Marek Lieberberg: Es wird in Deutschland behauptet, von der UFC ginge in irgendeiner Form ein Gewalt-Impuls aus. Man könnte fast meinen, dass Gewalt in Deutschland durch die UFC initiiert werde. Dafür gibt es keinerlei Beweise, keine wissenschaftliche Untersuchung oder irgendeinen anderen konkreten Beleg. Ich muss eine Hexenjagd über mich ergehen lassen und sehe mich persönlich mit einer Diffamierungs-Kampagne konfrontiert. Das hätte ich nicht für möglich gehalten.

Sport1.de: Haben Sie die Reaktionen überrascht?

Lieberberg: In der Schärfe schon. Wir haben im Vorfeld der Veranstaltung von Anfang an die Öffentlichkeit informiert und von uns aus auf alle Vorurteile hingewiesen und diese Punkt für Punkt widerlegt. Es ist ein Phänomen, wie immun Vorurteile gegen Logik sind.

Sport1.de: Woran liegt das?

Lieberberg: Das hat sicherlich mehrere Gründe. Es gibt keine Lobby, da ist es leicht, drauf einzuschlagen. Dazu kommt die Thematisierung in einer großen Sonntags-Zeitung, die zu einer Verschärfung der Tonlage geführt hat. Was besonders wehtut: Der Verfasser des Artikels und Wortführer der Kritik war mit uns zu einer Fight-Night in Las Vegas, hat mit UFC-Boss Lorenzo Fertitta an einem Tisch gesessen, hat sich mit Kämpfern getroffen und dabei nicht eine einzige Frage gestellt oder eine kritische Anmerkung gemacht, wie es für eine Zeitung vom Range der "FAZ" angemessen wäre. Außerdem vermute ich, dass im Hintergrund Konkurrenten der UFC agieren, die die Attraktivität der UFC fürchten. ("Boxen nicht mehr die Nummer 1").

Sport1.de: Aber UFC-Veranstaltungen waren in den USA einige Jahre verboten.

Lieberberg: Das war in den Zeiten, bevor die Kämpfe reglementiert wurden. Heute gibt es klare Regeln und Kontrollen, Gewichtsklassen wurden eingeführt und die UFC achtet darauf, dass nur noch gleichstarke Kämpfer gegeneinander antreten und, und, und. Das hat mit den "Kämpfen ohne Regeln" aus einer anderen Zeit überhaupt nichts mehr zu tun.

Sport1.de: Haben Sie sich Versäumnisse vorzuwerfen?

Lieberberg: Wir haben Statistiken und Gutachten vorgelegt, die belegen, dass keine schweren Verletzungen aufgetreten sind. Wir haben auf die Bewertungen der Freiwilligen Fernsehkontrolle verwiesen. Unsere Antrags-Unterlagen waren absolut wasserdicht. Wir haben daraufhin die Erlaubnis des Kölner Ordnungsamts und des Innenministeriums von Nordrhein-Westfalen erhalten. Eine Alterskontrolle war nicht gefordert. Doch befindet sich Köln derzeit in einem Dauer-Wahlkampf. Und da meint auf einmal der NRW-Jugend-Minister, übrigens aus derselben Partei wie der Innenminister, sich nachträglich besonders pointiert äußern zu müssen. Viele Politiker versuchen derzeit auf billige Art und Weise auf sich aufmerksam zu machen und zu punkten, ohne Rücksicht auf die Fakten. Das widerspricht meinem Demokratieverständnis.

Sport1.de: Aber der Zugang zur Fight-Night in Köln ist jetzt erst ab 18 erlaubt.

Lieberberg: Der Druck auf die Leitung der Arena in Köln war immens, und wir tolerieren den Entschluss der Arena, obwohl wir einen anderen Standpunkt vertreten. Bisher sind etwa 7500 Karten verkauft und weniger als hundert wurden zurückgegeben. Unser Publikum kommt weitgehend aus einer Altersgruppe von Mitte 20 bis 40.

Sport1.de: Die UFC ist auf ihrem Weg nach Europa zunächst nach Irland und England gegangen. Gab es da ähnliche Schwierigkeiten?

Lieberberg: In Irland gab es keine Probleme. In England gab es Diskussionen, aber nicht in dieser Vehemenz und Unfairness (Dennis Siver: "Vom Boxen lernen").

Sport1.de: Bereuen Sie den Schritt vom Tour-Veranstalter von Bruce Springsteen, Madonna und Co. zum Kampfsport?

Lieberberg: Nein, keine Sekunde, obwohl ich in den letzten Tagen sehr unter Beschuss gestanden habe. Ich wurde in die rechte Ecke gedrängt. Das kann man nicht abschütteln, schon gar nicht als Kind von Eltern, die die Verfolgung durch die Nationalsozialisten überlebt haben.

Sport1.de: Haben Sie das in ihrer langen Zeit als Veranstalter schon einmal erlebt?

Lieberberg: Ja. Ich fühle mich erinnert an die Zeit vor 40 Jahren, als ich in Deutschland die ersten Open-Air-Festivals veranstaltet habe. Da gab es eine ähnliche undifferenzierte Hetze, von Sex-Meetings und Hexen-Sabbats war die Rede. Es gab Proteste aus Kirche und Politik. Heute pilgern jährlich Hunderttausende zu ?Rock am Ring? und anderen Open-Air-Festivals. Ich hoffe, dass wir mit der Veranstaltung in Köln letztlich Fehlurteile und Diffamierungen ausräumen können und die Begeisterung, die UFC in den USA und England ausgelöst hat, sich schließlich auf Deutschland übertragen wird.

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