Die Premiere der Ultimate Fighting Championship erhitzt die Gemüter. Auch in der Sport1.de-Redaktion sind die Meinungen geteilt.

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PRO: Zweierlei Maß

Der Kampfsport Ultimate Fighting hat Deutschland erreicht - und mit ihm die Kontroverse.

Was die einen als Sport sehen, sehen die anderen als unmenschlichen, gewaltverherrlichenden Blutrausch.

Und so viel ist wahr: Die Inszenierung von Ultimate Fighting appelliert an niedere Instinkte.

Das Bild der modernen Gladiatoren - die Verantwortlichen befeuern es allein schon durch den eher unorthodoxen Schauplatz in einem Gitterkäfig.

Trotzdem: die grobschlächtige Reduzierung von Ultimate Fighting auf ein perverses Spektakel wird dem Sport nicht gerecht.

Diese Kritik war in den Anfangsjahren berechtigt, als UFC mit seinem losen Regelwerk teils wirklich noch an einen Hundekampf ohne Hunde erinnerte.

Aber das Ultimate Fighting hat sich unter dem politischen Druck in den USA gewandelt und hat durch engere Zusammenarbeit mit den "Athletic Commissions" große Schritte aus der Schmuddelecke gemacht.

Die Sportart hat da ähnliche Entwicklungen gemacht wie das Boxen - oder auch der American Football, der in seinen ungeregelten Anfängen auch ein gefährliches, oft tödliches Vergnügen war.

Strengere Regeln haben Ultimate Fighting mittlerweile an das angenähert, was es sein sollte: ein knallharter, aber auch sportlich spannender Schlagabtausch zwischen herausragenden Athleten mit verschiedenen Kampfsporthintergründen (Das Regelwerk der UFC).

Appetitlich sind die wenig zimperlichen, oft blutgetränkten Fights natürlich immer noch nicht für jeden.

Die Forderungen nach einem Verbot oder einer Schmähung des Spektakels aber beruhen meist eher auf Gefühligkeiten denn auf wirklicher Gefahrenanalyse.

Natürlich kann man über den gesellschaftlichen Wert des Ultimate Fighting debattieren.

Aber eines ist klar: Eine Gesellschaft, die die Klitschkos als große Sportler verehrt und Ultimate Fighter als Perverslinge verteufelt, misst zwei sehr ähnliche Dinge mit sehr unterschiedlichem Maß.

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CONTRA: Brot und Spiele

"Es hat ja noch keine Toten gegeben." So äußerte sich ein Vertreter der Stadt Lübeck nach der umstrittenen Veranstaltung mit Ultimate-Fighting-Kämpfern, für die der Ostsee-Ort trotz vieler Proteste eine Halle zur Verfügung gestellt hatte.

Das Blut floss nun auch bei der Championship in Köln. Viel Blut floss. Die Voyeure hatten ihren Spaß. Sie brüllten, kreischten und feuerten ihre "Idole" in den Käfigen an.

Wie hieß es schon in der Antike: Brot und Spiele. Hauptsache das Volk hatte Spaß. Im alten Rom waren es die tödlichen Gladiatoren-Kämpfe, im Mittelalter die öffentlichen Hinrichtungen.

Jetzt ist man humaner: Man schlägt den schon am Boden liegenden bis das Blut fließt, bis die Knochen gebrochen sind. Aber bisher lässt man den Gegner noch leben. Die Fans freut's.

Die Sache kommt natürlich aus den USA. Dort wollen die Leute das sehen - Aber: Muss man das denn unbedingt zeigen?

Bitte! Viel wurde schon in Deutschland den Amis nachgeäfft. Ob Rollerball, Paintball oder jetzt Ultimate Fighting - jeder will noch eins draufsetzen.

Vielleicht erleben wir bald öffentlich gezeigten Geschlechtsverkehr, wie es im antiken Griechenland schon zu sehen war. Die Kyniker wurden nach ihrer schmutzigen Schamlosigkeit benannt.

Denn gegen das menschliche Gefühl für Anstand hatten sie den Brauch, im Freien mit den Gattinnen Geschlechtsverkehr zu haben. Und die Voyeure hatten ihren Spaß.

Vielleicht erleben wir auch wieder die Gladiatoren-Kämpfe, oder können sogar an Hinrichtungen teilnehmen. Und das alles live im TV.

Ach - aber da gab es oder gibt es ja Tote.

Lesen Sie den Einwurf von Jürgen Blöhs

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