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Martin Kittner gewann 2008 den Bayrischen Sportpreis 2008 © getty

Ein tragischer Unfall beendete die Karriere von Ringer Martin Kittner abrupt. Das Zuschauen fällt immer noch nicht leicht.

Dortmund - Wenn Martin Kittner am kommenden Wochenende als Ehrengast des Deutschen Ringer-Bundes die abschließenden Kämpfe der Heim-EM in Dortmund verfolgen wird, steht dem 32-Jährigen viereinalb Jahre nach seinem tragischen Sportunfall eine harte Prüfung bevor.

"Das Zuschauen fällt immer noch schwer", sagte Kittner: "Daheim ist alles schon Normalität, ich fahre im Rollstuhl und so weiter. Aber beim Ringen sieht man dann, wie schwierig doch alles im Vergleich zu früher ist."

Das frühere Leben Kittners endete am 30. September 2006.

Vom sechsten Halswirbel querschnittgelähmt

Dem ehemaligen DRB-Athleten, der damals als Kandidat für die Olympischen Spiele in Peking galt, waren beim Zweitligakampf zwischen seinem Klub AC Lichtenfels und der RWG Mömbris-Königshofen II zwei Halswirbel gebrochen.

Seitdem ist Kittner, der bei einem Wurf fatal gefallen war, vom sechsten Halswirbel an querschnittgelähmt.

In sein Schicksal fügen will sich der zu seinen aktiven Zeiten als großer Kämpfer bekannte Kittner aber auch heute noch nicht - obwohl er nur kleine Fortschritte macht.

"Es geht leicht voran. Es ist aber schwierig. Man kämpft jedes Jahr um jeden Millimeter", erklärte Kittner, der für seine Anstrengungen um Verbesserungen in seinem täglichen Leben unter anderem mit dem Bayerischen Sportpreis ausgezeichnet wurde.

Stammzellen-OP in China

Trotz seines Engagements kann Kittner nur ein wenig die Arme bewegen, die Hände aber kaum steuern. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1).

"Mit dem linken Arm geht es schon besser. Der war ja zunächst komplett gelähmt", sagte Kittner, der sich vor zwei Jahren einer 20.000 Euro teuren Stammzellen-Operation in China unterzogen hat: "Ob China etwas geholfen hat, darüber streiten sich die Ärzte. Ich bereue jedenfalls nicht, es gemacht zu haben."

Trotz der Operation ist der frühere DM-Dritte im griechisch-römischen Stil, der als Zehnjähriger ein Millionenpublikum in der TV-Show "Wetten, dass..?" mit einem Wettgewinn gegen die berühmten Passarelli-Brüder Pasquale und Claudi begeistert hatte, ständig auf Hilfe angewiesen.

Dabei stehen ihm seine Freundin Bettina, die derzeit das letzte praktische Jahr ihres Medizinstudiums in Bayreuth absolviert, und sein Jugendtrainer Andreas Schelzig als Pfleger zur Seite.

"Bin bestens aufgehoben"

"Ich bin also bestens aufgehoben", sagte Kittner. Gut aufgehoben ist er auch bei seinen Ringerfreunden. Obwohl Kittner nur noch ein- bis zweimal im Jahr die Heimkämpfe seines Klubs besucht, trifft er sich einmal pro Woche mit engen Vertrauten wie dem Liechtenfelser Mannschaftsführer Jürgen Lieb.

"Im Sommer haben wir sogar einen Ausflug mit 40 Leuten geplant. Das wird eine schöne Sache. Darauf freut sich Martin sehr", sagte Lieb, der Kittner nach Dortmund begleiten wird.

In Dortmund erwartet Kittner ein nach wie vor sehr besorgter DRB-Präsident. "Ein solcher Unfall in unserem Sport beschäftigt uns natürlich immer noch sehr. Ich bin oft mit ihm zusammen, und die Tragik ist immer noch die gleiche", sagte Manfred Werner.

"Dank der großen Unterstützung seiner Lebensgefährtin, einer außergewöhnlichen Frau, übersteht er alles ganz gut. Es ist sicher eine gute Sache für ihn, dass er in Dortmund unter die Leute kommt, die er kennt. Ich freue mich auf schöne Tage mit ihm."

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