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Kickbox-Weltmeisterin Dr. Christine Theiss ist seit 2005 verheiratet © imago

Bei SPORT1 spricht Weltmeisterin Dr. Christine Theiss über ihre nächste Herausforderin, den Modeljob und ihr soziales Engagement.

Von Daniel Michel

München - Am Anfang war es ein glücklicher Zufall, wie Christine Theiss den Weg zum Kickboxen fand: Ihre beste Freundin wollte nichte alleine zum Training gehen, da entschloss sich die damals Siebenjährige mitzukommen.

Rund 20 Jahre später bestreitet die promovierte Ärztin am Samstag ihre 15. WM-Titelverteidigung (Sa., 23 Uhr bei SAT.1) im Rahmen der Steko Fight-Night in der Münchner Olympia-Eishalle (Die Vorkämpfe Willi "The Lion" gegen Odje Manda und Cindy Metz gegen Masa Bacanov ab 21 Uhr, LIVE im TV auf SPORT1).

"Wir sind ein großes Stück vorangekommen", sagt die 31-Jährige im SPORT1-Interview über ihr Ziel, das Kickboxen salonfähig zu machen.

Die gebürtige Thüringerin, die in Oberfranken aufgewachsen ist und seit langem mit ihrem Mann Hans in München lebt, spricht zudem über ihr soziales Engagement, den Modeljob und verrät, wie es mit ihrer Karriere weitergehen soll.

SPORT1: Frau Dr. Theiss, Sie verteidigen zum 15. Mal ihren WM-Titel. Diesmal gegen Su Jeong Lim, Weltranglisten-Zweite aus Südkorea. Wie werden Sie den Kampf angehen?

Dr. Christine Theiss: Lim hat als eine der wenigen Frauen einen Super Fight bei dem größten Herren-K1-Turnier in Japan gekämpft. Allein ihre Zulassung dort sagt aus, wie stark sie ist. Aber ich bin die Weltmeisterin und muss mich jeder Herausforderin stellen. Für mich ist es immer wichtig, die Gegnerin auf Distanz zu halten und beweglich zu bleiben.

SPORT1: Lim stammt aus Asien, dem Mekka des Kampfsports. Reizt es Sie, dort mal einen Kampf zu bestreiten?

Theiss: Überhaupt nicht. Als Weltmeisterin ist es für mich ein Vorteil, in der gewohnten Umgebung meinen Gürtel zu verteidigen. Das ist mir sehr wichtig, um in der Vorbereitung möglichst viele Störfaktoren auszuschalten. Selbst bei Kämpfen in Deutschland richte ich alles danach aus, wie es mir aus meiner Heimat München bekannt ist.

SPORT1: Sie betonen oft ihr Ziel, das Kickboxen aus der Schmuddelecke herausführen zu wollen. Wie sieht ihre Bilanz nach fünf Jahren als Profi aus? (407479DIASHOW: Killer-Queen und Kickbox-Model)

Theiss: Wir sind ein großes Stück vorangekommen. Ich merke das besonders am Feedback: Kommentare, die ich auf Facebook erhalte, oder E-Mails über meine Homepage. Früher habe ich Fanpost fast nur von Kampfsportfreaks erhalten, jetzt schreiben mir viele Normalbürger. Sie berichten mir, wie sie mit dem Kickboxen anfangen. Dazu zählen nicht nur Jugendliche, sondern viele Frauen und ältere Menschen. Auch die mediale Aufmerksamkeit für das Kickboxen hat sich gesteigert. Vor ein paar Jahren mussten unsere Trainer und Manager Mladen und Pavlica Steko für meine Teamkameraden und mich noch Klinken putzen gehen, um ein Interview zu erhalten.

SPORT1: Medien ließen verlauten, Sie wollen Ende 2012 ihre Karriere beenden. Ist an dem Entschluss noch zu rütteln? (Box-News)

Theiss: Meine Verträge laufen Ende 2012 aus, dann werde ich über alles nochmal nachdenken. Ich bin dann fast 33 Jahre alt und will Bilanz ziehen: Wie sieht es gesundheitlich aus, macht mein Körper das intensive Programm noch mit, habe ich noch Lust am Training und wollen meine Vertragspartner überhaupt noch mit mir zusammenarbeiten? Viele Faktoren werden eine Rolle spielen, die ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht einschätzen kann. Meine Zukunft ist völlig offen. Alles ist möglich.

SPORT1: Auch sozial sind Sie stark engagiert.

Theiss: Mit meiner Boxerhündin Tiffany bin ich seit November 2008 in der Rettungshundestaffel, demnächst werden wir hoffentlich erfolgreich die Prüfung zum sogenannten Rettungshundeteam Mantrailing ablegen. Und für das KITz-Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes München, bei dem traumatisierten Kindern geholfen wird, die ihre Eltern verloren haben, helfe ich als Schirmherrin mit, eine Spendengala im Juli vorzubereiten. Mir ist es wichtig, nicht nur mein Gesicht auf dem Flyer zu präsentieren, sondern über den persönlichen Kontakt, Unterstützer zu gewinnen.

Theiss: In dem Film "Die Jagd nach der Heiligen Lanze" haben Sie bereits mitgespielt, Sie waren Titel-Model auf dem Cover eines Lifestyle-Magazins, sind promovierte Ärztin und Profi-Kickboxerin. Was machen Sie am liebsten?

SPORT1: Schauspielerin bin ich keine, nur weil ich ein Mal in einem Film mitgespielt habe. Als Model sehe ich mich auch nicht, das ist Teil meines Berufs. Das Modeln macht mir Spaß, aber meine Zeit ist begrenzt. Den Arztberuf auszuüben, das wird jeden Tag unwahrscheinlicher. Das Kickboxen ist im Moment meine Herzensangelegenheit, die mir am meisten Spaß macht.

Theiss: Seit acht Jahren trainieren Sie bei ihrem Manager und Trainer Mladen Steko und seinem Bruder Pavlica. Welchen Anteil haben die ehemaligen Weltmeister an ihrem Erfolg?

SPORT1: Ich habe in dieser Zeit vom Semi- auf das Vollkontakt-Kickboxen gewechselt. Sie machen alles für die Sportler. Ihr persönlicher Einsatz ist extrem hoch. Wenn ich in der früh um sechs Uhr zum Training komme, ist immer einer von den Steko-Brüdern bereits da. Sie hinterfragen sich immer wieder aufs Neue und holen sich Impulse von außen. Das Team arbeitet hochprofessionell - und dennoch ist der Steko-Stall ein Familienbetrieb geblieben. Mladen und Pavlica sind die Väter meines Erfolgs. Ohne sie wäre ich nicht so weit gekommen.

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