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Nadine Weinauge (l.) verlor im Achtelfinale gegen Monika Michalik
Jannis Zamanduridis (r.) war im Jahr 2004 Ringer des Jahres in Deutschland © imago

Dem drohenden Olympia-Aus begegnen die Ringer mit Regeländerungen und unverhofften Allianzen, sagt DRB-Boss Zamanduridis SPORT1.

Von Christoph Lother

München - Etwas mehr als sechs Wochen ist es mittlerweile her, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Vorschlag äußerte, Ringen aus dem Programm für die Spiele 2020 zu streichen. (BERICHT: Olympia-Aus fürs Ringen)

Der Schock bei allen Beteiligten rund um den Traditionssport saß tief, das Echo der gesamten Sportwelt war gewaltig.

Verbände aus aller Herren Länder zeigten sich angesichts dieser Hiobsbotschaft empört und verständnislos, starteten Unterschriftenaktionen. Vereinzelte Sportler gaben sogar ihre einst hart erkämpften Olympiamedaillen zurück und gingen in einen Hungerstreik.

Alles in der Hoffnung, dass das IOC im September Ringen begnadigt, anstatt Baseball/Softball, Klettern, Karate, Rollschuhsport, Squash, Wakeboarden oder Wushu ins Programm zu hieven.

Entsprechend gespannt durfte man auf die just beendeten Ringer-Europameisterschaften im georgischen Tiflis blicken.

"Eine richtig geile Europameisterschaft"

Und es scheint, als hätte die Ringerfamilie die Zeichen der Zeit erkannt.

"Es war eine geile Europameisterschaft mit richtig guten Kämpfen", freut sich der Sportdirektor des Deutschen Ringer-Bundes, Jannis Zamanduridis, im Gespräch mit SPORT1.

Dabei bezieht sich der 47-Jährige nicht nur auf die Ergebnisse seiner Schützlinge, die in Tiflis immerhin drei Bronzemedaillen erringen konnten und seine Erwartungen somit "mehr als erfüllt haben".

Weltverband erneuert Regelwerk

Was Zamanduridis deutlich mehr erfreute war die Tatsache, dass der Weltverband "sich selbst hinterfragt und überlegt hat, wie man das Ringen wieder attraktiver machen kann."

So griffen bei den Titelkämpfen in der georgischen Hauptstadt bereits die ersten Regeländerungen, welche den Sport wieder dynamischer und somit auch dem Publikum schmackhafter machen sollen.

Passivität wird schneller bestraft

"Bisher haben die Athleten im griechisch-römischen Stil oft auf die Bodenrunde, im freien Stil auf den Clinch am Rundenende gehofft. Eine solche Passivität wird nach dem neuen Regelwerk sofort mit Verwarnungen geahndet", erklärt Zamanduridis und führt aus:

"Dementsprechend geht es ganz anders zur Sache. Es fiel bei dieser EM schon auf, dass in den meisten Kämpfen von Anfang an bedingungslos gefightet wurde."

Offenbar mit Erfolg, denn was die Stimmung in der Halle betrifft, "liegt es schon ein paar Jahre zurück, dass ich so etwas das letzte Mal erlebt habe. Einfach irre", schwärmt Zamanduridis.

"Schritt in die richtige Richtung"

Die Neuerung des Regelwerks sei zwar nur ein erster Schritt gewesen, dafür aber "einer in die richtige Richtung", betont Zamanduridis, wohlwissend, dass "schon noch etwas mehr passieren muss, damit das Urteil wirklich noch gekippt wird."

Die Arbeit der Aktiven beeinträchtige der drohende Olympia-Bann ohnehin nur wenig.

"Für Sportler und Trainer ist das momentan nicht das beherrschende Thema. Die müssen bei ihrer tagtäglichen Arbeit einfach davon ausgehen, dass das Ringen olympisch bleibt", so der Vize-Weltmeister von 1990.

IOC-Vorschlag ruft weltweite Allianzen hervor

Unter den Offiziellen sei der Vorschlag des IOC hingegen auch in Tiflis immer wieder diskutiert worden.

Selbst aus den USA seien Vertreter da gewesen, berichtet Zamanduridis, der es mit Freude beobachtet, "welche Allianzen der Sport in so einer Situation hervorbringen kann, beispielsweise zwischen dem Iran und den Amerikanern."

Er glaube nicht, dass "das IOC mit so einer weltweiten Reaktion gerechnet hat", sagt der langjährige Bundesliga-Ringer.

Zamanduridis sieht Chance für den Ringsport

Ob sein Sport das drohende Olympia-Aus tatsächlich noch abwenden kann, mag Zamanduridis momentan zwar nicht zu prophezeien.Den Vorschlag des IOC, Ringen nach 2016 aus dem Programm zu nehmen, wertet er aber "als Weckruf, als Chance".

Nur selten seien die öffentliche Aufmerksamkeit und die Möglichkeit des Ringsports, sich zu präsentieren, in der Vergangenheit so groß gewesen wie derzeit.

Diese Gelegenheit gelte es zu nutzen, betont Zamanduridis mit Blick auf die endgültige Entscheidung des IOC in Buenos Aires. Sonst hat es sich womöglich schon bald ausgerungen.

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