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Sebastian Bayer gehört seit Januar 2009 dem Bremer Leichtathletik Team an © getty

Weitspringer Sebastian Bayer wehrt den Druck ab und träumt trotz Wehwehchen von Gold. Als "Bombasti" fühlt er sich nicht.

München - Der Wunderspringer will nicht zur Eintagsfliege werden, doch der Weg zum langlebigen Ruhm ist auch in der Sandgrube steinig.

Knapp drei Monate nachdem Weitspringer Sebastian Bayer wegen seines Hallen-Europarekordes von 8,71 m als "Deutschlands neuer Sportheld" gefeiert wurde, will er am Pfingstmontag in die WM-Saison starten und sieht sich dabei mit einer immensen Erwartungshaltung konfrontiert.

Held der Leichtathletik-WM in Berlin (15. bis 23. August) soll er in den nächsten knapp 100 Tagen werden, den Golden-League-Auftakt am 14. Juni beim ISTAF im Olympiastadion mit einer Top-Leistung schmücken und der wurfgewaltigen deutschen Leichtathletik neue Sprungkraft verleihen.

Bayer steht eine Herkules-Aufgabe bevor.

Keine Zeit für die Vergangenheit

Doch der 22-Jährige nimmt's locker. "Natürlich können die Erwartungen zu einer Belastung werden, aber ich versuche, es nicht zuzulassen, und hoffe, dass sie mich beflügeln", sagte Bayer bei seiner Vorstellung als Top-Starter der Weitsprung-Konkurrenz beim DKB-ISTAF.

Schon tags zuvor hatte er Fragen nach dem Druck im "kicker"-Interview routiniert abgewehrt: "Ich bin auf dem Boden geblieben, denke ich. Mein Ziel ist die WM in Berlin, da bleibt keine Zeit für die Vergangenheit."

Chancen stehen bei 50 zu 50

Zumal die Gegenwart nicht problemlos verläuft. Momentan muss Bayer eine im Anflug befindliche Mittelohrentzündung abwehren.

"Ich würde gern am Pfingstmontag in Hengelo/Niederlande starten, derzeit stehen die Chancen jedoch nur bei 50 zu 50", sagte der Wahl-Bremer, der sein WM-Ticket noch nicht sicher hat.

Einmal 8,15 m will der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) dafür sehen - exakt Bayers Freiluft-Bestleistung. "Mein erstes Ziel ist es, konstant über 8,00 m zu springen und die Norm zu überbieten. Wenn es dann von Meeting zu Meeting jeweils fünf Zentimeter weiterginge, wäre ich sehr zufrieden", sagt Bayer.

Bei der WM soll es dann der Finaleinzug werden, an dem er bei der EM 2006 und Olympia 2008 jeweils gescheitert war.

"Sportheld bin ich nie gewesen"

Und auch 2009 dürfte das kein Selbstläufer sein, denn rund 15 Medaillenkandidaten sieht Bayer derzeit, wovon aber nur zwölf ins Finale kommen.

Trotzdem geht er die Aufgabe optimistisch an: "An einem perfekten Tag kann für mich Bronze oder Silber - mit allem Glück der Welt vielleicht auch Gold - herausspringen."

Bayer ist froh, dass nach dem medialen Hype im März mittlerweile wieder der Sport seinen Tagesablauf bestimmt.

Damals jagte er von Interview zu Interview, die Zeitungen schrieben von einem "neuen Sporthelden" und "Bombasti": "Sportheld bin ich nie gewesen. Franz Beckenbauer oder Boris Becker verdienen diesen Titel, aber nicht ich."

Einfach "nur" Sebastian

Auch den Begriff "Bombasti" mochte er eigentlich nicht: "Als Gag ist das mal ganz gut. Ansonsten bin ich aber Sebastian."

Der am Montag Anlauf zur größten Herausforderung seines Lebens nehmen will: Der Erwartung an einen Wunderspringer gerecht zu werden.

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