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Bei den Olympischen Spielen in Peking wurde Michael Schrader mit 8194 Punkten Zehnter © getty

Zehnkämpfer Michael Schrader wehrt sich gegen Medaillenerwartungen bei der WM in Berlin - zumal ihn ständig Schmerzen begleiten.

Von Annette Bachert

München - Ein neuer Stern am Leichtathletik-Himmel ist aufgegangen. Der Zehnkämpfer Michael Schrader überraschte mit seinem Sieg im österreichischen Mehrkampf-Mekka Götzis die versammelte Elite.

Er kam über persönliche Bestleistungen in sieben Diszplinen als erster Deutscher seit Frank Busemann 2000 auf über 8500 Punkte und setzte sich mit dieser persönlichen Bestmarke an die Spitze der Jahresbestenliste. (DLV feiert sein neues Zehnkampf-Juwel)

Im Interview der Woche von Sport1.de resümiert der Uerdinger den Wettkampf, schaut voraus auf die nächsten Wochen sowie die WM in Berlin und erzählt auch etwas aus dem Nähkästchen.

Sport1.de: Herr Schrader, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem klasse Wettkampf in Götzis. Sieben persönliche Bestleistungen und die persönliche Bestmarke. Wie haben Sie das gemacht?

Michael Schrader: Ich habe gut trainiert in der letzten Zeit. Im Wettkampf hat einfach alles gestimmt. Der Wind war gut, das Wetter war gut, und ich bin locker an die Sache herangegangen.

Sport1.de: Aber da waren doch die Probleme mit der Wade?

Schrader: ? ja genau. Im Hochsprung hatte ich noch Wadenkrämpfe, die sich dann leider auch den ganzen 400-Meter-Lauf durchgezogen haben. Ich bin keinen Schritt ohne Krampf gelaufen. Das waren die kleinen Dämpfer. Die gibt es eigentlich immer im Zehnkampf, da läuft selten alles perfekt. Aber das waren Gott sei Dank die einzigen beiden.

Sport1.de: Haben Sie diese Krämpfe öfter?

Schrader: Ja, beim Hochsprung hatte ich in den letzten Zehnkämpfen immer Krämpfe. Ich weiß noch nicht, wo das herkommt, im Training habe ich das nicht. Jetzt muss man mal gucken, was die Ursache dafür ist.

Sport1.de: Wie steht es sonst um Ihre Gesundheit?

Schrader: Ich fühle mich wieder ganz gut. Ich habe den Wettkampf gut verkraftet und aus der Physiotherapie, wegen des Ermüdungsbruches im Fuß des Sprungbeines, bin ich gerade raus. Und ich bin bereit für die nächsten Wettkämpfe.

Sport1.de: Haben Sie in dem Fuß noch Schmerzen?

Schrader: Ja, aber nur noch beim Gehen. Beim Sport und im Wettkampf nicht. Eine komplizierte Sache.

Sport1.de: Ihr Trainer sagt, Sie haben noch viele Reserven. Wie sehen Sie das?

Schrader: Ja, Reserven habe ich auf jeden Fall. Ob es dieses Jahr schon für mehr reicht, steht in den Sternen. Aber in den nächsten Jahren will ich auf jeden Fall noch etwas drauf legen und das ist auf jeden Fall möglich.

Sport1.de: Was erwarten sie von den nächsten Wochen?

Schrader: Ich hoffe, dass ich den Wettkampf auch so gut verkraftet habe, wie ich mich im Moment fühle. Das merkt man erst, wenn man wieder trainiert. Danach bereite ich mich auf Ratingen vor.

Sport1.de: Haben sie das Gefühl, dass der Druck gestiegen ist?

Schrader: Das kann sein, aber ich lasse das alles von mir abprallen. Ich mache mir selbst keinen Druck. Der Druck von außen interessiert mich nicht.

Sport1.de: Bei der WM in Berlin gibt es drei Startplätze für fünf deutsche Zehnkämpfer. Ist einer davon für Sie reserviert?

Schrader: Reserviert nicht, aber so gut wie sicher. Sonst müssten ja drei der vier (Anmerk. d. Red.: Pascal Behrenbruch, Norman Müller, Andre Niklaus und Arthur Abel) in Ratingen über die Bestmarke von 8522 Punkte kommen. Und das ist nicht so einfach.

Sport1.de: Was erwarten Sie bei der WM von sich?

Schrader: Da habe ich mir noch keine Ziele gesetzt. Das ist zu weit weg. Die werde ich mir in der Vorbereitung für Berlin stecken. Die Top Sechs wären ein kleines Ziel, aber was Punkte betrifft, entscheide ich erst in ein paar Wochen.

Sport1.de: Wie wichtig ist ihr Trainer für sie?

Schrader: Sehr wichtig. Ich weiß, dass er sehr viel drauf hat, ich höre auf das, was er sagt. Er hat viel Ahnung vom Sport und er ist ein sehr guter Freund.

Sport1.de: Wem fühlen sie sich ähnlicher: Torsten Voss oder Frank Busemann?

Schrader: Ich denke eher Torsten Voss, weil wir ähnliche Typen sind, die Sprint-Sprung-Typen. Wir haben auch in vielen Disziplinen ähnliche Stärken. ("Schrader ist ein Typ wie ich")

Sport1.de: Wie sieht eine Trainingswoche bei Ihnen aus?

Schrader: In der Regel absolviere ich zehn bis zwölf Trainingseinheiten, morgens mehr die Wurf- und Kraftdisziplinen, abends mehr die Sprint- und Sprungdisziplinen. Samstags Treppensprünge und "kleine" Zehnkämpfe, das heißt: man macht mehrere Disziplinen in einer Einheit, so wie im echten Zehnkampf.

Sport1.de: Trainieren sie auch viel im Fitness-Studio oder steht das bei einer solch umfassenden Sportart wie dem Zehnkampf eher im Hintergrund?

Schrader: Fitness-Studio und Krafttraining mag ich sehr gerne. Das mache ich auch privat gerne.

Sport1.de: Haben sie als Zehnkämpfer überhaupt Freizeit?

Schrader: Ja, natürlich. Ich habe im Moment zwar nicht viele Hobbies, weil sehr viel Zeit für den Zehnkampf flöten geht, aber für Freunde bleibt genug Zeit.

Sport1.de: Was wären die Hobbies, wenn Sie mehr Zeit hätten?

Schrader: Das ist sehr unterschiedlich. Wasserski fahren wollte ich immer schon mal, aber die Verletzungsgefahr ist zu groß. Einen Motorrad-Führerschein wollte ich schon lange machen, weil ich ein Motorrad-Fanatiker bin. Aber auch da wird mir in der Saison von abgeraten, weil bei einem möglichen Sturz die Karriere schneller vorbei sein kann, als man denkt. Am PC und vor der Playstation sitze ich noch gelegentlich. Aber ich versuche meine Freizeit hauptsächlich mit Freunden zu verbringen.

Sport1.de: Sind Sie Familienmensch oder Einzelgänger?

Schrader: Von beidem etwas. Manchmal bin ich lieber allein, aber ohne Familie gehts nicht. Die brauche ich schon. Mein Bruder, der auch mein Manager ist, ist super. Mit ihm verbringe ich einen großen Teil meiner Freizeit, denn wir sind auch richtige Freunde.

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