vergrößernverkleinern
WM-Hoffnung Christina Obergföll nimmt auch bei der Team-EM in Leiria teil © getty

Die Team-EM als Testlauf für Reformen: Fehlstarts sind für Sprinter tabu, auch die Werfer sieben. Der DLV will vorn dabei sein.

Neuss/Leiria - Zu wenig Stars, zu viel Reformbedarf: Zwei Monate vor der WM in Berlin (15.-23. August) testet die Leichtathletik am Wochenende im portugiesischen Leiria bei der Team-EM ein neues Wettkampf-Format und versucht mit einem neuen Regelwerk mehr Spannung zu kreieren.

Die Änderungen könnten Modellcharakter für andere Veranstaltungen der Sportart haben, die bei der WM neue Stars und im Gastgeberland neue Perspektiven für die Zukunft sucht.

Werfer, Weit- und Dreispringer haben nur noch zwei Versuche, dann scheiden die letzten sechs aus.

Nach drei Runden müssen erneut zwei aufhören, so dass es zu einem Vierer-Finale kommt.

Ein Fehlstart im Sprint bedeutet das Aus

Im Hoch- und Stabhochsprung sind pro Wettkampf nur noch vier Fehlversuche erlaubt.

Im Sprint führt schon der erste Fehlstart zur Disqualifikation. Die Langstreckenläufe werden zu Ausscheidungsrennen.

"Die Änderungen könnten viele Überraschungen mit sich bringen", sagt Field-Bundestrainer Herbert Czingon, der deshalb auf eine Hochrechnung lieber verzichtet.

"Von der Papierform her sollten wir vorne dabei sein", meint Czingon aber.

Russland ist der Favorit

Favorit auf den Sieg bei der Nachfolgeveranstaltung des tradtionsreichen Europacups ist für ihn aber Russland.

Anders als bisher wird nur noch ein Titel vergeben, für den Frauen und Männer aus zwölf Nationen gemeinsam Punkte sammeln.

Deutschland ist in den 36 Einzeldisziplinen und vier Staffel-Wettbewerben mit 48 Athleten vertreten.

Druck für deutsche Athleten enorm

Auf deren Schultern lastet derzeit enormer Leistungsdruck. Das WM-Spektakel im Sommer in Berlin ist für sie Fluch und Segen, Motivation und Belastung zugleich.

Track-Bundestrainer Rüdiger Harksen sagt: "Wir versuchen, den Druck zu nehmen und die Freude an der Leistung zu vermitteln."

Vier Deutsche stehen in den 47 WM-Disziplinen derzeit an Nummer eins der Weltrangliste und müssen deshalb mit dem Zusatz WM-Hoffnungsträger leben: Hochspringerin Ariane Friedrich (Frankfurt/Main), Marathonläuferin Irina Mikitenko (Wattenscheid), Speerwerferin Christina Obergföll (Offenburg) und Zehnkämpfer Michael Schrader (Uerdingen).

Obergföll und Friedrich sind auch in Leiria im Einsatz. (Der Kader für die Team-EM)

Friedrich bleibt gelassen

Selbstredend werden von ihnen Siege erwartet, doch Friedrich nimmts gelassen. Nach ihrem deutschen Rekord von 2,06 Metern am vergangenen Sonntag beim ISTAF in Berlin hatte sie bereits gesagt: "Ich werde den Teufel tun, mich jetzt unter Druck zu setzen. Ich springe einfach weiter mit Spaß."

Und dann brach sie noch eine Lanze für ihre Sportart. "Ich wollte ein Zeichen setzen - für die WM und die deutsche Leichtathletik, die wieder im Aufschwung ist."

WM muss besser werden als Olympia

Das habe er gerne gelesen, meint Bundestrainer Harksen: "Ich hätte es nicht treffender formulieren können."

Eine gute Handvoll Medaillenkandidaten hat der WM-Gastgeber derzeit in seinen Reihen.

"Wir können in Berlin sicher nicht erdrutschartig besser abschneiden als vor zwei Jahren in Osaka", sagt Czingon.

Aber besser als bei Olympia in Peking mit nur eine Bronzemedaille durch Obergföll werde es auf jeden Fall.

Viele Deutsche bei der WM

In Osaka waren es noch sieben Medaillen, darunter zwei goldene mit dem Diskus durch Franka Dietzsch (Neubrandenburg) und mit dem Hammer durch Betty Heidler (Frankfurt).

Zwölf Marathonläufer und Geher sind für Berlin bereits nominiert.

Knapp 40 Einzel-Athleten sowie die beiden Sprint-Staffeln haben darüber hinaus die WM-Norm in weiteren Disziplinen bereits komplett erfüllt.

Es zeichnet sich ein WM-Team von 70 bis 80 Athleten ab.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel