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Das deutsche Team feiert gemeinsam den Titelgewinn bei der EM © getty

Deutschlands sprung- und wurfgewaltige Frauen veredeln die chaotische Premiere der Team-EM in Portugal. Doch die Stimmung ist mies.

Leiria - Dank Überfliegerin Ariane Friedrich und Speerspitze Christina Obergföll haben Deutschlands Leichtathleten die chaotische Premiere der Team-EM gewonnen und sich für die Heim-WM in Berlin (15. bis 23. August) auf Touren gebracht.

Die Frankfurterin Friedrich mit 2,02 m und die Offenburgerin Obergföll mit der Jahres-Weltbestleistung von 68,59 m setzten im portugiesischen Leiria die Glanzpunkte.

Friedrich flog eine Woche nach ihrem deutschen Rekord beim ISTAF (2,06) trotz des Handicaps einer Erkältung zum zwölften Sieg in Serie seit Januar und verbuchte den 21. Wettkampf, der mit 2,00 m oder mehr endete.

Erst bei 2,07 m kam für sie das Aus. "Ich habe totale Kopfschmerzen und fühle mich wie ausgekotzt. Mit der Vorstellung kann ich heute total zufrieden sein. Am Ende ging es nicht mehr", meinte die 25-Jährige.

Olympia-Revanche geglückt

Obergföll, Bronzemedaillengewinnerin von Peking, steigerte ihre eigene Jahresbestmarke um 19 Zentimeter und setzte sich bei der Olympiarevanche gegen Tschechiens Olympiasiegerin Barbora Spotakova (65,89) durch.

Die WM-Zweite Obergföll sagte zufrieden: "Der Wurf war einfach rund."

Auch Möldner und Frank siegen

Stark präsentierte sich acht Wochen vor dem Auftakt der Heim-WM in Berlin (15. bis 23. August) in der Kugel-WM-Dritten Nadine Kleinert (Magdeburg/19,59 m) eine weitere Medaillenkandidatin.

Die weiteren deutschen Siege erkämpften Hindernisläuferin Antje Möldner (Potsdam/9:32,65 Minuten) und Speerwerfer Mark Frank (Rostock/78,63 m).

"Vieles war gut, aber wir haben auch ein paar böse Einbrüche erlebt", sagte Field-Bundestrainer Herbert Czingon nach zwei hitzigen Tagen mit teilweise über 30 Grad Celcius.

Russland überraschend schwach

Neben fünf deutschen Einzelsiegen gab es im Wettstreit der zwölf führenden Nationalteams des Kontinents weitere elf Podestplatzierungen.

Bei der Team-EM als Nachfolge-Veranstaltung des traditionsreichen Europacups kämpften Männer und Frauen erstmals gemeinsam um einen Titel. Dabei offenbarten die favorisierten Russen unerwartete Schwächen.

Regelreform kläglich gescheitert

Im Schatten von Leirias Königsschloss aus dem 12. Jahrhundert hinterließ die Veranstaltung vor allem wegen der erstmals ausprobierten neuen Regeln aber ratlose Athleten.

Das Bestreben, durch weniger Sprung- und Wurfversuche sowie Ausscheidungsrennen auf den Langstrecken mehr Spannung zu erzeugen, scheiterte vor insgesamt nur 10.000 Zuschauern im spärlich besuchten Dr. Magalhaes Pessoa Stadion auf der ganzen Linie.

"Mir ist es egal, aber in den Läufen ist es eine Verarschung", sagte der zweitplatzierte Diskuswerfer Robert Harting (Berlin/65,40).

Umstrittener Chambers siegt zweimal

Höhepunkte neben den Auftritten von Friedrich und Obergföll waren die 6,01 m des französischen Stabhochspringers Renaud Lavillenie, der als 17. Stabartist in den Kreis der 6-m-Springer vorstieß.

Jahres-Weltbestleistung schaffte auch 800-m-Läuferin Julia Krewtsun (Ukraine/1:58,62 Minuten).

Doppelsieger über 100 und 200 m wurde der überführte und umstrittene Dopingsünder Dwain Chambers. "Es wird nicht einfach, aber ich will bei der WM in Berlin die Nummer eins sein", sagte der Brite.

Spank mit Verdacht auf Bänderdehnung

Pech hatte der Hochsprung-Olympiafünfte Raul Spank (Dresden), der beim Einspringen umknickte und nach 2,15 m mit Schmerzen aufgeben musste.

Die Ärzte diagnostizierten einen Verdacht auf Bänderdehnung am linken Sprungfuß. Seine WM-Vorbereitung sei aber nicht gefährdet, hieß es.

Überraschend auch in Leiria war der wegen seiner Dopingvergangenheit in der DDR vom DLV entlassene Kugelstoß-Bundestrainer Werner Goldmann. Trotz laufenden Prozesses gegen den Verband durfte er Harting in offizieller Funktion betreuen.

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