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Ariane Friedrich setzte mit übersprungenen 2,02 m einen der Glanzpunkte in Leira © getty

Der DLV schöpft aus dem Erfolg bei der chaotischen Team-EM Hoffnung, das Debakel von Peking bei der Heim-WM vergessen zu machen.

Leiria - Als Speerwerferin Christina Obergföll mit kräftigen Armen den Siegerpokal in die Höhe stemmte, liefen Deutschlands Leichtathleten heiß für die Heim-WM in Berlin.

Hochsprung-Stimmungskanone Ariane Friedrich animierte die Kollegen mit leicht heiserer Stimme zum Jubeln.

Bei der Welle auf dem Siegerpodest der ersten Mannschafts-EM im portugiesischen Leiria gaben die Individualsportler den Teamplayer.

"Es ist uns gelungen, ein gutes Team für Berlin zu formen. Die Mannschaft hat sich zerrissen", bilanzierte Track-Bundestrainer Rüdiger Harksen. (Goldener Abschluss der Chaos-EM)

Der Rückenwind von der Hallen-EM in Turin, als es im März zehn deutsche Medaillen gab, weht auch unter freiem Himmel weiter.

"Die WM setzt Kräfte frei"

"Die WM im eigenen Land setzt bei allen Kräfte frei", sagte Field-Chefcoach Herbert Czingon, der sich auch über Bestleistungen von Siebenkämpferin Jennifer Oeser (Leverkusen/6442) und Zehnkämpfer Norman Müller (Halle-Saale/8295) in Ratingen freuen konnte.

Ein Ergebnis wie bei Olympia in Peking, als es nur eine Bronzemedaille durch Obergföll gab, ist acht Wochen vor dem WM-Auftakt nicht zu befürchten. Vielmehr deuten sich ähnliche Erfolge wie bei den sieben Medaillen der WM 2007 in Osaka an.

Mindestens drei heiße Goldkandidaten wird der Gastgeber beim Weltsportereignis des Jahres 2009 im Olympiastadion im bis zu 100 Athleten starken Team haben. Neben Marathonläuferin Irina Mikitenko sind es Obergföll und Friedrich.

Obergföll und Friedrich ganz stark

Die beiden waren auch die Stars der heißen Tage von Leiria, wo das Warmlaufen für die WM bei teilweise über 30 Grad Celcius leicht fiel.

Die Jahres-Weltbestleistung von 68,59 m bei Obergfölls Triumph über Speerwurf-Olympiasiegerin Barbora Spotakova (Tschechien/65,89) war genauso weltspitze wie die 2,02 m im Hochsprung, die Friedrich trotz Erkältung und Kopfschmerzen meisterte.

Seit Januar gewann die 25-Jährige nun zwölfmal in Folge. "Ich bin Hallen-Europameisterin, Jahres-Weltbeste und ungeschlagen - mehr kann man nicht verlangen", sagte sie.

Eine Woche nach ihrem deutschen Rekord vom ISTAF in Berlin (2, 06 m, 117824 die Bilder) gab sie bei 2,07 m zwar nach zwei vergeblichen Versuchen auf. Umsonst seien die Anläufe aber nicht gewesen, so Trainer Günter Eisinger: "Sie helfen, die Angst vor der Höhe zu verlieren."

Bundestrainer als Euphorie-Bremsen

Ihre WM-Medaillenambition unterstrich auch die WM-Dritte Nadine Kleinert als Kugelstoß-Siegerin mit 19,59 m. Außerdem gewannen Antje Möldner über 3000 m Hindernis sowie als einziger Mann Speerwerfer Mark Frank.

Dass die deutsche Aufholjagd nach Platz vier und 6,5 Punkten Rückstand nach dem ersten Tag glückte, lag vor allem an der deutschen Frauen-Power und der Schwäche der nur mit einem B-Team angetretenen Russen.

Trotz aller Euphorie verlor das Bundestrainer-Gespann Harksen/Czingon nicht den Blick für die Realität. "Das ist hier nur der europäische Maßstab gewesen. Die Summe der Leistungen sagt wenig über den Wert der einzelnen Ergebnisse", lautete ihre Einschätzung.

EAA trotz Protesten zufrieden

Für Hansjörg Wirz, Präsident des veranstaltenden Europäischen Leichtathletik-Verbandes EAA, kam der deutsche Erfolg vor Russland und Großbritannien gerade zur rechten Zeit. "Wir wissen, dass der deutschen Leichtathletik derzeit jeder Erfolg gut tut."

Obwohl es bei der Nachfolgeveranstaltung des traditionsreichen Europacups ein zwischenzeitliches Regelchaos und Athletenproteste gab, war Wirz zufrieden:

"Wir gehen in die richtige Richtung. Wir wollen die Leichtathletik damit nicht zerstören, sondern in eine sichere Zukunft führen."

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