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Dreispringer Charles Friedek wurde 1998 Weltcupsieger und 1999 Weltmeister © getty

Die internationalen Titelhelden Friedek, Bayer, Schumann und Lobinger zittern um ihr WM-Ticket. Bei der DM müssen sie nachlegen.

Berlin - Ihre Namen stehen für Titel, Träume und Triumphe.

Sie sind Olympiasieger, Weltmeister, Europarekordler - und jetzt die Sorgenkinder der deutschen Leichtathletik.

800-m-Läufer Nils Schumann, Dreispringer Charles Friedek und Weitspringer Sebastian Bayern bangen vor der DM am Wochenende in Ulm wie mehr als ein halbes Dutzend namhafte Athleten um ihre WM-Teilnahme in Berlin (15. bis 23. August).

"Zwei Sekunden fehlen mir - das ist viel, aber nicht utopisch", sagt Schumann.

2000 in Sydney gelang dem Erfurter mit seinem Goldlauf eine Sensation, doch 2003 begann die Verletzungsmisere, jetzt ist das Karriereende nahe.

Schumann mit niedrigen Ansprüchen

"Das Unternehmen WM betreibe ich zu einhundert Prozent ernsthaft. Aber ich mache mir gar keinen Druck mehr. Es ist wahrscheinlich mein letztes Jahr", sagt der 31-Jährige.

Mit 1:47,47 Minuten (Norm: 1:45,40) und einem vierten Platz gegen namenlose Konkurrenz begann Schumann am Wochenende seine Saison. Wieder einmal verspätet.

Eine Virusgrippe mit Stirnhöhlenvereiterung hatte ihn zuvor aus der Bahn geworfen.

"Über die Zeit bin ich fast schon glücklich. Seit vielen Jahren ist das mein schnellster Einstieg gewesen", sagt Schumann.

Nicht verkrampfen und Spaß am Sport

Der alte Glanz ist auch bei Dreispringer Friedek verblasst.

Beim WM-Sieg 1999 flog der Leverkusener auf 17,59 m, heute kämpft er meist vergeblich um die 17,00 m. Auf den Beobachter wirkt der 37-Jährige verbittert.

Ist er aber nicht, wie Trainer Sebastian Heß versichert: "Er weiß, dass er es nur schaffen kann, wenn er nicht verkrampft und den Spaß am Sport nicht vergisst. Er träumt davon, noch einmal vor seinem Heim-Publikum bei der WM zu starten."

Noch einen Monat Zeit

Weit weg von der glanzvollen Form, die ihm vor vier Monaten bei der Hallen-EM in Turin zu einem Wundersprung auf 8,71 m verhalf, ist auch Shootingstar Sebastian Bayer (Bremen).

Die WM-Norm von 8,15 m blieb unerreicht, was Trainer Joachim Schulz aber keineswegs beunruhigt.

"Wir werden bis Berlin eine vernünftige Form hinzaubern", verspricht er: "Es gibt keinen Druck. Seine Krankheiten sind ausgeheilt und wir haben bis 2. August Zeit."

An diesem Tag ist Meldeschluss für die WM.

Bis dahin kann der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) sein Team verändern, das in Teilen bereits am kommenden Dienstag (7. Juli) bekannt gegeben wird.

Dietzschs Startplatz sicher

Darin wird mit Sicherheit der Name Franka Dietzsch (Neubrandenburg) auftauchen.

Als Titelverteidigerin hat sie eine Wildcard und muss sich um die WM-Qualifikation trotz anhaltender Probleme keine Sorgen machen, zuletzt kam sie immerhin schon wieder auf 62,50 m.

"Wenn wir das in Ulm stabilisieren, sind wir zufrieden", sagt Trainer Dieter Kollark.

"Ich merke das Alter"

Allein die Leistung zu stabilisieren, reicht anderen wie den Stabhochspringern Tim Lobinger (München) und Danny Ecker (Leverkusen) oder dem einstigen Vorzeigesprinter Tobias Unger (Kornwestheim) und dem zweimaligen Diskus-WM-Dritten Michael Möllenbeck (Wattenscheid) nicht.

Sie alle müssen nachlegen, um sich ihren WM-Traum zu erfüllen.

"Es ist frustrierend. Der Kopf und die Motivation stimmen, aber die Dynamik fehlt. Ich merke das Alter", sagt Möllenbeck, der mit 39 Jahren auf seiner Abschiedstour ist.

Auf das Prinzip Hoffnung setzt der deutsche Stab-Rekordler Lobinger (36), dem mit 5,63 m sieben Zentimeter zur WM-Fahrkarte fehlen. "Bei mir sind zumindest alle Matrosen an Bord. Alle glauben noch an den großen Fang", sagte der Hallenweltmeister von 2006 kürzlich.

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