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Das Pärchen Sebastian Bayer und Carolin Nytra sind große WM-Hoffnungen in Berlin © getty

Nahezu alle DLV-Athleten zeigen bei der DM in Ulm hervorragende Leistungen. Nur Tim Lobinger fällt mit seiner Darbietung aus dem Raster.

Ulm - Deutschlands Leichtathleten gehen mit einem neuen Traumpaar und frischem Rückenwind auf die Zielgerade zur Berliner WM.

Das neue Leistungshoch bei den Meisterschaften in Ulm (Leistungsexplosion als WM-Werbung) krönte Weitspringer Sebastian Bayer, der mit seinem 8,49-m-Satz als einziger neu im Kreis der knapp zehn deutschen WM-Medaillenhoffnungen landete.

Er und seine in die Hürden-Weltklasse vorgestoßene Freundin Carolin Nytra (12,78) zelebrierten mit Schmuseszenen im Donaustadion ihre persönliche Lovestory.

"Was Besseres hätten wir uns als Werbung für die Berliner WM nicht wünschen können", kommentierte Clemens Prokop als Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) den Auftritt des Weltranglisten-Vierten Bayer.

Bayer bleibt bescheiden

Der Hallen-Europarekordler (8,71 m), dem nur fünf Zentimeter zum deutschen Rekord von Lutz Dombrowski beim Olympiasieg 1980 in Moskau fehlten, meinte mit Bick auf die WM:

"Erstmal ins Finale kommen. Dort wird es dann niemanden geben, der nicht zu schlagen ist. 8,60 m muss man für Gold wohl springen."

"Caro hat 20 Zentimeter gebracht"

Der selbstbewusste Bremer tauschte nach seinem Höhenflug zusammen mit Freundin Carolin vor Tausenden im Stadion und Millionen an den Fernsehschirmen Liebesküsse aus.

"Caro hat 20 Zentimeter gebracht", meinte Bayer auf die Frage am Anteil der Freundin an seiner Glanzweite.

Die 23-Jährige hatte direkt vor dem Supersatz des Sportsoldaten mit ihrer Steigerung auf 12,78 Sekunden den Vorstoß auf Rang neun in der Welt geschafft: "Nun träume ich in Berlin vom Finale."

Friedrich mit 14 Siegen in Folge

Vor rund 30.000 Zuschauern überzeugten mit einer Ausnahme die deutschen WM-Hoffnungen auf breiter Front:

Mit ihrem 14. Sieg in Serie und 22. Zwei-Meter-Resultat der Karriere machte Ariane Friedrich (2,01) deutlich, dass sie zusammen mit Speerwerferin Christina Obergföll (diesmal nur 62,09), Marathon-Ass Irina Mikitenko und Zehnkämpfer Michael Schrader nicht zufällig an der Spitze der Weltrangliste steht.

Friedrich sagte: "Damit habe ich das Fernduell mit Blanka Vlasic gewonnen." Die Kroatin sprang in Oslo 2,00 m.

Heidler und Harting keine Eintagsfliegen

Neben Bayer untermauerten auch die beiden WM-Überraschungen von Osaka 2007 ihre Medaillenchancen.

Betty Heidler, die damals Gold gewann, ließ den Hammer befreit wie schon lange nicht mehr auf 74,25 m fliegen und meinte nach ihrem fünften Titel:

"Ich gehe mit dem Druck wieder anders um als nach der WM, da habe ich mich fertiggemacht. Alles läuft gut derzeit, 75 m sollten zu einer Medaille reichen."

Tags drauf landete der Diskus von Robert Harting, dessen Stern mit dem WM-Silber in Japan aufging. Der Berliner trumpfte mit 67,69 m auf und meinte: "Eine Medaille muss her."

Weitere Eisen im Feuer

Zumindest vage Bronzechancen gibt es fünfeinhalb Wochen vor dem WM-Auftakt in vier anderen Disziplinen:

Im Kugelstoßen, wo die mit dem Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis geehrte Athen-Olympiazweite Nadine Kleinert (19,00) mit lädiertem Ellbogen diesmal gegen Denise Hinrichs (19,06) verlor.

Im Siebenkampf und Stabhochsprung, wo es ebenfalls zwei Hoffnungen gibt, sowie im Diskuswurf, wo niemand die dreimalige Weltmeisterin Franka Dietzsch abschreiben darf.

Nach ihren schwachen 59,09 m und dem verpassten 11. Titel gestand die 41-Jährige: "Ich hätte vor Wut das Netz zerreißen können."

Lobinger enttäuscht

Großer Verlierer des Stab-Duells war wohl Tim Lobinger (Vierter mit 5,70 m), nachdem der Olympiasechste Danny Ecker verletzt auf den Start verzichtet hatte.

Den greifbar nahen Titel verlor dessen Leverkusener Klubkamerad Tobias Scherbarth erst im Stechen gegen Alexander Straub.

Bei den Frauen siegte Silke Spiegelburg nach dem Scheitern von Anna Battke (Mainz) mit 4,65 m.

Überraschungen in schwachen Disziplinen

Eine Flut von deutschen Saisonbestmarken und neuen WM-Normen gab vor der Nominierung eines rund 90-köpfigen WM-Teams am Dienstag vor allem in bisher schwachen Disziplinen.

Sensationell setzten sich Siegerin Verena Sailer in 11,18 und Vizemeisterin Marion Wagner (11,24) an die Spitze der 100-m-Europarangliste.

Den 100-m-Titel der Männer gewann ähnlich überraschend nach großen Problemen in den Wochen zuvor Tobias Unger in starken 10,18 Sekunden.

Über 200 m siegte in Ungers Abwesenheit Robert Hering, seit Juni 19 Jahre alt, in vielversprechenden 20,41.

Über 400 m Hürden ist Thomas Goller (Wattenscheid/31) in 49, 20 nun drittschnellster Europäer.

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