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Vier jamaikanische Sprinter und eine Sprinterin wurden des Dopings überführt © imago

Schock für die Karibikinsel: Bei den nationalen Titelkämpfen fliegen fünf Doping-Betrüger auf - nicht aber Usain Bolt.

Berlin/Kingston - Fünf jamaikanische Sprinter sind drei Wochen vor der Leichtathletik-WM in Berlin (15. bis 23. August) positiv getestet worden. Das bestätigte ein Offizieller der Jamaikanischen Anti-Doping-Kommission JADCO gegenüber der Nachrichtenagentur "Reuters".

Namen nannte er aber nicht, betonte jedoch, dass keine "Stars" wie Dreifach-Olympiasieger Usain Bolt (9,79 - Bolt "erst bei 85 Prozent") oder Asafa Powell, sein Vorgänger als 100-m-Weltrekordler, betroffen seien.

Den Angaben zufolge ist auch kein Medaillengewinner von Peking darunter. Allerdings sollen zwei Athleten aus dem neuen "Racers Track Club", dem auch Bolt angehört und der von dessen Trainer Glen Mills geleitet wird, zu dem Quintett gehören.

"Habe von den Gerüchten gehört"

"Ich kann sagen, dass fünf Athleten auf eine unbedeutende Substanz positiv getestet worden sind", erklärte der Funktionär, dessen Identität "Reuters" nicht preisgab. Die Tests stammten von den nationalen Titelkämpfen im vergangenen Monat in Kingston.

Bolt erklärte in London, wo er beim Super Grand Prix startete: "Ich habe von den Gerüchten gehört. Aber ich weiß nichts, da müssen Sie meinen Manager fragen."

Sogar Jamaikas Premierminister Bruce Golding mischte sich in die Angelegenheit ein und bat die JADOC sowie den jamaikanischen Leichtathletik-Verband zum Rapport.

Staffelläufer für Berlin?

Zuvor hatte die Zeitung "Jamaica Observer" berichtet, es handle sich um fünf für die Titelkämpfe in Berlin nominierte Sportler. (9,54: Bolt lotet sein Potential aus)

Betroffen sind angeblich zwei Männer und eine Frau aus der 4x100-m-Staffel und zwei Männer aus dem 4x400-m-Quartett. Welche Substanz gefunden wurde ist unklar. Ob es sich dabei um Mitglieder der Staffel handelt, die mit Bolt bei Olympia in Peking in 37,10 Sekunden Weltrekord sprintete, ist noch unklar.

Der "Jamaica Gleaner", die älteste Zeitung der Karibikinsel, schrieb von 40 bis 45 Dopingtests bei den nationalen Meisterschaften. Die Proben sollen in Montreal/Kanada analysiert worden sein.

"Es wird eine Erklärung geben"

Die Internetseite "TrackAllerts " zitiert Dr. Herb Elliott von der Jamaikanischen Anti-Doping-Kommission JADCO, die für die Tests bei den nationalen Meisterschaften zuständig war: "Wir warten noch auf Informationen und Fakten. Es wird von uns eine Erklärung geben."

Die Sündenfälle sind ein herber Schlag für die Sprint-Nation Jamaika, die 2008 bei Olympia in Peking fünf von sechs Goldmedaillen über 100, 200 und 4x100 m gewann.

Nur die favorisierte Frauenstaffel hatte im Finale den Stab verloren.

Dopingfall bei nationalen Titelkämpfen

Jamaikanische Aushängeschilder sind Dreifach-Olympiasieger Usain Bolt, Ex-100-m-Weltrekordler Asafa Powell und 100-m-Olympiasiegerin Shell-Ann Fraser.

Der 22-Jährige Bolt erzielte in Peking in 9,69 Sekunden über 100, 19,30 über 200 und mit der Staffel drei Weltrekorde.

Bereits im Vorjahr hatte es bei den Nationalen Meisterschaften Jamaikas einen Dopingfall gegeben, als Sprinter Julien Dunkley (32) positiv auf das Anabolikum Boldenon getestet und aus der Olympiastaffel ausgeschlossen worden war.

Ottey rehabilitiert

Weitere jamaikanische Dopingsünder waren die Sprinter Steve Mullings, der 2004 bei den Trials die 200 m gewonnen hatte, dann jedoch mit Testosteron aufflog und Patrick Jarrett (Stanozolol/2001).

Auch Jamaikas frühere Sprint-Königin Merlene Ottey, die zuletzt für Slowenien startete, wurde im Juli 1999 in der A-Probe schon mit Nandrolon erwischt und ursprünglich für zwei Jahre gesperrt.

Wegen angeblicher Verfahrensfehler bei der Untersuchung im IOC-Dopinglabor von Lausanne rehabilitierte sie der Leichtathletik-Weltverband IAAF ein Jahr später.

Balco-Leiter schürt Spekualtionen

Mit öffentlichen Verwarnungen endeten die Fälle von Kugelstoßer Dorian Scott (Marihuana) sowie Weit- und Dreispringer Suzette Lee (Salbutamol).

2007 hatte Victor Conte, ehemaliger Leiter des kalifornischen Dopinglabors Balco, in einem Gespräch mit dem damaligen Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), Richard Pound, Doping-Spekulationen um weitere Jamaika-Sprinter geschürt.

2008 kritisierte Pound dann, dass es seine Nachfolger nicht für nötig befunden hätten, diesen Hinweisen auf mögliche Manipulationen nachzugehen.

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