vergrößernverkleinern
Usain Bolt (l.) rief nach dem London-Wettkampf: "Blake ist okay. Blake ist okay." © getty

Im Doping-Skandal um die Karibik-Sprinter meldet sich die Wissenschaft zu Wort. Angeblich aber "droht dem Quintett nicht viel".

Berlin/London - Das Doping-Gespenst sitzt Jamaikas Sprintern auf dem Weg nach Berlin im Nacken, auch der schnellste Mann der Welt wird langsam nervös.

"Jetzt wird alles hinterfragt, was von Jamaika kommt", sagt Superstar Usain Bolt, der drei Wochen vor der Weltmeisterschaft in Berlin (15. bis 23. August) einen Imageschaden ungeahnten Ausmaßes befürchtet.

In Saisonaufsteiger Yohan Blake (19) und Marvin Anderson (27) sollen zwei seiner Klubkollegen bei den nationalen Meisterschaften Ende Juni in Kingston in der A-Probe positiv auf ein Stimulans getestet worden sein.

Nach Informationen des "Jamaica Observers" handelt es sich um einen Wirkstoff aus der Gruppe der Methylxanthine, die in vielen Erkältungsmitteln sind.

Blake unter Verdacht

Nachdem Bolt (Jamaikanisches Quintett sprintet in Doping-Falle) am Samstag an der Seite von Blake mit dem 4x100-m-Quartett des Racers Track Club in London 37,46 Sekunden gerannt war (die viertbeste Zeit der Geschichte), rief er den Journalisten vorsorglich zu: "Blake ist okay, Blake ist okay."

Doch ganz so leicht dürfte es für seinen unter Coach Glen Mills auf 9,93 Sekunden verbesserten Trainingskollegen nicht werden.

Vielsagend hatte dieser zuvor getwittert: "mmmmm wth". "mmmmm was zur Hölle" ("Was zur Hölle...": Bolt vor Lackschaden).

Weitere drei Namen bekannt

Außerdem wurden die 400-m-Läufer Lanceford Spence (26) und Allodin Fothergill (22) sowie 100-m-Sprinterin Sheri-Ann Brooks (26), Vize-Weltmeisterin mit Jamaikas 4x100-m-Staffel bei der WM 2007 in Osaka, erwischt.

Fothergill selbst räumte im "Jamaica Gleaner" ein, über sein Testergebnis informiert worden zu sein.

Auch Brooks Manager Chris Mychasiw und Henry Rolle, Trainer von Spence, erklärten, ihre Athleten seien betroffen.

Das Trio war zusammen mit Blake und Anderson in Jamaikas 46-köpfigem WM-Team vorgesehen und wird nun in der Heimat zu Anhörungen zurückerwartet.

"Da droht nicht viel"

Dabei müssen die Athleten - bestätigt sich die Probe auf Methylxanthine - wohl aber nicht mit einer Sperre rechnen.

"Da droht nicht viel", sagt Dr. Detlef Thieme, Leiter des Dopinglabors in Kreischa.

Es könnte das eintreten, was Jamaikas Sportfunktionäre von Beginn an meinten: Womöglich kommt das Quintett mit einer Verwarnung davon.

Doch selbst bei milder Strafe wäre der Imageschaden imens. Sogar Premierminister Bruce Golding zeigte sich besorgt und verlangte Aufklärung.

"Das ist höchst verdächtig"

Deutschlands Dopingjäger Professor Werner Franke reagierte unterdessen wenig überrascht.

"In Jamaika steppt der Bär, das ist doch schon lange bekannt", sagte der Heidelberger Molekularbiologe: "Es ist klar, dass man da was findet, wenn man genau hinschaut."

Diese Ansicht vertritt auch der ehemalige BALCO-Chef und "Doping-Guru" Victor Conte.

Der sagte bereits im Vorjahr: "Wenn man sieht, dass die schnellsten Sprinter alle von einer Insel kommen, ist das höchst verdächtig. Ich glaube, in der Karibik wird zügellos gedopt."

"Trainer, die eine Abkürzung suchen"

Die jüngsten Erfolge von Jamaikas Sprintern sind jedenfalls beeindruckend und fast unglaublich.

Fünf von sechs Goldmedaillen über 100, 200 und 4x100 m gewannen sie bei Olympia in Peking.

Bolt (9,79 - Bolt "erst bei 85 Prozent") lief dabei drei Weltrekorde (9,69, 19,30 und 37,10). Außerdem standen erstmals drei Frauen aus einem Land über 100 m auf dem Podest.

Erklärt wurde das alles mit "viel Talent" und "gutem Training".

Ruhiger Schlaf ist dahin

Aber selbst zu Hause gab es schon immer Zweifler, so wie den ehemaligen Präsident des Leichtathletik-Verbandes JAAA, Teddy McCook.

Er gestand jüngst dem englischen Guardian, nicht mehr ruhig schlafen zu können: "Es gibt immer Trainer, die eine Abkürzung suchen."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel