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Stefan Matschiner ließt gezielt Proben von Sportlern analysieren © getty

Stefan Matschiner gibt den Namen des von ihm versorgten deutschen Top-Leichtathleten nicht preis. Der DLV fühlt sich ohnmächtig.

Berlin - Der Name des angeblich mit Designer-Steroiden versorgten deutschen Top-Leichtathleten bleibt weiter im Dunkeln.

Auf Anfrage des DLV erklärte der österreichische Doping-Drahtzieher Stefan Matschiner vor dem WM-Auftakt in Berlin telefonisch, er werde den Athleten auf keinen Fall nennen.

Dem 34-Jährigen Matschiner droht in seiner Heimat unterdessen weiteres Ungemach.

Die Sonderkommission (SoKo) Doping im Bundeskriminalamt Wien will ihn nach dessen jüngsten Aussagen in der ARD erneut vernehmen. Das teilte Michaela Schnell, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, am Donnerstagabend mit.

Entscheidung über Anklage naht

Matschiner hatte in dem ARD-Interview zugegeben, Athleten mit Dopingmitteln versorgt und in von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) akkreditierten Labors in Mitteleuropa Mitarbeiter bestochen zu haben.

In den Labors seien Athleten gegen Geldleistungen zwischen 150 und 500 Euro intern getestet worden, um spätere positive Dopingproben auszuschließen. Die Entscheidung über Anklagen gegen Matschiner und weitere in Dopingpraktiken verwickelte Hintermänner dürfte in den nächsten Wochen fallen.

Kohl bestätigt Schmiergelder

Der ehemalige Gerolsteiner-Radprofi Bernhard Kohl, dem der dritte Tour-Platz 2008 nach seinem Doping-Geständnis aberkannt worden war, bestätigte der Tageszeitung "Kurier" die Schmiergeldzahlungen.

"Stefan Matschiner hat Proben analysieren lassen, damit wir wussten, wie weit wir gehen konnten, um nicht erwischt zu werden."

Bei ihm selbst seien es zwei Proben gewesen, eine auf Epo, eine auf Testosteron. "Dann habe ich gewusst: So und so viel kann ich von der jeweiligen Substanz spritzen."

DLV "in einer ohnmächtigen Situation

Ohne Erfolg blieb der DLV in seinem Bemühen, den Namen des deutschen Topläufers zu erhalten.

"Wir haben als Verband keine Möglichkeit, juristisch dagegen vorzugehen. Auch die ARD hat uns den Namen des verdächtigen Athleten aus ihrer Reportage "Geheimsache Doping" nicht gesagt", erklärte DLV-Präsident Clemens Prokop.

Aus seiner Sicht bleibe ein Verdacht in der Öffentlichkeit gegen eine Reihe in Frage kommender Läufer bestehen, "und wir sind als DLV in einer ohnmächtigen Situation, treffen auf eine Mauer des Schweigens."

Matschiner will niemand an den Pranger stellen

Vizepräsident Eike Emrich hatte Matschiner zu erreichen versucht, dieser rief dann auf dem Handy von DLV-Pressechef Peter Schmitt zurück.

"Er sagte, er sei gesprächsbereit, aber den Namen des Kunden werde er nicht preisgeben. Ihm gehe es bei seiner Offenbarung um das Dopingsystem und nicht darum, einen Athleten an den Pranger zu stellen", erklärte Schmitt.

Angeblich deutscher Meister 2009

In der ARD-Reportage "Geheimsache Doping" in der Nacht zum Donnerstag hatte Matschiner unter anderem erklärt, er habe jahrelang einen deutschen Topläufer mit Designer-Steroiden versorgt.

Der Athlet sei in diesem Jahr deutscher Meister geworden. "Wir hatten nie direkten Kontakt. Es lief über Mittelsmänner", sagte Matschiner.

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