Robert Harting hat Gold geholt - als Champion hat er sich durch seine vorherige Entgleisung allerdings nicht erwiesen.

Es ist ein Sieg, bei dem ein mulmiges Gefühl zurückbleibt.

Nicht aus der streng sportlichen Sicht, aus der hat sich Robert Harting sein WM-Gold im Diskuswerfen verdient.

Der Berliner ist ein Sieger - nur: es gibt einen Unterschied zwischen einem Sieger und einem Champion.

Ein Champion ist einer, der nicht nur in seiner eigentlichen Profession herausragt, sondern als Persönlichkeit. Einer, der der Vorbildfunktion gerecht wird, die von den Funktionären des Sports ja auch immer wieder betont wird.

In der Hinsicht hat sich Harting nicht hervorgetan mit seinem Wunsch, dass sein Diskus nach dem Aufkommen die Zuschauer "mit den Brillen" treffen möge, "damit die wirklich nichts mehr sehen".

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Die Brillen, das muss man wissen, sind undurchsichtig und werden von der Doping-Opfer-Hilfe an Zuschauer verteilt - eine PR-Aktion, mit der man sich den Anblick gedopter Sportler ersparen könne.

Eine Aktion, die man wie Harting "schwachsinnig" finden mag - auch wenn das nicht auf die Art von Sensibilität schließen lässt, die man in der notorisch vom Doping verseuchten Leichtathletik idealerweise haben sollte.

Aber die Anliegen einer Hilfsorganisation für Opfer eines zynischen DDR-Dopingbetriebs mit der Äußerung solcher Gewaltfantasien zu begegnen ist bodenlos.

Harting, ein Schützling des in der DDR schon aktiven Trainers Werner Goldmann, hat sich natürlich längst für seine Worte entschuldigt, aber wegwischen lassen sie sich dadurch nicht.

Zumal sie in einer Reihe stehen mit anderen unseligen Wortmeldungen, etwa dem Gedankenspiel, Doping freizugeben, damit die Aufregung um das Thema aufhören möge.

Verteidigungsfloskeln, dass es doch gut täte, wenn einer nicht nur langweilige Phrasen drischt, auch mal "unbequem" oder ein "Typ" ist, greifen bei einem so ernsten Thema nicht.

Genauso wenig der Ansatz "Große Klappe, aber was dahinter" - als ob eine Goldmedaille irgendwie eine menschliche Entgleisung wettmachen würde.

Die hätte Harting übrigens gar nicht gewinnen können, wenn es der Deutsche Leichtathletik-Verband genau nehmen würde mit seinen eigenen Regeln.

In den Nominierungsrichtlinien für die WM steht als Voraussetzung etwas vom "Geiste des Fairplay" und der "Eignung des Athleten, der Jugend Vorbild zu sein", die nicht in Frage stehen sollte.

Es wäre vielleicht unverhältnismäßig gewesen, Harting wegen des Eklats vor dem WM-Finale aus dem Team zu werfen.

Der DLV sollte aber etwas tun, um den Verdacht zu entkräften, dass man sich hier nur keine Goldchance entgehen lassen wollte.

Das Mindeste sollte sein, dass Harting verordnet wird, den Dopingopfern von Angesicht zu Angesicht zu erklären, was er sich bei seinen Worten gedacht hat.

Vielleicht würde so eine Begegnung auch helfen, aus Harting noch einen wahren Champion zu machen.

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