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Mit 5,06 Metern übersprang Jelena Issinbajewa ihren 27. Weltrekord © getty

In Zürich merzt Jelena Issinbajewa eindrucksvoll die Berlin-Schlappe aus. Asafa Powell erkennt seine Chance gegen Usain Bolt.

Zürich - Elf Tage nach dem WM-Tiefschlag von Berlin hat sich Jelena Issinbajewa beim Züricher Meeting "Weltklasse" zu neuen Höhen aufgeschwungen.

"Ich habe viel aus meiner WM-Pleite gelernt, ohne sie wäre dieser Weltrekord nicht möglich gewesen", meinte die glückliche Olympiasiegerin, nachdem sie mit 5,06 m im ersten Versuch ihren 27. Stab-Weltrekord erzielt hatte.

Dafür bekam sie Prämien in Höhe von 66.000 Dollar (46.000 Euro) sowie ein Kilo Gold (21.000 Euro). Es war der 25. Züricher Weltrekord seit Martin Lauers 13,2 Sekunden über 110 m Hürden vor 50 Jahren im alten Letzigrund.

Berlins WM-Star Usain Bolt siegte dort, wo Armin Hary 1960 vor seinem Olympiasieg in Rom als erster Sprinter die 100 m in handgestoppten 10,0 Sekunden gelaufen war, in 9,81 Sekunden. (143495DIASHOW: Die Tops und Flops von Berlin)

Bolt siegt müde

"Es war ein heikles Rennen, mein Körper war müde, ich konnte erst spät den Speed entwickeln" fand der dreimalige Olympiasieger und Weltmeister, der zwölf Tage nach dem Berliner 140985Fabel-Weltrekord von 9,58 erst in der Schlussphase den Sieg gegen Landsmann Asafa Powell sichern konnte.

26.000 Zuschauer feierten ihn nach seinem siebtbesten Rennen der Laufbahn.

Trio kämpft um Millionen-Jackpot

Jelena Issinbajewa wahrte mit dem fünften Saisonerfolg der Golden League ebenso wie die Jahresweltbestzeit laufenden Berlin-Sieger Sanya Richards aus den USA (400 m/48,94) und Kenenisa Bekele aus Äthiopien (5000 m/12:52,32) die Chance auf ihren Anteil im Eine-Million-Dollar-Jackpot.

Das Trio benötigt jetzt noch einen sechsten Saisonsieg am Freitag in Brüssel. Dagegen scheiterte über 100 m Vize-Weltmeisterin Kerron Stewart (Jamaika/11,04) an der WM-Dritten Carmelita Jeter (USA/10,86).

Auch Foster-Hylton und Thorkildsen mit Jahresweltbestleistung

Die beiden anderen Jahres-Weltbestmarken erzielten Ann Foster-Hylton (Jamaika) in 12,46 Sekunden über 100 m Hürden und Norwegens Olympiasieger Andreas Thorkildsen mit 91,28 im Speerwurf.

Beide gehörten in 14 Einzeldisziplinen zu den neun siegreichen Weltmeistern.

Die Geschlagenen waren neben Stewart und der polnischen Stabhochspringerin Anna Rogowska (4,76) über 800 m Mbulaeni Mulaudzi (Südafrika), über 1500 m Yusuf Kamel (Bahrain) und über 110 m Hürden Ryan Brathwaite (Barbados).

"Die Niederlage hat mich hungrig gemacht"

Jelena Issinbajewa steigerte elf Tage nach dem Berlin-Desaster mit gerissener Anfangshöhe ihren Weltrekord vom zweiten Olympiasieg 2008 in Peking um einen Zentimeter.

Ihren letzten Rekord hatte die 27-Jährige am 15. Februar mit ihrem ersten 5-m-Sprung in der Halle aufgestellt. Diese von allen anderen unangetastete Barriere hat die zweimalige Weltmeisterin nun in sieben Wettkämpfen bezwungen.

"Nach der WM war ich am Boden. Mein Körper war zwar in Berlin, aber nicht mein Kopf", fand Issinbajewa.

"Ich hätte dort erst den Sieg sichern und erst dann an Weltrekord denken müssen. Ich sah damals alles von oben, dann erstmals ganz von unten. Die Niederlage hat mich hungrig gemacht", meinte sie nach ihrem 15. Freiluft-Weltrekord.

Powell sieht Chance gegen Bolt

Hinter Bolt, der am Vortag angekündigt hatte, er wolle auch einmal einen Versuch im Weitsprung starten, wurde Ex-Weltrekordler Asafa Powell in 9,98 Zweiter und fand: "Jetzt weiß ich, dass ich Usain schlagen kann, wenn ich mich auf dem letzten Abschnitt verbessere."

Die Chance dazu hat er vielleicht am Freitag in Brüssel, wenn Bolt auf den 100-m-WM-Zweiten Tyson Tyson Gay (USA) trifft.

In Zürich musste Bolt nach zwei Metern Rückstand noch Jamaikas Staffelsieg (ohne Powell) in 37,70 gegen die USA aus dem Feuer reißen.

Friedrich nur auf Rang vier

Über 400 m misslang Jeremy Wariner die WM-Revanche gegen Olympiasieger LaShawn Merritt (beide USA).

Der Weltmeister von Berlin, der vor einem Jahr in Zürich seine Siegesserie (10 Finals) begonnen hatte, lag in 44,21 zwei Meter vor dem zweifachen Weltmeister und Athen-Olympiasieger.

Eine Woche nach WM-Bronze landete Hallen-Europameisterin Ariane Friedrich nur auf Rang vier beim Hochsprung-Sieg der kroatischen Weltmeisterin Blanka Vlasic (2,01).

Sailer und Nytra enttäuschen

Mit für sie schwachen 1,94 ("Ich bin müde") verpasste die Frankfurterin den 26. Zwei-Meter-Wettkampf.

Zweite wie in Berlin wurde die Russin Anna Tschitscherowa (1,98), vor Friedrich schob sich noch Chaunte Howard (USA/1,98).

Vierte wie bei der WM war auch Silke Spiegelburg (Leverkusen) mit 4,61 m im Stabhochsprung, Fünfter im Speerwurf der Rostocker Mark Frank (79,65).

Neunte wurden in 11,45 über 100 m Verena Sailer (Mannheim) und in 13,14 über 100 m Hürden Carolin Nytra (Bremen).

Spank siegt in Eberstadt

Anders als Friedrich, die am Sonntag in Eberstadt als Sechste nur 1,91 m schaffte, ist der Hochsprung-WM-Dritte Raul Spank weiter in glänzender Form.

Der Dresdener sorgte im Hochsprung-Mekka für den ersten deutschen Sieg seit 20 Jahren und steigerte mit 2,33 m seine bei Olympia 2008 aufgestellte Bestleistung um einen Zentimter.

Beim Werfermeeting im sächsischen Thum erzielte der Kugel-WM-Dritte Ralf Bartels (Neubrandenburg) mit 21,03 m erneut eine Weltklasse-Weite und siegte am Sonntag auch in Bad Köstritz/Thüringen (20,78).

Harting feiert fünften Erfolg

Neuseelands Olympiasiegerin Valerie Vili übertraf mit 20,45 m ihre WM-Siegesweite um einen Zentimeter und ließ der Magdeburger WM-Zweiten Nadine Kleinert (19,07) keine Chance.

In Bad Köstritz standen dann 20,41 von Vili 19,49 von Kleinert gegenüber. Seine Siegesserie baute dort Diskus-Weltmeister Robert Harting mit 65,93 m aus.

Es war der fünfte Erfolg des Berliners seit dem 21. Juni dieses Jahres.

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