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Barbora Spotakova holte in Peking im letzten Versuch noch olympisches Gold © getty

Olympiasiegerin Barbora Spotakova wirft bei der Abschiedsvorstellung des Stuttgarter Stadion Weltrekord in Speerwurf-Konkurrenz.

Stuttgart - Dem Olympia-Frust von Peking folgte das deutsche Schockerlebnis beim Weltfinale von Stuttgart.

Mit ihrem Speerwurf-Weltrekord von 72,28 m düpierte die Tschechin Barbora Spotakova die Paradeübung der deutschen Leichtathletik.

Exakt neun Meter lag die Olympiasiegerin vor Christina Obergföll (Offenburg), die mit Bronze die einzige Medaille für den Deutschen Leichtathletik-Verband in Peking gewonnen hatte.

Während die Stätte der grandiosen WM von 1993 vor dem Umbau zur reinen Fußball-Arena den letzten Leichtathletik-Höhepunkt erlebte, verhinderte vor allem Silke Spiegelburg eine noch größere Tristesse für Deutschlands Leichtathleten.

Nach dem erkältungsbedingten Verzicht von Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa gewann sie nach zuvor 4,70 m das Stechen um den Sieg gegen Ex-Weltrekordlerin Swetlana Feofanowa (ebenfalls Russland). "Mein größter Erfolg, dazu Bestleistung egalisiert. Das toppt alles", meinte die wie alle Sieger mit 30.000 Dollar belohnte Leverkusenerin.

"Ein Phänomen"

Christina Obergföll bekannte: "Nach diesem Weltrekord war die Luft bei mir raus. Barbora ist ein Phänomen, wirft technisch unglaublich sicher. Aber 2009 werden die Karten neu gemischt."

Die 27 Jahre alte Tschechin, die das Gold in Peking im letzten Versuch mit der Europarekordweite von 71,42 m gewonnen hatte, übertraf nun gleich mit dem ersten Wurf die drei Jahre alte Bestmarke der Kubanerin Osleidys Menendez (71,70) und kassierte über das Sieggeld hinaus noch 100.000 Dollar Rekordprämie aus dem mit 3 Millionen Dollar (2,14 Mio. Euro) gefüllten Topf des Weltverbandes IAAF.

Müde Helden

Vor 40.000 meist frierenden Zuschauern an beiden Tagen waren viele Helden müde. Eine weitere Jahres-Weltbestmarke gab es nicht mehr.

Doch von den 19 Olympiasiegern von Peking verloren nur sieben. Krass daneben lag dabei Brimin Kipruto (Kenia) als Neunter über 3000 m Hindernis.

Revanche geglückt

Im Hochsprung gelang Blanka Vlasic (Kroatien) mit 1,99 m die Revanche gegen Belgiens Olympiasiegerin Tia Hellebaut (3.), über 400 m der Amerikanerin Sanya Richards (zuvor auch 200-m-Siegerin) gegen die Britin Christine Ohuruogu.

Von 19 Deutschen, die meist über eine Wildcard ins Startfeld gerückt waren, landeten immerhin fünf in den drei höchsten Preisgeldstufen: Neben Siegerin Spiegelburg kassierten als Zweite Obergföll und die Magdeburger Kugelstoßerin Nadine Kleinert (19,42 m) je 20.000 Dollar, Speerwurf-Europameisterin Steffi Nerius (Leverkusen/62,78) und der Diskus-Olympiavierte Robert Harting (Berlin/65,76) als Dritte je 12.000.

Dahinter folgten nach ihrem verpatzten Olympia zwei Athletinnen der LG Eintracht Frankfurt: Als Hochsprung-Vierte (1,97 m) erhielt Ariane Friedrich 7000, als Fünfte mit schwachen 69,72 m Betty Heidler 5000 Dollar.

Powell läuft 9,87

In Abwesenheit von Dreifach-Olympiasieger Usain Bolt (Jamaika) gewann dessen Landsmann Asafa Powell trotz Temperaturen von nur 14 Grad die 100 m in 9,87 Sekunden und blieb dabei zum 23. Mal in seiner Karriere unter 9,90. "Jetzt noch ein Rennen in Polen, dann ist die Saison vorbei", meinte der Ex-Weltrekordler.

400-m-Olympiasieger LaShawn Merritt feierte drei Wochen nach dem Gold von Peking im siebten Saison-Duell in 44,50 zu 44,51 Sekunden den vierten Sieg über Weltmeister Jeremy Wariner. Dieser gestand: "2009 muss ich noch härter trainieren, um Shawn zu schlagen."

Der 800-m-Weltrekord (1:53,28) ist 2009 das Ziel von Pamela Jelimo (Kenia), die in 1:56,23 den 15. Saisonsieg in Serie feierte. Die 18-Jährige musste in Stuttgart ihre Startpflicht erfüllen, um die Dollar-Million des Golden-League-Jackpots endgültig zu erhalten.

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