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Steffi Nerius gewann insgesamt vier WM-Medaillen © getty

Nach einem Vierteljahrhundert tritt die Speerwurflegende in Thessaloniki ab. Die nächste Herausforderung wartet schon.

Thessaloniki - Am Ende des Weges fühlte sich Weltmeisterin Steffi Nerius einfach nur noch platt. 25 Jahre Leistungssport haben Spuren hinterlassen.

Als sich der buchstäblich letzte Speer ihrer Bilderbuch-Karriere beim Weltfinale im griechischen Thessaloniki bei 62,59 m in den Rasen gebohrt hatte, war deshalb von Wehmut keine Spur.

"Karriere war ein Traum"

"Ich habe alles gewonnen, was ich gewinnen konnte. Meine Karriere war ein Traum. Zwar hätte ich hier gern noch einmal gesiegt, aber die Kraft war nicht mehr da", sagte die 37-Jährige nach dem Abschluss ihrer Abschiedstour, die sie knapp vier Wochen zuvor mit dem WM-Gold von Berlin (Die Leichtathletik-WM in Berlin) gekrönt hatte.

Dort und bei der Verabschiedung in der Vorwoche in Elstal gab es die großen Gefühle.

Thessaloniki dagegen war eher ein gut dotierter Pflichtauftritt, den Nerius mit Rang drei beim Erfolg der russischen WM-Dritten Maria Abakumowa (64,60) über Tschechiens Olympiasiegerin Barbora Spotakova (63,45) und 12.000 Dollar (8300 Euro) Prämie beendete.

Geschundener Körper braucht Ruhe

"Ich bin heute aufgestanden und habe gedacht: endlich der letzte Wettkampf. Ich habe mich sehr müde gefühlt."

Noch einmal packte die sechsmalige deutsche Meisterin ein neues Stirnband aus. "Goodbye" in Englisch und Griechisch stand auf ihrem Markenzeichen geschrieben.

Noch einmal ließ sie sich von 27..000 Zuschauern im ausverkauften Kaftanzoglio-Stadion feiern. Dann war das Kapitel Leistungssport beendet, der geschundene Körper bekommt endlich die wohlverdiente Ruhe:

"Er hat mir schon seit langem gesagt: es reicht."

Dauerbrenner mit Top-Leistungen

Nerius tritt als Deutschlands konstanteste Leichtathletin des neuen Jahrtausends ab. Nur bei Olympia 2008 in Peking ging sie als Fünfte leer aus. Ihre Serie begann 2002 mit EM-Silber in München. Seitdem griff sie bei acht internationalen Meisterschaften siebenmal Edelmetall ab.

2009 bei der WM und 2006 bei der EM jeweils Gold. Hinzu kamen Olympiasilber 2004 sowie dreimal WM-Bronze (2003, 2005 und 2007).

Abschied mit Symbolcharakter

Dass der letzte Wettkampf ausgerechnet in Thessaloniki stattfand, hatte Symbolcharakter. Hier tauchte die von der Insel Rügen stammende Werferin als Dritte der U20-EM 1991 auf der internationalen Bühne auf.

Respekt zollte die Olympiadritte Christina Obergföll, die in Berlin als Fünfte enttäuscht hatte und sich beim Weltfinale mit 62, 14 als Vierte nochmal knapp der Dauerrivalin geschlagen geben musste:

"Steffi hat sehr lange durchgehalten. Jetzt kommen wieder junge Leichtathletinen nach vorne."

Nächste Aufgabe schon in Sicht

Diplom-Sportlehrerin Nerius macht nun erstmal Urlaub im Club der Besten, ehe sie ab 1. Oktober hauptamtliche Trainerin in der Behindertensport-Abteilung ihres Vereins Bayer Leverkusen wird. Dort ist sie bereits seit 2002 halbtags tätig:

"Ich denke, ich werde meinen Job mit Inbrunst machen."

Dabei kann Nerius weiter auf Tipps ihres Ex-Trainers Helge Zöllkau hoffen. Mit dem Mann, der sie seit 1999 zu ihren Erfolgen führte, teilt sie sich zukünftig in der Leverkusener Leichtathletik-Halle ihr Büro.

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