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Tritt er zurück? Verbandspräsident Leonhard Chuene wird heftig kritisiert © getty

Die Diskussion hält an. Nach seinem Test-Eingeständnis wird Verbandspräsident Chuene vom Sportminister zum Rücktritt aufgefordert.

München - Das Lügengerüst ist eingestürzt, die Wahrheit kommt ans Licht: Die Tragödie um den Sextest bei Südafrikas 800-m-Weltmeisterin Caster Semenya ist von Südafrikas Leichtathletik-Funktionären heraufbeschworen worden.

Verbandspräsident Leonard Chuene musste zugeben, die 18-Jährige schon vor der WM einem Geschlechtstest unterzogen zu haben.

Ärzte hatten der Athletics South Africa (ASA) daraufhin empfohlen, Semenya nicht nach Berlin zu schicken, doch die Verbandsführung ignorierte den Rat.

"Ich muss feststellen, dass das eine Fehleinschätzung war", gestand Chuene, ohne aber Konsequenzen zu ziehen, wie es vom stellvertretenen Sportminister Gert Oosthuizen gefordert wurde.

Verbandschef entschuldigt sich

"Chuene sollte rausgeschmissen werden", sagte der Politiker in einer Presseerklärung.

Der Verbandschef verteidigte sich. Er habe schließlich nur die Privatsphäre von Semenya schützen wollen. "Wenn wir dem Mädchen nicht erlaubt hätten zu laufen, hätten wir sie der Medaille beraubt und unterstellt, dass sie nicht normal ist."

Zuletzt hatte der Sportfunktionär stets versichert, der Verband habe gar nicht gewusst, dass Semenyas Geschlecht schon vor der WM in Frage gestellt wurde, entschuldigte sich jetzt aber für seine Lügen.

Semenya wurde in Unwissenheit gelassen

Chuene gab zu, dass Teamarzt Harold Adams sogar empfahl, Semenya nicht laufen zu lassen, nachdem die IAAF auf Grund ihres kometenhaften Aufstieges Ende Juli (1:56,72 Minuten) einen Sextest verlangte.

Der wegen des Skandals bereits zurückgetretene Nationaltrainer Wilfried Daniel hatte die Vor-WM-Untersuchungen öffentlich gemacht und dabei das ASA-Vorgehen heftig kritisiert.

Man habe die wegen ihrer männlichen Erscheinung umstrittene Semenya in dem Glauben gelassen, es handele sich um standardmäßige Dopingkontrollen.

Südafrika spricht von Rassismus

Öffentlich geworden war ein zweiter durch die IAAF (in Berlin) vorgenommener Sextest bei Semenya kurz vor dem WM-Finale, dass die Newcomerin in herausragenden 1:55,45 gewann (Platz 13 der ewigen Weltbestenliste).

Danach begann eine beispiellose öffentliche Diskussion über die mittlerweile in psychologischer Behandlung befindliche Athletin, die durch ihre männliche Erscheinung und ihr Stimme aufällt. Südafrika sprach von Rassismus und beschwerte sich sogar bei den Vereinten Nationen.

Die bereits öffentlich gewordenen übereinstimmenden Testergebnisse aus Südafrika und Berlin sollen ergeben haben, dass Semenya ein Hermaphrodit (Zwitter) ist.

Auch als Zwitter nicht zwangsweise Titel-Aberkennung

"Sie hat keine Gebärmutter und keine Eierstöcke", sagte ein an der Untersuchung beteiligter Experte jüngst einer australischen Zeitung. Die IAAF hat das Ergebnis noch nicht bestätigt und bislang auch offen gelassen, welche Konsequenzen es haben könnte.

Verliert die Läuferin ihre Goldmedaille und darf sie auch in Zukunft bei den Frauen starten? Klar ist lediglich, dass auch eine Bestimmung von Semenya als Zwitter nicht zwangsläufig zu einer Aberkennung des WM-Titels führen müsste.

Das Thema soll nun im IAAF-Council am 20./21. November in Monaco besprochen werden.

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