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Khalid Skah holte über 10.000 m die Goldmedaille in Barcelona 1992 © getty

Marokkos Ex-Olympiasieger Khalid Skah wirft Norwegens Regierung eine Mittäterschaft bei der Entführung seiner Kinder vor.

Oslo/München - Die Entführung der Kinder von 10.000-m-Olympiasieger Khalid Skah von Marokko nach Norwegen entwickelt sich immer mehr zu einer Räuberpistole und beschäftigt nun auch höchste Regierungsstellen.

Auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz wiesen der norwegische Außenminister Jonas Gahr Störe und Verteidigungsministerin Grete Faremo nun jegliche Beteiligung der Regierung zurück.

Im vergangenen Jahr hatten zwei Soldaten der norwegischen "Special Forces" im Auftrag von Skahs norwegischer Ex-Frau Anne Cecilie Hopstock die gemeinsamen Kinder Selma (16) und Tarik (13) mit einem kleinen Segelboot aus Marokko herausgeschmuggelt.

Soldaten beteiligt

Offiziell seien die beiden Soldaten "im Urlaub" gewesen und hätten ohne das Wissen ihrer Vorgesetzten gehandelt.

Es wurde lediglich bestätigt, dass sich die beiden Kinder für drei Tage in der Botschaft aufgehalten haben, weil um ihre Sicherheit gefürchtet wurde.

Der Goldmedaillengewinner von Barcelona 1992 beschuldigt darüber hinaus einen norwegischen Diplomaten der Botschaft in Rabat, an dem Vorfall beteiligt gewesen zu sein.

Beide Elternteile haben in ihren jeweiligen Heimatländern das Sorgerecht für die Kinder.

Geplante Aktion

"Diese Aktion wurde vom norwegischen Außenminister und seinen Leuten geplant. Sie haben das Volk belogen. Störe hat alles gewusst", sagte Skah dem norwegischen Fernseh- und Radiosender "NRK": "Die offiziellen Stellen haben nun die Verantwortung, die Kinder zurückzubringen."

Seine Ex-Frau, die mittlerweile ein Buch über die Entführung geschrieben hat, hatte zuvor ihrerseits Skah wegen Kindesentführung, Körperverletzung und Bedrohung angezeigt.

Mit Schusswaffen bedroht

Zusätzlich soll Skah nach Aussage eines der beteiligten Soldaten ihm und der Mutter einen Monat vor der Entführung "mit Schusswaffen gegenübergetreten" sein.

"Das war eine dramatische Situation", wird der norwegische Offizier mit dem Decknamen "Petter" in Hopstocks Buch zitiert.

Mittlerweile haben sich auch das marokkanische Außenministerium und der Botschafter in Norwegen in den Fall eingeschaltet.

Das Ministerium forderte die norwegische Regierung auf, die Beteiligten juristisch zu belangen.

Botschafter verlangt Namen

Der marokkanische Botschafter in Norwegen, Ahdih Bouchaab, verlangte die Offenlegung der Namen der an der Tat beteiligten Personen.

"Leute, die an Menschenschmuggel beteiligt waren, dürfen nicht geschützt werden", sagte Bouchaab: "Denken Sie mal daran, was passieren würde, wenn marokkanische Offiziere dies in Norwegen machen würden..."

Hohe Prämie ausgesetzt

Skah hingegen vertraut allerdings nicht nur der Diplomatie. Der 43-Jährige hat mittlerweile eine Prämie von umgerechnet 360.000 Euro für denjenigen ausgesetzt, der Sohn und Tochter nach Marokko zurückbringt.

Die Affäre könnte sogar noch weitere Kreise ziehen. In der norwegischen Tageszeitung "Aftenposten", erklärte ein anonymer norwegischer Offizier, es sei nicht das erste Mal gewesen, dass Kinder aus Marokko nach Norwegen entführt worden seien.

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