vergrößernverkleinern
Nadine Müller steigerte in Wiesbaden ihre persönliche Bestweite um 2,20 Meter © imago

Mit ihrer Steigerung auf fast 68 Meter steigt die blonde Diskuswerferin zur EM-Favoritin auf und übertrifft Weltmeister Harting.

Wiesbaden/Köln - Eine bildhübsche Blondine mit Model-Figur erobert als neues Gesicht der deutschen Leichtathletik die Diskuswelt.

Nadine Müller, die 24-Jährige mit dem Gardemaß von 1,93 m, ist nach ihrer Steigerung auf die im letzten Jahrzehnt weltweit nur von vier Rivalinnen übertroffene Weite von 67,78 m EM-Favoritin für Barcelona (27. Juli bis 1. August). 170018(DIASHOW: Deutschland einig Sportlerland)

"Schon vorher war eine Medaille mein Ziel. Ich sehe der EM nun gemütlich entgegen", sagt die WM-Sechste aus Halle an der Saale nach dem großen Wurf von Wiesbaden.

Auch Münch schafft die Norm

Beim 15. Werfercup im Helmut-Schön-Park stahl die Polizistin auch Weltmeister Robert Harting (Berlin) die Show, der mit 66,62 m die EM-Norm abhakte.

Zufrieden war der 1,99-m-Mann allerdings keineswegs. "Ich bin nicht glücklich. Die Bedingungen waren eigentlich optimal, deshalb hätte ich mir einen besseren Saisonauftakt gewünscht", sagte der Berliner.

Hinter ihm erfüllte auch Markus Münch (LG Wedel-Pinneberg), Sieger des Winterwurf-Europacups und Schützling von Olympiasieger Rolf Danneberg, mit 64,46 m endgültig die WM-Norm.

Nur die Ost-Konkurrenz auf Augenhöhe

Nadine Müller, die spätestens im August 2009 durch ihren sechsten WM-Rang und die Steigerung auf 63,46 m ihre großen Möglichkeiten angedeutet hatte, übertraf gleich dreimal ihre Bestmarke von 64,30 m, mit der sie am 20. März beim Winterwurf-Europacup im französischen Arles gesiegt hatte.

Wie hoch die Weite der Hallenserin einzuschätzen ist, zeigt die Tatsache, dass im letzten Jahrzehnt neben der dreimaligen Weltmeisterin Franka Dietzsch (68,51) nur Ex-Weltmeisterin Irina Jatschenko (Weißrussland/69,14), Athen-Olympiasiegerin Natalja

Sadowa (Russland/68,63) und die frühere Vize-Weltmeisterin Nicoleta Grasu (Rumänien/68,31 m) weiter warfen.

"Da ging mir ganz schön die Muffe"

"Ich will diese Leistung erst einmal mit Weiten um 66 Meter bestätigen", sagt Nadine Müller, die im ersten Wurf ihre Hausmarke gleich um 2,20 m gesteigert hatte.

Den 66,50 folgten im fünften Durchgang 67,48 und zum Schluss 67,78. "Ich war überrascht, dass es noch weiter ging. Denn nach dem ersten Wurf ging mir ganz schön die Muffe", sagte die 24-Jährige.

Auch Trainer Rene Sack staunte. Der Ex-Kugelstoßer, der Nadine Müller 2009 von Gerd Böttcher übernommen hatte, rechnete zwar mit einem 65-m-Wurf, "aber nicht mit drei Steigerungen und einer solchen Weite".

Nun auch Respekt von Dietzsch

Der Leipziger führt das neue Niveau der trotz ihrer 90 Kilo schlank wirkenden Athletin darauf zurück: "Wir haben viel an der Technik gearbeitet, auch die Kraftwerte verbessert."

Nadine Müller sieht es so: "Ich habe ein bisschen mehr Muskeln, aber nicht mehr Gewicht. Im Kraftbereich liegen noch große Reserven."

Franka Dietzsch, die Nadine Müller bis zu deren DM-Sieg 2009 nie richtig erst genommen hatte, sagte nach der Berliner WM: "Keine andere Werferin hat diese körperlichen Eigenschaften, diese Spannweite. Wenn Nadine technisch etwas sauberer arbeitet und ihre Kraftwerte steigert, kann sie eine Große werden."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel