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Pascal Behrenbruch erreichte seine Bestleistung mit 8439 Punkten bei der WM 2009. © getty

Das Lazarett der deutschen Zehnkämpfer lichtet sich nicht - einzig Pascal Behrenbruch hofft noch auf die EM in Barcelona.

Ratingen - Der deutsche Zehnkampf wird mit hoher Wahrscheinlichkeit erstmals in der Leichtathletik-Geschichte nicht bei einem internationalen Großereignis vertreten sein.

"Bisher hatten wir bei Welt- und Europameisterschaften oft mehrere Medaillenkandidaten. Und jetzt keinen einzigen Teilnehmer? - das war noch nie da", sagt Willi Holdorf.

Der Olympiasieger von Tokio 1964 erlebte am Wochenende in Ratingen, wie nach der Verletzungsmisere von vier Leistungsträger die letzten Hoffnungen schwanden.

Schafft Behrenbruch noch den Sprung?

Geschieht nicht noch ein Wunder mit Pascal Behrenbruch, der ein Potenzial von über 8500 Punkten hat, wird die EM in Barcelona (27. Juli bis 1. August) ohne einen Repräsentanten der deutschen Erfolgsdisziplin stattfinden.

"Pascal will unbedingt dabei sein, doch ich bin ziemlich sicher: er wird in Barcelona nicht starten", sagt Jürgen Sammert, Trainer des WM-Sechsten der LG Frankfurt.

Beim Zehnkampf Ende Mai in Götzis erlitt Behrenbruch einen Anriss der Plantarsehne unter dem Fuß, schaffte mit 8069 Punkten dennoch die Olympianorm.

Sammert: "Es ist gesichert, dass die entzündete Sehne schon im 100-m-Lauf angerissen ist. Normal kann man damit keinen Zehnkampf durchstehen, aber Pascal hats geschafft. Darum glaubt er auch weiter an Barcelona."

Auch Schrader fehlt

Ähnliches hatten zuvor drei andere deutsche Zehnkampf-Recken erlebt.

Seit Monaten schon ist der Traum vom EM-Start für den letztjährigen Weltranglisten-Vierten Michael Schrader (Leverkusen), den früheren WM-Vierten Andre Niklaus (Berlin) und Arthur Abele (Sindelfingen), den Sieger der Ratinger Olympia-Qualifikation von 2008, ausgeträumt. (Alle Leichtathletik-News)

Andre Niklaus wurde erneut am Zeh operiert und muss sich langsam die Frage stellen, ob eine Fortsetzung der Karriere noch Sinn macht.

Deutsches Lazarett

Youngster Michael Schrader erlitt einen zweiten Ermüdungsbruch am gleichen Bein.

"Es ist komischerweise nicht das normal stärker belastete Sprungbein", sagt sein Trainer Torsten Voss, 1987 Weltmeister in Rom.

Und Arthur Abele, der ebenfalls ein Potenzial von über 8500 Punkten erkennen ließ, plagt sich schon im dritten Jahr mit Knochenproblemen im Schambeinbereich.

Zweifel am Trainingsprogramm

"Wir werden sehr genau analysieren, was hinter dieser Fülle von Verletzungen steckt. Vielleicht liegt es am Trainingsprogramm", sagt der für den Mehrkampf zuständige DLV-Cheftrainer Herbert Czingon.

Paul Meier, Präsident des deutschen Zehnkampf-Teams, musste seine Karriere wie Frank Busemann, Olympiazweiter 1996 in Atlanta, auch nach zu hohem körperlichem Verschleiß beenden.

Er glaubt, dass die Anforderungen von Beruf, Studium und Ausbildung zu wenig Raum für Prävention und Regeneration in dieser trainingsintensiven Sportart lassen:

"Wir müssen sehen, ob es Lehren aus dieser Situation gibt. Es ist ein schweres Jahr für den deuschen Zehnkampf. Wir können nur auf unsere großen Nachwuchs-Talente hoffen."

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