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Ingo Schultz begann erst 1997 mit der Leichtathletik © getty

Nach unzähligen Verletzungen beendet Ingo Schultz seine Karriere. Doch der Leichtathletik bleibt er erhalten.

Berlin/Dortmund - Dem kometenhaften Aufstieg folgte der gesundheitsbedingte Karriereknick und jetzt das Aus: Der ehemalige 400-m-Europameister Ingo Schultz beendet seine Laufbahn.

Sieben Jahre nachdem er bei der WM 2001 im kanadischen Edmonton als 26-Jähriger durch den Gewinn von Silber vom Hobbyläufer zum Hoffnungsträger der deutschen Leichtathletik geworden war, zwingt ihn eine Verletzung zur Aufgabe.

"Die Entscheidung ist in den letzten Wochen gereift. Ich habe langwierige Probleme im Fersenbereich meines linken Fußes. Die Heilungschancen bis zur WM 2009 in Berlin waren gering", sagte Elektroingenieur Schultz, der schon die Olympiateilnahme 2008 verpasst hatte.

"Ich blicke mit Stolz auf meine Sportkarriere und werde noch den Rest meines Lebens davon erzählen", so Schultz.

Unglaublicher Aufstieg

Das sieben Jahre alte Bild von seinem Sturmlauf mit den weit aufgerissenen Augen und dem ungläubigen Blick auf der Ziellinie von Edmonton ist vielen noch gegenwärtig.

Im Halbfinale wurde Spätzünder Schultz damals in 44,66 Sekunden drittschnellster deutscher Viertelmeiler der Geschichte, im Finale Vize-Weltmeister. Damit hatte er binnen drei Jahren den Sprung von der Kreisklasse in die Weltklasse geschafft.

Sein Triumph wurde als die Auferstehung einer in Deutschland am boden liegenden Disziplin gefeiert. 2002 in München lief der in Lingen geborene und zuletzt für Bayer Leverkusen startende 2, 01-Meter-Mann zum EM-Titel. Dann begann seine Leidenszeit.

Krankheit und Verletzungen

Erst Pfeiffersches Drüsenfieber, dann Fußverletzungen: Ein Rückschlag folgte dem nächsten. Der Traum vom Europarekord des Chemnitzers Thomas Schönlebe (44,33 Sekunden/1987) blieb unerfüllt. Immerhin reichte es 2004 noch zur Olympiateilnahme, doch in Athen kam das Aus im Halbfinale.

Schultz, der sein Ingenieurs-Diplom an der Hamburger Fakultät als bester Student seit 1976 abgelegt hatte, begann sich auf seine berufliche Karriere zu konzentrieren.

Seit zwei Jahren arbeitet er schon bei einem großen Elektorunternehmen in Herne und ist dort zum Projektleiter aufgestiegen.

Neue Aufgabe für Schultz

"Der Leistungssport hatte für mich zuletzt nicht mehr den Stellenwert wie früher", sagte Schultz. Dabei hätte ihn sein Arbeitgeber zur WM-Vorbereitung sogar noch einmal für ein halbes Jahr freigestellt.

Künftig soll Schultz, der 1997 mit 21 Jahren Marathon lief (3:37 Stunden) und erst danach zum Leistungssport fand, an der Spitze des Fördervereins "Club 400" stehen, der sich um die Förderung der 400-m-Läufer verdient machen will.

Zu dessen Gründungsmitgliedern zählt auch Hartmut Weber, Europameister von 1982.

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