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Carolin Nytra wurde in den letzten drei Jahren jeweils Deutsche Meisterin im Hürdensprint © getty

Nach einer Steigerung um zwei Zehntel in Lausanne ist Hürdensprinterin Nytra fassungslos. Ihr Trainer warnt vor der neuen Gefahr.

Lausanne/Köln - Ungläubig starrte sie auf die Zeitmessung, konnte die vier Ziffern nicht fassen:

"12,57" leuchtete im Ziel des 100-m-Hürdenlaufs für Carolin Nytra auf, die beim Diamond League-Meeting in Lausanne einen ähnlichen Quantensprung vollzog wie ihr Freund Sebastian Bayer 16 Monate zuvor in Turin mit dem spektakulären Hallen-Europarekord von 8,71 m im Weitsprung.

Auch er hofft nach einer Fuß-Operation noch immer auf den EM-Start in Barcelona (27. Juli bis 1. August). (Alle Leichtathletik-News)

"Was ist hier los?" fragte sich die 25 Jahre alte Bremerin fassungslos, während die 17.000 in Lausanne vor allem Weltstar Usain Bolt bejubelten, der nach sechs Wochen Pause wegen seiner Achillessehnenprobleme in 9,82 Sekunden ein großes 100-m-Comeback feierte.

Von Position elf auf drei in der Weltrangliste

Der Gigant aus Jamaika sorgte für eine von sechs Jahres-Weltbestmarken an einem Abend, der mit Temperaturen um 30 Grad den Treibhaus-Effekt für die Hochleistung bot.

Es hat absoluten Seltenheitswert, wenn sich ein Athlet mit einem Schlag von Position elf auf drei in der Weltrangliste verbessert, sich wie im Fall Nytra von 12,77 gleich um zwei Zehntelsekunden auf 12,57 steigert.

Nur Siegerin Priscilla Lopes-Schlief (Kanada) war in 12,56 noch einen Tick schneller, weltweit steht nur Hallen-Weltmeisterin Lolo Jones (USA) in 12,55 eine weitere Winzigkeit davor.

"Erst mal richtig gut trainieren"

"Für den Kopf war es sehr wichtig, dass ich mit einer Athletin wie Priscilla, immerhin Vize-Weltmeisterin, bis ins Ziel Schulter an Schulter gefightet habe. Jetzt weiß ich: Ich kann mithalten, mich auch wieder ranbeißen", sagt Carolin Nytra.

"Mit einer hohen 12,60er Zeit hatte ich geliebäugelt. Aber diese Steigerung kann ich auch am Morgen danach noch nicht richtig fassen", erläuterte die Bremerin. Nur noch 0,15 Sekunden entfernt ist vom 27 Jahre alten deutschen Rekord von Bettine Jahn (Chemnitz), Weltmeisterin von Helsinki 1983.

Typisch, dass sie trotz des Höhenflugs am Boden bleibt: "Jetzt will ich am Wochenende erst mal richtig gut trainieren."

Auch Jens Ellrott, seit neun Jahren ihr Heimtrainer, ist klar: "Wir bereiten uns wie geplant auf die deutschen Meisterschaften am 17./18. Juli in Braunschweig vor, dann geht es wenige Tage später mit dem deutschen Team zu den Europameisterschaften nach Barcelona.

Noch kein internationales Edelmetall

Und am 31. Juli soll dort im 100-m-Hürden-Finale der Lauf der Läufe folgen. "Klar, mein Ziel ist eine Medaille. Ich bin jetzt nicht die große Favoritin", sagt Carolin Nytra, die bisher noch kein internationales Edelmetall gewann.

Bei Olympia 2008 in Peking hatte sie den Endlauf verpasst, bei der WM 2009 in Berlin scheiterte sie ebenfalls im Halbfinale.

Auf die Hallen-WM 2010 in Doha musste sie wegen Achillessehnenprobleme verzichten.

"Die Hürden rasen auf sie zu"

Nun sieht alles anders aus. In der Europarangliste 2010 liegt Caro Nytra nun klar vor der Russin Tatjana Dektjarewa (12,68), der Türkin Nevin Yanit (12,77) und der Schwedin Susanna Kallur (12,78).

"Eine solche Zeit war schon seit längerem möglich. Caro hatte schon 2009 dieses Niveau. Weil sie schneller geworden ist, rasen die Hürden nun förmlich auf sie zu. Das musste sie erst einmal in den Griff bekommen", sagt Jens Ellrott.

Er warnt vor zu viel Erwartungen bei der EM warnt: "Ein Fehler - und man ist weg. Bei Olympia sind LoLo Jones und Susanna Kallur als Favoritinnen gestürzt."

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