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Shelly-Ann Fraser holte bei der WM 2009 Gold über 100 m und in der Sprint-Staffel © getty

Shelly-Ann Fraser wird wegen eines Schmerzmittels positiv getestet. Doping-Experte Schänzer rechnet mit einer reduzierten Sperre.

Lausanne - Als sich Landsmann Usain Bolt beim Comeback von Lausanne in Jahres-Weltbestzeit von 9,82 Sekunden feiern ließ, war Shelly-Ann Fraser am Boden zerstört.

Ein positiver Test beim Diamond League-Meeting am 23. Mai in Schanghai bedroht womöglich die Karriere der 23-Jährigen, die vor zwei Jahren bei Olympia in Peking ebenfalls 100-m-Gold für Jamaika gewonnen hatte. (Alle Leichtathletik-News)

Mein Ruf ist einigermaßen ruiniert. Jeder wird jetzt spekulieren, ich würde verbotene Mittel nehmen. Aber ich habe nichts zu verbergen. Ich habe nur ein Mittel gegen Zahnschmerzen genommen", sagte eine trotzige Shelly-Ann Fraser in einem ersten Statement.

IAAF erteilt Startverbot

Sie stellte fest: "Ich fliege jetzt nach Hause zu einem Hearing bei meinem nationalen Leichtathletik-Verband. Ich hoffe, sie akzeptieren meine Erklärung."

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF hat Shelly-Ann Fraser wegen der Einnahme des auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) stehenden Schmerzmittels Oxycodon inzwischen Startverbot erteilt.

"Dieses morphinhaltige Narkotikum ist außerhalb des Wettkampfes zugelassen, es hat keine leistungssteigernde Wirkung", sagt Wilhelm Schänzer, Leiter des Kölner Labors für Dopinganalysen.

Der Biochemiker rechnet mit einer reduzierten Sperre: "Diese kann zwischen einer Verwarnung und drei Monaten Startverbot liegen."

Trainer verordnet ein stärkeres Mittel

Shelly-Ann Fraser sagt, vor dem Flug nach Shanghai habe sie zu Hause auf Jamaika Zahnschmerzen gehabt und sich drei Zähne füllen lassen.

Das Schmerzmittel habe jedoch nicht geholfen, sie habe in Shanghai an einen Startverzicht gedacht. Dann habe ihr Trainer Francis ein stärkeres Mittel gegeben, das ihm bei Nierenschmerzen geholfen habe.

Damit habe sie starten können, sich aber bei ihrem zweiten Platz in schwachen 11,23 Sekunden nicht gut gefühlt.

"Ich zweifle das Ergebnis nicht an"

Vor drei Wochen wurde Shelly-Ann Fraser laut ihrem Manager Adrian Laidlaw darüber informiert, dass sie provisorisch suspendiert sei. Bisher sei nur die A-Probe analysiert worden.

Fraser: "Ich zweifle das Ergebnis nicht an. Es besteht keine Notwendigkeit, die B-Probe zu öffnen."

Die 23-jährige Shelly-Ann Fraser hatte bei Olympia 2008 in Peking die 100 m in 10,78 Sekunden gewonnen. Ein Jahr später wurde sie in Berlin Weltmeisterin.

Nur eine Zwei-Jahres-Sperre

Noch vor einer Woche hatte sie sich beim Meeting in Eugene/Oregon gegen Doping und für hartes Training ausgesprochen: "Ich habe immer hart gearbeitet. Ich wusste, dass meine Zeit irgendwann kommen würde. Das Geheimnis des Erfolgs ist Training, Training, Training."

Schänzer glaubt, dass Jamaikas Team hinsichtlich der Einnahme von Medikamenten schlecht beraten ist. "Es gab schon etliche Fälle mit Stimulanzen. Da müsste das Umfeld besser aufpassen."

So standen acht Jamaikaner in den letzten Jahren im Mittelpunkt von Dopingaffären, darunter auch Yohan Blanke, in Lausanne in 9,96 Zweiter hinter Bolt.

Für zwei Jahre gesperrt wurde nur Christopher Williams, WM-Zweiter 2001 über 200 m.

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