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Pascal Behrenbruchs Bestmarke im Zehnkampf liegt bei 8374 Punkten © imago

Der DLV verzichtet bei seiner Kader-Nominierung für Barcelona auf drei Härtefälle - Behrenbruch will Nominierung einklagen.

Köln/Kienbaum - Drei prominente Namen fehlen im 74-köpfigen Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) für die Europameisterschaften in Barcelona (27. Juli bis 1. August) (der DLV-Kader für die WM).

Einer von ihnen klagt gegen die Nichtnominierung: Scheitert Pascal Behrenbruch vor Gericht, wäre der DLV erstmals in der EM-Geschichte und seit Jahrzehnten bei Großereignissen ohne Zehnkämpfer.

"Ich habe die Frankfurter Anwältin Caroline Steurer eingeschaltet, sie reicht Klage beim DLV-Schiedsgericht ein", erklärte der 25 Jahre alte WM-Sechste der LG Frankfurt am Montag (Alle Leichtathletik-News).

"Ich hatte einen bombastischen 300-m-Test"

"Ich habe in Götzis mit 8069 Punkten die EM-Norm erfüllt und will in Barcelona dabei sein. Der Verband meint, er wolle nur das Beste, wenn er mich vom Start abhält, aber außer mir weiß keiner, was mein Körper kann", meinte Behrenbruch.

"Ich hatte heute einen bombastischen 300-m-Test in 34,8 Sekunden, fühle mich fit. Das hat mir Prof. Heinz Lohrer bescheinigt, auch wenn DLV-Verbandsarzt Helmut Schreiber anderer Meinung ist", fügte er hinzu.

Anriss der Plantarsehne

Der 25-Jährige hatte sich Ende Mai in Götzis beim 100-m-Lauf einen Anriss der Plantarsehne zugezogen, konnte den Zehnkampf dennoch mit erreichter Norm beenden.

Danach war er vom DLV vorbehaltlich eines Leistungsnachweises nominiert worden. Diesen bestand er in den Augen des DLV am Wochenende in Braunschweig nicht.

Mit dem Speer verfehlte Behrenbruch die geforderten 63,50 m, über 110 m Hürden wurde er wegen Fehlstarts disqualifiziert.

Auch Spank und Bayer nicht dabei

Wie Behrenbruch wurden nach Verletzungs- und Formproblemen im Hochsprung auch der WM-Dritte Raul Spank und im Weitsprung der Hamburger Hallen-Europameister Sebastian Bayer, Freund der 100-m-Hürden-Goldhoffnung Carolin Nytra, nicht nominiert.

DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen meinte zum Fall von Sebastian Bayer:

"Er war beim Leistungstest mit seinen 7,71 m zu weit weg von der Norm und einer Finalchance. Gleiches gilt für Raul Spank, den wir auf Grundlage eines einzigen 2,25-m-Sprungs hätten nominieren müssen. Pascal Behrenbruch haben wir auf Grundlage eines ärztlichen Befundes, das von einem Start abrät, aus Verantwortung für den Athleten nicht nominiert. Alle Beteiligten sehen das ein, nur er selbst nicht."

"Wir wollen an die Erfolge der WM 2009 in Berlin anknüpfen", erklärte DLV-Präsident Clemens Prokop zur EM-Ziel.

Hoffnung ruht auf Harting und Co.

Bei der Heim-WM hatte es neun Medaillen gegeben, darunter Gold für Robert Harting.

Neben dem Weltmeister trägt im Diskusring nun auch die Weltranglisten-Erste Nadine Müller die Hoffnungen, mit dem Hammer die WM-Zweite Betty Heidler, außerdem als Erste der Europa-Rangliste Weitspringer Christian Reif, Carolin Nytra, im Hochsprung Hallen-Europameisterin Ariane Friedrich und im Siebenkampf die Leverkusener WM-Zweite Jennifer Oeser.

Sieben Ausnahmen

Von 52 Einzelathleten haben 45 die Norm voll erfüllt, hinzu kommen 22 Staffelläufer.

Sieben Ausnahmen gab es laut Kurschilgen, weil sich die Athleten bei der DM und in der Europarangliste gut platzierten und die zweite Norm knapp verfehlten. Letztlich bleiben neun Disziplinen unbesetzt.

2006 in Göteborg hatten bei der letzten EM 80 Nominierte zehn Medaillen gewonnen (4/4/2), Gold gab es dabei für Jan Fitschen über 10.000 m, Ralf Bartels im Kugelstoßen, die zurückgetretene Speerwerferin Steffi Nerius und die derzeit schwangere Marathon-Siegerin Ulrike Maisch.

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