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Verena Sailer war 2009 als WM-Halbfinalistin in Berlin schnellste Europäerin © getty

Mit ihrem Überraschungs-Gold über 100 m tritt Verena Sailer Katrin Krabbes Erbe an. Ihr Trainer traut ihr auch die 11,00 zu.

Barcelona - Sie stürmte durchs Ziel, wirkte wie benommen, doch als sie das 100-m-Gold realisierte, riss sie die Arme in die Höhe und strahlte in den Abendhimmel von Barcelona. 268994(Die Bilder)

"Sowas ist unglaublich. Dass ich Europameisterin bin, ist so ein Wahnsinn. Ich freue mich schon so sehr, die Hymne zu hören", entfuhr es Verena Sailer mit der deutschen Fahne auf den Schultern, als sie nach dem Jubel über ihren überraschenden Siegeslauf in persönlicher Bestzeit von 11,10 Sekunden bei 0,6 m Gegenwind ihre Worte wieder gefunden hatte.

Silber und Bronze gingen an die Französinnen Veronique Mang (11,11) und Myriam Soumare (11,18).

Vier Hundertstel langsamer als Gevaert

Im Finale mit überwiegend "namenloser" Konkurrenz sprintete die 24-Jährige von der MTG Mannheim in die Marktlücke und gewann auf dieser Distanz das erste deutsche 100-m-Gold seit Katrin Krabbe 1990 und das siebte überhaupt.

Vor vier Jahren in Göteborg hatte die Belgierin Kim Gevaert noch in 11,06 gesiegt. Diese Zeit hatte Verena Sailer mit zu starkem Rückenwind bei ihrem Halbfinalsieg erreicht, trotz eines Stolperers in der Startphase.

Die gebürtige Allgäuerin hatte ihre Qualitäten schon 2009 als Dritte der Hallen-EM von Turin und bei der Berliner WM unter Beweis gestellt. Dort war die damalige Sportmarketing-Studentin im 100-m-Halbfinale schnellste Europäerin und schnellste Weiße zugleich.

"Noch nicht das Maximale herausgeholt"

"Sie kann auch 11,00 laufen", sagt Rüdiger Harksen, Cheftrainer der deutschen Läufer, und traut der aus seiner Sicht "hochtalentierten und im Training sehr belastbaren" kleinen Blonden (1,66 m) damit eine Zeit zu, die deutsche Sprinterinnen bis vor 20 Jahren nur im DDR-Trikot liefen.

Auf 11,18 hat es Verena Sailer vergangenes Jahr schon gebracht, nun folgte die gewaltige Steigerung. (der DLV-Kader für die WM)

Die U23-Europameisterin von 2007 fühlt: "Ich habe noch nicht das Maximale aus mir herausgeholt."

Seit 2008 mit Bauer in Mannheim

Und sie ärgert sich, wenn man ihr keine Chance einräumt, irgendwann auch mal in die Sphäre der schwarzen Sprintstars vorzustoßen: "Ich glaube nicht, dass ich weniger Talent habe, nur weil ich weiß bin."

Seit Jahren arbeitet die frühere Turniern mit Valerij Bauer zusammen, mit dem sie nach Mannheim ging, als er dort 2008 Landestrainer wurde.

"Er ist ein Tüftler, der innovativ ist und sich sehr intelligente Übungen einfallen lässt", lobt Harksen den gebürtigen Russen.

Noch ein Bronze-Fall?

Verena Sailers Appetit auf Medaillen ist in Barcelona noch nicht gestillt. Mit dem deutschen Sprinterinnen-Quartett liegt sie in 43,35 Sekunden hinter Russland (42,98) auf Platz zwei in der Europabestenliste.

Am Schlusstag der EM will sie sich noch einmal voll reinhängen - nach dem Beispiel der Berliner WM. Dort war sie mit Bronze ins Ziel gestürzt, hatte mit Schürfwunden an Oberschenkel, Hüfte und Ellbogen bezahlt. 268483(DIASHOW: Die Hingucker der EM)

Danach gabs einen guten Spruch von ihr: "Für eine Medaille lege ich mich schon mal gern auf die Schnauze."

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