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Betty heidler war von 2002 bis 2005 ununterbrochen deutsche Juniorenmeisterin © getty

Medaillenregen für die DLV: Heidler gewinnt Gold, zwei Stabhochspringerinnen holen Edelmetall, Schlangens Taktik geht auf.

Barcelona - Der deutsche Medaillen-Express rollt nach dem goldenen Befreiungsschlag durch Europas neue Sprintkönigin Verena Sailer und Speer-Überraschung Linda Stahl:

Ein dritter Triumph durch Hammerwurf-Ass Betty Heidler und insgesamt sieben Medaillen stehen in der Bilanz vor dem Finale (der DLV-Kader für die WM).

Silber gab es sensationell für 1500-m-Läufer Carsten Schlangen (Berlin) und erwartet für die Leverkusener WM-Vierte Silke Spiegelburg.

Höhengleich mit 4,65 m gewann die Ludwigshafener U23-Europameisterin Lisa Ryzih Bronze im Stabhochsprung.

Prokop optimistisch

"Großartig dieses Gold von Heidler. Und wer hätte Silber durch Carsten Schlangen erwartet?", meinte Clemens Prokop, der als Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) versprach:

"Die Medaillenzahl kann sich fast noch verdoppeln. Ich sahe am Samstag und Sonntag noch Chancen auf zehn Medaillen und darunter einige Titel."

Heidler schockt die Konkurrenz

"Ich wusste, was ich kann und hatte auf Gold gehofft", bekannte die freudestrahlende Betty Heidler, die zuvor die schon erklärt hatte: "Mein Ziel ist mindestens Silber."

Im zweiten Durchgang landete die deutsche Rekordlerin (77,12) den großen Wurf, den weder Russlands frühere Dopingsünderin Tatjana Lysenko (75,65) noch Polens Weltmeisterin und Weltrekordlerin Anita Wlodarczyk (73, 56) zu kontern verstanden.

Nur sie selbst packte im fünften Versuch mit 76,38 m noch einen drauf. Ihre Klubkameradin Kathrin Klaas war als WM-Vierte kläglich in der Qualifikation gescheitert 268483(DIASHOW: Die Hingucker der EM).

Für Betty Heidler, 2006 EM-Fünfte und 2008 Olympianeunte, war es die dritte große Medaille der Karriere. Für Silke Spiegelburg nach Silber bei der Hallen-EM die erste im Freien, für Ryzih und Schlangen die erste überhaupt.

"Es wurde Zeit"

"Es wurde Zeit, dass diese erste Medaille kam. Ich hätte sie gern schon letztes Jahr in Berlin gewonnen", meinte Spiegelburg, die Tränen vergossen hatte, als sie bei der Heim-WM auf Platz vier landete.

Bis 4,65 m leistete sich die 24-Jährige, die zum Auftakt der Diamond League in Doha gesiegt hatte, keinen Fehlversuch.

Bei 4,70 m scheiterte die Olympiasiebte zweimal und hob den letzten Sprung wie die frühere U20-Weltmeisterin Lisy Ryzih für 4,75 m auf. Doch beide scheiterten.

Schlangens Taktik geht auf

Carsten Schlangen, der 1,90 m lange Berliner, schien wie infiziert von den Medaillen der anderen. Bisher war er sechsmal deutscher Meister, aber international immer nur Mitläufer.

"Mein Ziel war das Finale. Und hier wollte ich fighten bis zum Umfallen", meinte der 29 Jahre alte Architekturstudent.

Schlangen hatte sich während des gesamten Rennens im vorderen Drittel des Feldes aufgehalten und war als Sechster in die letzte Kurve gegangen. Auf der Zielgeraden zog er dann unwiderstehlich an den Konkurrenten vorbei:

"Ich habe viel für meine Spritzigkeit trainiert. Wer bei diesem Tempo versucht, irgendwo hinten zu laufen, hat keine Chance."

Höhne beißt sich durch

Glänzend schlug sich auch der WM-Fünfte Andre Höhne, nach Magenproblemen Siebter im 50-km-Gehen: "Es war hart. Aber habe mich durchgebissen."

Der Potsdamer Christoph Linke gab auf.

Lemaitre mit starkem Finish

Star des Tages war Frankreichs neuer Held Christophe Lemaitre, der zwei Tage nach seinem 100-m-Triumph nach großer Aufholjagd in 20,37 Sekunden als achter Europäer der Geschichte das Double schaffte.

Es war Frankreichs vierter Titel nach dem Geher-Gold durch Yannick Diniz am Morgen über 50 km.

"Die Chance war fast dahin, aber ich wusste, wie stark mein Finish ist", meinte Lemaitre, der am Sonntag mit der 4x100-m-Staffel siegen will.

Russland im Goldrausch

Russland gewann Gold Nummer vier bis sechs durch Stab-Königin Swetlana Feofanowa, beim Dreifach-Sieg der 400-m-Läuferinnen durch Tatjana Firowa in Europa-Jahresbestzeit von 49,89 Sekunden und Julia Sarudnewa über 3000 m Hindernis.

Großbritannien holte seinen dritten Titel durch Andy Turner in 13,28 Sekunden über 110 m Hürden und Alexander John (Leipzig) wurde in 13,71 Achter.

Spanien feierte den Schlangen-Bezwinger Arturo Casado über 1500 m.

Reif mit Bestmarke

Gold-Hoffnung Christian Reif stand im Weitsprung vor dem Aus, bevor er im letzten Sprung der Qualifikation mit Einstellung seiner Europa-Jahresbestmarke von 8,27 m die Fans erlöste.

"Ich wollte es nicht so spannend machen. Technisch war der Sprung nicht mal gut."

Im Finale stehen am Wochenende die WM-Dritte Ariane Friedrich nach 1,92 m in der Hochsprung-Qualifikation, Carolin Nytra nach Platz zwei im Hürden-Vorlauf (12,89) und Kugelstoß-Titelverteidiger Ralf Bartels.

Oeser auf Bronze-Kurs

Vize-Weltmeisterin Jennifer Oeser lag nach Hürdenbestzeit von 13,37 Sekunden bei Halbzeit des Siebenkampfs mit 3841 Punkten an dritter Position hinter Weltmeisterin Jessica Ennis (4080) und der Olympiasiegerin Natalja Dobrynska (3970).

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