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Christian Reif tritt in Berlin auf
Christian Reif wurde 2010 Deutscher Meister im Weitsprung © getty

Der Weitspringer sorgt in Barcelona für einen Paukenschlag. Mit psychologischer Hilfe und der eines bekannten Facebook-Freunds.

Barcelona - Alle Welt schüttelte den Kopf über diesen deutschen Tausendsassa.

Zweimal vor dem Aus in Qualifikation und Finale, zweimal Rettung auf höchstem Niveau.

"Ich war mir absolut sicher, dass ich im dritten Versuch sehr weit springen würde", sagte der neue Weitsprung-Europameister Christian Reif.

"Ich musste mit Psychologen arbeiten, habe die Selbstsicherheit jetzt verinnerlicht. Aber diese Arbeit mit dem Psychologen geht weiter, genau wie das Training, das hilft immer wieder."

Bei der Jahres-Weltbestmarke von 8,47 m, der einzigen, die es in 43 Einzeldisziplinen der EM von Barcelona gab, hatte der 1,96 m lange WM-Neunte von 2007 im Finale wieder Boden gefasst 268483(DIASHOW: Die Hingucker der EM).

Rekord nur knapp verfehlt

"Ich habe niemanden so blitzschnell aus der Grube springen sehen, er war wie paralysiert. Unglaublich, dieser Mann und diese Nervenstärke", sagte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen begeistert.

"In der Qualifikation hatte ich ehrlich gesagt vor dem dritten Sprung das Aus gefürchtet", sagte der Mann, der am Tag zuvor getönt hatte: "Das wird kein Problem sein, ich habe ein Niveau von 8,30 m."

Mit dem Rücken zur Wand egalisierte der 26-Jährige, der in Karlsruhe Sportwissenschaften, Gesundheits- und Fitnessmanagement studiert, seine Europa-Jahresbestmarke.

Und im Finale landete er fast beim deutschen Rekord, den Lutz Dombrowski 1980 beim Olympiasieg in Moskau mit 8,54 m aufgestellt hatte.

An Bayer kommt er nicht ran

"Den hole ich mir nächstes Jahr", kündigte Reif an, der sich in Barcelona 8,45 m zugetraut hatte.

Doch an eine noch größere Weite als die 8,71 m des verletzt fehlenden Sebastian Bayer beim Hallen-Europarekord 2009 in Turin glaubt Reif nicht.

"Eher nicht", sagte der bei Bundestrainer Ulrich Knapp trainierende und von Juri Tscherer in die Spitze geführte Ludwigshafener.

Auf den vierten und fünften Versuch verzichtete Reif, "denn der Fuß tat ohne Ende weh".

Weltmeisterlicher Tipp über Facebook

Schonung muss sein, schließlich will er das Europa-Team noch am 4./5. September beim Continental-Cup im kroatischen Split vertreten, wo es 30.000 Dollar für den Sieger gibt.

Dort trifft er aller Voraussicht nach auf Weltmeister Dwight Phillips (USA), Olympiasieger von Athen 2004.

"Dwight hatte mir vor der EM über Facebook geschrieben, dass ich 8,50 m springen und Europameister werden soll", erzählt Reif.

"Wir sind Freunde, und ich glaube, er freut sich für mich, auch wenn ich seine Jahres-Weltbestmarke um einen Zentimeter verbessert habe. Wir Europäer können die Springer aus aller Welt schlagen."

Party nach dem Triumph

Nach dem großen Satz ging es in der Nacht bei einer Strandparty für die Athleten hoch her.

Mittendrin Christian Reif, der den Triumph jetzt richtig auskosten will: "Ich bleibe noch eine Woche in Barcelona und werde ein paar Tage lang feiern."

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