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Verena Sailer holte in Barcelona Gold über 100 Meter © getty

Neue Helden brauchte das Land: Bei der EM in Barcelona verhelfen einige Nobodys dem DLV zu einem starken Ergebnis und viel Edelmetall.

Barcelona - In den Reißwolf mit der Statistik. Was zählt, sind die neuen Siegertypen und Gesichter.

Dass Deutschlands Leichtathleten im EM-Titelrennen von Barcelona gegen Russland (10x Gold), Frankreich (8) und Großbritannien (6) mit 16 Medaillen (4-6-6) nur als Vierte ins Ziel sprinteten, war völlig egal, als der letzte Vorhang fiel.

Denn das Wichtigste lässt sich nicht in Zahlen messen 268483(DIASHOW: Die Hingucker der EM).

Es ist dies: Deutschlands Leichtathletik hat endlich neue Identifikationsfiguren.

Reif, Sailer und Stahl mit großem Wurf

Es gab Triumphe von Weitspringer Christian Reif, 100-m-Siegerin Verena Sailer, Speer-Überraschung Linda Stahl und dem beim Silberwurf sensationell verbesserten Branchenkollegen Matthias de Zordo.

Auch 1500-m-Aufsteiger Carsten Schlangen, die Stabhochspringerinnen Silke Spiegelburg und Lisa Ryzih sowie Hürdensprinterin Carolin Nytra geben der oft antiquiert daher kommenden Sportart neues Profil.

"Das ist es, was wir so lange vermisst haben", sagte Clemens Prokop, Präsident des DLV.

Historisches Treiben in Barcelona

"Gemessen am Weltniveau hätten unsere Athleten heute bei Olympia bessere Chancen als Russen, Briten und Franzosen."

Prokop kennt die Mechanismen, die da greifen: Ohne charismatische Athleten keine Öffentlichkeit, kein Fernsehen, keine Sponsoren - und wenig Geld für den Verband, der über ein Budget verfügt, das andere Profisportarten milde lächeln lässt.

Erstmals seit der Wiedervereinigung wurden bei einer internationalen Meisterschaft so viele neue Helden geboren wie diesmal am Olympiaberg Montjuic.

"Sind weiter als 2008"

Dort, wo 1992 Dieter Baumann (5000 m), Heike Drechsler (Weitsprung), Heike Henkel (Hochsprung) und Silke Renk (Speerwurf) gesiegt hatten, gab es wie damals vier Titel - auf anderer Ebene.

Vier waren es auch 2006 bei der EM in Göteborg gewesen, als der DLV (4-4-2) zehnmal Edelmetall gewonnen hatte.

Der Medaillenregen am Montjuic lässt den DLV zuversichtlich in Richtung Olympia 2012 blicken.

"Wir sind zwei Jahre vor London schon viel weiter als wir 2008 in Peking waren. Dort und auch bei der WM 2011 im südkoreanischen Daegu wollen wir auf dieser Erfolgsebene weitermachen", sagt Prokop.

Sportdirektor zieht positive Bilanz

Unbeirrt vom Fehlstart präsentierte das 73-köpfige Team sich trotz einiger Fehlschläge wie Rang acht durch Diskus-Favoritin Nadine Müller oder die mitfavorisierte 4x100-m-Staffel der Frauen größtenteils topfit.

"70 Prozent der Athleten standen im Finale. 15 schafften Bestleistungen oder Saisonbestleistungen. Nur in zwölf Fällen gab es ein Scheitern in Runde eins. Die Nationalmannschaft hat sich hervorragend präsentiert", sagte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen.

Ein Jahr nach der erfolgreichen Berliner WM (2-3-4) gab es nochmal einen Ruck nach vorn.

Glänzende Aussichten

Die Medaillengewinner von Barcelona werden bei Olympia 2012 zu 80 Prozent zwischen 21 und 28 Jahren alt sein - nur Kugelstoßer Ralf Bartels (jetzt 32) fällt aus dem Rahmen, doch er hat im 20-Jährigen Supertalent David Storl (5. mit 20,57 m) einen schon heute fast gleichwertigen Nachfolger.

In Daegu und London kann der DLV weiter auf seine Routiniers setzen, die in Barcelona an vier Medaillen beteiligt waren.

Gold gewann wie bei der WM 2007 Hammerwerferin Betty Heidler, Silber wie damals Diskus-Weltmeister Robert Harting, wie zweimal bei der WM Speerwerferin Christina Obergföll, Bronze wie 2009 in Berlin Hochspringerin Ariane Friedrich.

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