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Verena Sailer lief bei der EM in Barcelona mit 11,10 Sekunden persönliche Bestzeit © getty

Verena Sailer setzt sich nach EM-Gold über 100 m bei SPORT1 neue Ziele. Sie spricht über die jetzige Gold-Generation des DLV.

Von Andreas Kloo

München - Sie verkörpert die deutsche Erfolgsgeschichte bei der EM in Barcelona wie keine zweite: Mit einem Bravourstück stieg Verena Sailer Gold zur schnellsten Frau Europas auf.

Mit persönlicher Bestzeit holte die 24-Jährige von der MTG Mannheim das erste deutsche 100-m-Gold seit Katrin Krabbe 1990 und hat auch das Potenzial, die 11-Sekunden-Schallmauer zu knacken, meint Rüdiger Harksen, der Cheftrainer der deutschen Läufer,

Die Titelkämpfe endeten für die Schwäbin allerdings mit einer Enttäuschung, als sie im 4-100-m-Vorlauf den Stab nicht zu packen bekam und die deutsche Sprint-Staffel ausschied.

Im SPORT1-Interview der Woche ärgert sich Sailer noch immer über das Malheur. Sie spricht über die alte und neue Athleten-Generation im DLV und die Bedeutung ihres Heimtrainers Valerij Bauer.

SPORT1: Wie stark spüren Sie nach ihrem EM-Titel die erhöhte Aufmerksamkeit?

Sailer: Das merkt man schon extrem. In den letzten Tagen war ziemlich viel los.

SPORT1: Eventuell auch zu viel?

Sailer: Ach nein, ich stecke das schon weg.

SPORT1: Hatten Sie vor der EM mit der Goldmedaille gerechnet?

Sailer: Rechnen kann man natürlich mit so einem Erfolg nie hundertprozentig. Ins Finale wollte ich auf jeden Fall. Und nach dem Zwischenlauf wollte ich das Ding dann auch gewinnen. 268483(DIASHOW: Die Hingucker der EM)

SPORT1: Im Finale haben Sie sich ziemlich nervenstark präsentiert ? trotz Ihres Stolperers im Halbfinale.

Sailer: Ich war schon sehr nervös, zwar nicht hibbelig, aber nervöser als bei einem normalen Rennen. Im Kopf war ich aber schon immer relativ stark. Es war außerdem nicht meine erste EM, ich war bei der WM in Berlin am Start und habe zahlreiche Nachwuchs-Europameisterschaften bestritten. Diese Erfahrung kam mir zugute.

SPORT1: Welche Bedeutung hat Ihr Heim-Trainer Valerij Bauer für Ihren Erfolg?

Sailer: Wir haben ein sehr gutes Verhältnis miteinander. Auch mit seiner Frau, die meine Physiotherapeutin ist, verstehe ich mich gut. Das Besondere ist, dass er mir absolut vertraut und dass ich ihm absolut vertraue. Wenn er meint, ich müsse dieses oder jenes machen, folge ich ihm, auch wenn mein Gefühl etwas anderes sagt. Da gibt es dann keine Diskussionen.

SPORT1: Mit Ihnen, dem Weitsprung-Europameister Christian Reif und Speerwurf-Siegerin Linda Stahl wurde in Barcelona eine neue goldene Generation geboren. Was unterscheidet denn diese Generation im Vergleich zu der aus den jüngsten weniger erfolgreichen Zeiten?

Sailer: Wir haben alle einen Weg hinter uns mit Höhen und Tiefen, der zielgerichtet zu diesem Titel hingeführt hat. Medaillen hat der DLV aber auch bei den letzten Europameisterschaften schon geholt. Nur jetzt zog eben auch der Laufbereich nach. Die deutsche Leichtathletik scheint auf jeden Fall auf dem richtigen Weg.

SPORT1: Die Mannschaft erschien auch vom Teamgeist her geschlossener als bei früheren Titelkämpfen. Zwischen Läufern und Werfern herrschte keine Distanz. Haben Sie das auch so empfunden? 270173(DIASHOW: Die Tops und Flops)

Sailer: Den Eindruck hatte ich auch schon bei den letzten Titelkämpfen. Ich fühle mich in der Mannschaft wohl. Schön, wenn das auch nach außen hin so ankommt.

SPORT1: Weniger erfreulich war Ihr Staffel-Ergebnis mit dem überraschenden Aus im Vorlauf, als Sie den Staffel-Stab Ihrer Kollegin Anne Möllinger nicht zu fassen bekamen. Trauern Sie dieser Medaille noch hinterher?

Sailer: Von einer sicheren Medaille kann man nie sprechen, zumal die ersten drei Plätze mit Bombenzeiten weggingen. Das hätten wir erst einmal schaffen müssen. Dennoch ist das verpasste Finale ärgerlich, weil unser Lauf, bis ich an die Reihe kam, sehr stark war. Yasmin ist gut gestartet, auch Marion auf der Geraden und Anne in der Kurve sind anschließend gut gelaufen. Deshalb war es für uns sehr bitter. Aber es gibt keine gegenseitigen Vorwürfe.

SPORT1: Mit EM-Gold in den Händen können Sie dieses Missgeschick aber noch relativ locker wegstecken.

Sailer: Das Staffel-Erlebnis muss schon jeder für sich verarbeiten, auch ich. Es war nicht so, dass ich gesagt habe: "Egal, ich hab' ja meine Medaille." Ich musste auch für mich erst einmal überlegen: Was ist da eigentlich passiert? Aber jetzt überwiegt schon die Freude über den EM-Titel.

SPORT1: Ist das dann das Ziel für WM 2011 und Olympia 2012: Eine Medaille sowohl im Einzel als auch in der Staffel?

Sailer: Bei einer WM ist es im Einzel natürlich ungleich schwerer eine Medaille zu holen als bei einer EM. Da muss man erst einmal ins Finale kommen.

SPORT1: Ist die Einzel-Medaille dennoch ein Ziel, auch wenn es schwer wird?

Sailer: Auf jeden Fall ist das ein Ziel. Und daraus werde ich meine Motivation für die nächste Zeit rausziehen.

SPORT1: Und wie sieht es mit der Staffel aus?

Sailer: Da waren wir bei der WM 2009 in Berlin ja schon erfolgreich. Aber man muss erst einmal ins Ziel kommen, wie wir jetzt wissen. Man kann in der Staffel zudem nur seine eigene Leistung beeinflussen, was die Unberechenbarkeit deutlich erhöht.

SPORT1: Wollen Sie sich noch einmal auf die 200 Meter wagen?

Sailer: Auszuschließen ist das nicht, aber momentan trainiere ich nicht dafür und es ist auch nicht geplant.

SPORT1: Ihre Vorgängerin als deutsche 100-Meter-Europameisterin, Katrin Krabbe, stand ja offenkundig in Verbindung mit Doping. Was antworten Sie denn Leuten, die auch Sie nun mit Doping in Verbindung bringen wollen?

Sailer: Zu Katrin Krabbe und der damaligen Zeit habe ich überhaupt keinen Bezug. Damals war ich vier Jahre alt, also noch viel zu jung.

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