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Antonio Pettigrew lief 1998 mit der US-Staffel einen 400-Meter-Weltrekord © imago

Bei Antonio Pettigrew Tod scheint es sich um Selbstmord zu handeln. Freunde finden den 42-Jährigen im verschlossenen Auto.

New York - Nur ein Unfall oder doch Suizid - der Tod des ehemaligen 400-m-Weltmeisters Antonio Pettigrew, der am Dienstagmorgen (Ortszeit) leblos in seinem Auto in Chatham County im US-Bundesstaat North Carolina aufgefunden worden war, wirft viele Fragen auf.

Nach ersten Erkenntnissen hat der Amerikaner vor seinem Tod Schlaftabletten eingenommen.

"Im Moment können wir nicht sagen, ob die Einnahme des Schlafmittels vorsätzlich geschah oder ob es sich hier um einen Unfall handelt. Möglicherweise werden wir das nie erfahren", sagte der leitende Ermittler Gary Blankenship.

Wohl keine Fremdeinwirkung

Anzeichen für eine Fremdeinwirkung liegen laut ersten Aussagen der Ermittlungsbehörden nicht vor.

Ob die vollständigen toxikologischen Untersuchungsergebnisse, die frühestens in vier Wochen erwartet werden, weitere Aufschlüsse über die genauen Todesumstände geben können, ist zumindest fraglich.

Freunde finden Pettigrews Wagen

Zwei Freunde hatten Pettigrew am Dienstag gesucht, nachdem er von seiner Ehefrau Cassandra als vermisst gemeldet worden.

Die beiden fanden sein Auto schließlich kurz nach Mitternacht auf der Strecke zwischen seinem Haus und seiner Arbeitsstelle unter einer Brücke. Das Fahrzeug war verschlossen, Pettigrew gab keine Lebenszeichen von sich.

Die alarmierten Rettungskräfte konnten nach ihrem Eintreffen nur noch den Tod feststellen.

Fragen nach psychischer Verfassung

Der ehemalige Leichtathletik-Star starb im Alter von 42 Jahren und hinterlässt Ehefrau Cassandra und Sohn Antonio junior.

Nach Auskunft von Blankenship werden Ermittlungsbeamte in den nächsten Tagen die Familie und Freunde befragen, um einen Eindruck von Pettigrews psychischer Verfassung zu erhalten.

Lob für Pettigrews Trainer-Arbeit

Pettigrew hatte zuletzt als Assistenztrainer an der Universität von North Carolina gearbeitet. "Auch wenn wir noch nichts über die näheren Umstände wissen, sind wir bestürzt und tieftraurig über die Nachricht von Antonios Tod", sagte der für den Bereich Leichtathletik an der Uni zuständige Dick Baddour.

Er sei sehr beeindruckt von der guten Arbeit Pettigrews gewesen und von der Beziehung, die dieser zu den Studenten aufgebaut habe, sagte Baddour weiter: "Unser ganzes Mitgefühl gilt seiner Familie."

Olympia und WM-Gold aberkannt

Pettigrew, der seinen WM-Titel 1991 in Tokio gewonnen hatte, schrieb zuletzt nur noch Doping-Schlagzeilen. Er verlor insgesamt drei WM-Goldmedaillen, nur den Titel von Tokio durfte er behalten.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte Pettigrew bei den Sommerspielen in Peking 2008 bereits das 4x400-m-Gold von Sydney 2000 aberkannt, der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) hatte sein Staffel-Gold der WM 2001 in Edmonton/Kanada annulliert.

Dann folgten die 4x400-m-Siege der Amerikaner von Athen 1997 und Sevilla 1999. Annulliert wurde zudem der Weltrekord aus dem Jahr 1998 (2:54, 20 Minuten).

Nie positiv getestet

Pettigrew, der selbst nie positiv getestet worden war, hatte 2008 im Meineid-Prozess gegen seinen ehemaligen Trainer Trevor Graham zugegeben, ab 1997 Dopingmittel von einem mexikanischen Händler bezogen zu haben, darunter Epo und Wachstumshormone.

Heredia hatte ausgesagt, er habe Pettigrew von 1997 bis 2001 mit diesen Substanzen versorgt.

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