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Lisa Rysih wurde bei den Deutschen Meister- schaften 2009 Dritte © getty

DLV-Ass Rysih kommt sich beim Continental-Cup vor "wie auf einer Kreismeisterschaft". Harting verhilft Europa zum Sieg.

Split - Frust, Spott und sogar Boykott-Drohungen: Die Premiere des Leichtathletik-Continental-Cups wurde von Misstönen überlagert.

"Die Bedingungen waren eine Katastrophe. Man kommt sich vor wie auf einer Kreismeisterschaft", sagte Stabhochspringerin Lisa Rysih nach einer Serie von Pannen, die die Höhenjagd der Stab-Akrobatinnen im Poljud-Stadion von Split zu einer quälenden Hängepartie gemacht hatte.

Trotz eines hervorragenden zweiten Platzes und 15.000 Dollar Preisgeld beim Wettstreit der Kontinente - den die Europäer gegen die Kontrahenten aus Amerika gewannen - war die EM-Dritte sauer.

"Solche Pannen darf es bei einer großen Meisterschaft einfach nicht geben. Das war pure Inkompetenz", sagte Ryzih.

Boykott war im Gespräch

Fünf Stunden hatte sich der Wettkampf in die Länge gezogen - zwischen Ryzihs insgesamt acht Sprüngen hatten zum Teil Pausen von einer halben Stunde gelegen. Für die ständigen Unterbrechungen sorgten mehrere defekte Stabhochsprung-Ständer.

"Bei unseren regionalen Meisterschaften in der Pfalz würde das nicht passieren", sagte die Ludwigshafenerin, die gemeinsam mit ihren Konkurrentinnen sogar einen Boykott des Springens diskutiert hatte.

Starke Höhen trotz schlechter Bedingungen

Am Ende stand für sie dennoch das beste Resultat aller vier deutschen Starter, die am ersten Tag für das Team Europa angetreten waren.

Mit unter diesen Bedingungen starken 4,60 m musste sich die 21-Jährige nur Europameisterin Swetlana Feofanowa aus Russland beugen, die 4,70 m sprang, aber ähnlich angefressen war: "Es gab ständig Probleme, die den Wettkampf sehr schwierig gemacht haben."

Harting triumphiert

Am zweiten Tag sorgte Robert Harting für das sportliche Highlight aus deutscher Sicht.

Der Berliner sorgte für den einzigen Sieg der DLV-Athleten und hatte so auch seinen Anteil am knappen Gesamtsieg des Teams Europa.

Den zweiten deutschen Podiumsplatz am zweiten Wettkampftag steuerte Vize-Europameister Matthias de Zordo als Dritter im Speerwurf bei.

Vlasic stellt Bestleistung ein

Für die überragende Leistung zum Abschluss sorgte Welt- und Europameisterin Blanka Vlasic, die vor 30.000 begeisterten Zuschauern in ihrer Heimatstadt mit 2,05 m im Hochsprung die Jahres-Weltbestleistung der US-Amerikanerin Chaunte Howard Lowe einstellte.

Am ersten Tag hatte auch Dreispringerin Olga Rypakowa aus Kasachstan mit 15,25 m eine Saison-Weltbestmarke erzielt.

Ärger mit dem Diskus

Wie alle Sieger strich Harting für den Erfolg in seinem letzten Wettkampf dieser Saison noch einmal 30.000 Dollar ein.

Dabei musste er sogar auf den Diskus eines Konkurrenten zurückgreifen. "Mein eigener wurde von den Kampfrichtern abgelehnt, weil er beim Wiegen ein Gramm unter den geforderten zwei Kilo lag", sagte der 25-Jährige.

Doch auch so hielt er die Gegner in Schach: "Das war ein geiles Gefühl, für Europa zu siegen."

Rivalität überwiegt

Mit 66,85 m setzte sich Harting am Ende knapp vor dem Australier Benn Harradine durch, der 66,45 m warf. Polens Europameister Piotr Malachowski (64,20) wurde hinter dem drittplatzierten Iraner Ehsan Hadadi (64,55) Vierter.

"Es freut mich natürlich auch, dass ich Malachowski zum fünften Mal in Folge besiegen konnte. Auch wenn wir beide fürs Europa-Team gekämpft haben, überwiegt bei uns doch die Rivalität", so Harting.

De Zordo musste sich derweil mit 82,89 m nicht nur Seriensieger Andreas Thorkildsen aus Norwegen (89,26), sondern auch dem Südafrikaner Gerhardus Pienaar (83,17) geschlagen geben. Insgesamt war es der vierte Podestplatz der siebenköpfigen DLV-Fraktion im Europa-Team.

Heidler nur Vierte

Ein wenig enttäuschend verlief der Wettkampf dagegen für Hammerwurf-Europameisterin Betty Heidler.

Mit 72,70 m landete die Frankfurterin nur auf dem vierten Platz und verfehlte das Podium dabei um drei Zentimeter.

"Zum Ende der Saison war jetzt die nötige Spannung einfach nicht mehr da. Mit den Gedanken war ich schon ein bisschen bei meinem bevorstehenden Urlaub", sagte die 26-Jährige, der 1,18 m auf die Siegerin Tatjana Lysenko aus Russland (73,88) fehlten.

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