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Tyson Gay (l.) fügte Usain Bolt in Stockholm nach zwei Jahren die erste Niederlage zu © getty

Der "Partylöwe" fehlt, wenn Tyson Gay ihm in Monte Carlo wohl einen Titel entreißt. Usain Bolt hofft dafür auf zwei Weltrekorde.

München - Gestern top, heute Flop.

Wenn die Leichtathletik-Welt am Sonntag in Monte Carlo ihre Stars des Jahres kürt, fehlt der Mann, der seine Sportart seit 2008 wie kein anderer in den Fokus der Öffentlichkeit rückte.

Usain Bolt steht im Abseits. Er schaffte es nicht einmal auf die Liste der fünf Finalisten, während sich US-Rivale Tyson Gay anschickt, wie 2007 nach den beiden WM-Titeln Welt-Leichtathlet zu werden.

"2010 war nicht wirklich mein Jahr, auch wenn ich über 100 m 9,82 und über 200 m 19,56 gelaufen bin. Um so motivierter werde ich 2011 zurückkommen.

Titelverteidigung als Ziel

Ich will bei der WM in Südkorea die drei Titel von Berlin 2009 verteidigen und möglichst meinen 100- und 200-m-Weltrekord verbessern", sagt der Jamaika-Star Bolt mit Blick auf seine 9,58 und 19,19 Sekunden, mit denen er 2009 die Glanzlichter bei der WM 2009 in Berlin gesetzt hatte.

Um dies auf die Beine zu stellen, startete Bolt früher als in den letzten Jahren bereits Anfang Oktober ins Training, von dem er sich nun eine kurze Pause gönnt:

Am Montag besuchte der schnelle Mann das Ferrari-Hauptquartier in Maranello, nahm am Dienstag in Paris den Sports Academy Grand Prix 2010 in Empfang und machte noch einen Abstecher nach München zu Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Müller-Wohlfahrt erteilt Startverbot

Der bekannte Sportarzt hatte Bolt Mitte August aus dem Verkehr gezogen. Der Chefmediziner des FC Bayern diagnostizierte eine Rückenverletzung und erteilte wegen drohender Folgeschäden an Wadenmuskulatur und Achillessehne Startverbot.

"Ich war erst sehr enttäuscht, dass ich in Zürich und Brüssel nicht mehr laufen konnte. Aber es war besser, kein weiteres Risiko einzugehen.

2011 und 2012 sind wichtige Jahre für mich. Da will ich fit und gesund sein", sagt Bolt, der allerdings auch kaum die Form zur Revanche gegen Gay gehabt hätte..

Niederlage gegen Gay

Der US-Star hatte Bolt Tage zuvor in Stockholm in 9,84 zu 9,97 Sekunden die erste Niederlage seit zwei Jahren zugefügt.

An gleicher Stelle hatte Bolt vor Olympia 2008 in 9,89 gegen Landsmann Asafa Powell (9,88) letztmals vor seiner großen Siegesserie verloren.

Danach war er 34-mal in Folge ungeschlagen geblieben. Bolt feierte 14 Siege über 100 m, 13 über 200 m und sieben mit der 4x100-m-Staffel, mit der er in 37,10 Sekunden seit Olympia 2008 einen dritten Weltrekord hält.

"Eine Zeit im Bereich von 9,4 ist möglich", versichert Bolt, dessen Karriere möglicherweise schon mit 25 Jahren enden könnte.

Michael Johnson als Vorbild

"Ich will auf jeden Fall noch an den Olympischen Spielen 2012 in London teilnehmen. Danach werde ich entscheiden, wie es weitergeht. Ich möchte auf dem Höhepunkt Schluss machen, so wie Michael Johnson", sagte Bolt.

Der frühere US-Star hält in 43,18 Sekunden noch immer den 400-m-Weltrekord. "Er könnte mich reizen, genau so wie der Weitsprung, den ich aber erst im letzten Jahr vor meinem Karriereende angehen will. Ich glaube, er fordert vom Körper zu viel Tribut." .

"Keine Lust auf Olympia"

In seinem Buch "Usain Bolt - 9,58" verriet der Jamaikaner, dass er faul ist, oft das Training schwänzt und auf Olympia 2004 in Athen verzichtete, "weil ich keine Lust darauf hatte."

Noch ein weiteres Detail verschwieg er nicht: "Wenn es Medaillen für Partylöwen gäbe, hätte ich sie schon alle gewonnen."

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